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17. Juni 1953

Der Schrei nach Freiheit. Wie erlebten die Menschen in Jena den 17. Juni 1953?

                                        Svenja und Steffi


Am 17. Juni 2003 jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem - wie in vielen anderen Orten der ehemaligen DDR auch - in Jena Tausende von Menschen offen gegen die Politik der DDR auf den Straßen protestierten. An dieses Ereignis erinnern bundesweit zahlreiche Austellungen und Veranstaltungen. Auch Rundfunk und Fernsehen beschäftigen sich mit der Aufarbeitung (Ursachen, Abfolge und Wirkung) des Volksaufstandes am 17. Juni 1953.

Aufgrund dieses aktuellen Anlasses wurde in uns das Interesse geweckt, sich mit den Ereignissen an diesem Tag in Jena zu beschäftigen, zumal nur wenige Zeugnisse im Stadtbild von Jena daran erinnern. Da es sich um die erste Massenerhebung in der Sowjetischen Besatzungszone und zugleich um ein Schlüsselereignis handelt, das den Gang der deutsch - deutschen Geschichte maßgeblich mitbestimmt hat, ist dieser Tag von großer historischer Bedeutung. Unser Ziel ist es deshalb, die Ereignisse an diesem Tag in Jena u.a mit Hilfe von Zeitzeugenaussagen zu rekonstruieren. Mit unserem Endprodukt - einem Hörfeature - wollen wir versuchen, deutsche Geschichte in Jena erlebbar zu machen. Unser Hörfeature richtet sich an alle diejenigen, die mehr über die Ereignisse am 17. Juni 1953 in Jena erfahren wollen, insbesondere aber an ausländische Studierende, die mit fremden Augen auf Jena blicken.
Das Hörfeature kann in der Lernwerkstatt, Ernst-Abbe-Platz 8, Raum 615, ausgeliehen werden.

 

Der 17. Juni in Jena
Ursachen - Verlauf - Folgen

Ursachen

 

Am 17. Juni 1953 brechen in der DDR landesweit Proteste und Demonstrationen aus.

Die unmittelbaren Ursachen für diesen Volksaufstand reichen bis zur II. Parteikonferenz der SED Anfang Juli 1952 zurück.

Ihr Generalsekretär Walter Ulbricht hatte unter dem Beifall der Delegierten verkündigt, dass „in der Deutschen Demokratischen Republik der Sozialismus planmäßig aufgebaut wird.“

Beschluß der II. Parteikonferenz der SED vom 9. - 12. Juli 1952:

Die politischen und ökonomischen Bedingungen sowie das Bewußtsein der Arbeiterklasse und der Mehrheit der Werktätigen sind so weit entwickelt, daß der Aufbau des Sozialismus zur grundlegenden Aufgabe in der Deutschen Demokratischen Republik geworden ist...

Das Hauptinstrument bei der Schaffung der Grundlagen des Sozialismus ist die Staatsmacht...Es ist zu beachten, daß die Verschärfung des Klassenkampfes unvermeidlich ist und die Werktätigen den Widerstand der feindlichen Kräfte brechen müssen.


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Was der „Aufbau des Sozialismus“ für die Bevlkerung der DDR praktisch bedeutete, zeigte sich in den folgenden Monaten.

Um „Heimat und das Werk des sozialistischen Aufbaus“ zu schützen, wird am 1. Juli 1952 aus Teilen der Volkspolizei die sogenannte Kasernierte Volkspolizei, KVP, die Vorläuferin der Nationalen Armee, NVA, gebildet. Die forcierte Militarisierung entzieht der Wirtschaft Zehntausende dringend benötigter Arbeitskräfte. Dies ist um so problematischer, als gleichzeitig der Aufbau der Schwer- und Grundstoffindustrien rücksichtslos vorangetrieben wird. Drastische Einschränkungen der Konsumgüterfertigung waren die Folge. Viele Verbrauchswaren können nicht mehr produziert werden. Der Lebensstandard sinkt merklich. Die Menschen in der DDR bekommen die Engpässe deutlich zu spüren:

Trotz stundenlangen Anstehens in den Läden erhalten sie auf die ihnen zugeteilten Lebensmittelmarken häufig nicht einmal die nötigen Grundnahrungsmittel.

 

Die Kollektivierung der Landwirtschaft und die Enteignung von kleineren und mittleren Gewerbebetrieben ist ein weiteres Ziel zum Aufbau des Sozialismus. Bauern, die sich nicht den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, LPG; anschließen, müssen extrem hohe Ablieferungsquoten erfüllen. Handwerker, Einzelhändler und Privatunternehmer werden durch Steuern gezwungen, ihre Geschäfte und Betriebe in Volkseigentum zu überführen. Wo diese wirtschaftlichen Druckmittel nicht ausreichen, greift eine verschärfte Strafjustiz ein: Selbst kleinste Eigentumsdelikte werden mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Zuchthaus bestraft, um auf diese Weise Eigentümer zur Überschreibung ihres Besitzes an den Staat zu zwingen. Willkürurteile sind an der Tagesordnung. Mitte 1952 sitzen 60. 000 Häftlinge in den Gefängnissen der DDR.

 

Als Ausweg sehen viele Menschen nur die „Republikflucht“. Handwerker verlassen ihre Betriebe, Bauern ihre Höfe. Im März 1953 erreicht die Fluchtwelle ihren vorläufigen Höhepunkt: 58. 605 Menschen fliehen allein in diesem Monat aus der DDR. Vom Juni 1952 bis zum Mai 1953 sind es 311. 843 Menschen, doppelt so viele wie im Jahr vor dem proklamierten Aufbau des Sozialismus 1951.

 

Anfang 1953 ist nicht länger zu übersehen, dass die DDR sich in einer schweren wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Krise befindet. Die Versorgung der Bevölkerung ist so schlecht wie in den ersten Hungerjahren nach dem Krieg. Als Ausweg aus der Misere weiß die SED - Führung nur eine Lösung: Steigerung der Arbeitsproduktivität durch Normenerhöhung und freiwillige Selbstverpflichtung. Freiwillig klärt sich aber kaum noch jemand zur Mehrarbeit bereit. Selbst „spezielle“ Manahmen, beispielsweise der Versuch, Belegschaften anläßlich der aufgelockerten Stimmung eines Betriebsfestes Plansollsteigerungen zu entlocken, können die Menschen nicht motivieren.

 

Der Ministerrat der DDR sieht sich gezwungen, zu härteren Mitteln zu greifen. Am 28. Mai 1953 wird per Gesetz die Erhöhung der Arbeitsnormen beschlossen.

 

Aus dem Beschluß des Ministerrates der Deutschen Demokratischen Republik vom 28. Mai 1953 über die Erhöhung der Arbeitsnormen:

Die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik hält für erforderlich, daß die Minister, Staatssekretäre sowie Werkleiter alle erforderlichen Maßnahmen zur Überprüfung der Arbeitsnormen in den betrieben durchführen.. Das Ziel dieser Maßnahmen ist, die Arbeitsnormen mit den Erfordernissen der Steigerung der Arbeitsproduktivität und der Senkung der Selbstkosten  in Übereinstimmung zu bringen und zunächst eine Erhöhung der für die Produktion entscheidenden Arbeitsnormen um mindestens 10 Prozent sicherzustellen...Alle erhöhten Arbeitsnormen sind durch den Werkdirektor unterschriftlich zu bestätigen, vor ihrer Einführung bekanntzugeben und für alle Arbeiter verbindlich zu erklären...

 

Die einzelnen Industrie- und Wirtschaftszweige erhalten eine Frist bis zum 30. Juni 1953, um die Anweisung zu erfüllen. Auch beim VEB Carl - Zeiss Jena sollte die Arbeitsnorm um 6,1 Prozent erhöht werden. Des Weiteren war die allmähliche Abschaffung des Zeiß - Stiftungs- Statutes und der damit verbundenen Privilegien der Belegschaften der Stiftungsbetriebe Carl - Zeiss Jena, Schott und Genossen sowie Jenapharm. Die Ergebnisse der Umwandlung dieser Großbetriebe in Volkseigene Betriebe ließen sich nicht mit der Vorstellung der Belegschaften vereinbaren, zumal ihnen dadurch soziale Vorzüge verlorengingen, die sie sogar über die Zeit des Nationalsozialismus  bewahren konnten.

 

Infolge der Normenerhöhung kam es bereits vor dem 17. Juni zu kleineren Streiks.

 

Die sowjetische Regierung verfolgt die instabile Lage der DDR zunehmend kritisch. Sie sieht die von der SED angestrebte Politik eines beschleunigten Aufbaus des Sozialismus als Ursache für die „äußerst unbefriedigende politische und wirtschaftliche Lage“ in der DDR an. Zum Mißerfolg sei es gekommen, weil die notwendigen innen- und außenpolitischen Voraussetzungen nicht gegeben waren.

 

Der SED wird mit dem „Neuen Kurs“ befohlen, ihre Fehler so zu bekennen, dass „ganz Deutschland es sieht“.

 

Am 11. Juni 1953 findet die Tageszeitung der SED, das „Neue Deutschland“, reißenden Absatz. Die erstaunten Käufer lesen - zum einzigen Mal in der Geschichte der DDR - ein Schuldeingeständnis des Politbüros. Im Schuldeingeständnis wurden die Arbeitsnormen nicht zurückgenommen.

 

Aus dem Leitartikel der „Tribüne“, Organ des Bundesvorstands des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes, vom 16. Juni 1953

...Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Kommuniqués des Politbüros und des Ministerrats vom 9.bzw.11. Juni 1953  wird in einigen Fällen die Frage gestellt, inwieweit die Beschlüsse über die Erhöhung der Arbeitsnormen noch richtig sind und aufrechterhalten bleiben. Jawohl, die Beschlüsse über die Erhöhung der Normen sind in vollem Umfang richtig...Es gilt, den Beschluß des Ministerrates über die Erhöhung der Arbeitsnormen um durchschnittlich 10 Prozent bis zum 30. Juni 1953 mit aller Kraft durchzuführen...

 

Verlauf

 

Wortlaut des RIAS (Radio im amerikanischen Sektor)  - 16 Uhr - Nachrichten:

Im Sowjetsektor Berlin ist es heute zu großen Massendemonstrationen der Arbeiter gekommen, die vor dem Gebäude der Zonenregierung gegen die Normerhöhung, die Zustände im sowjetisch besetzten Gebiet Deutschlands und die Politik der Regierung  selbst protestierten. Ausgangspunkt  der Demonstration war die Ostberliner Stalinallee. Dort hatten sich mehrere hundert Bauarbeiter zu einem Protestmarsch gegen die Normenerhöhung formiert, dem sich Tausende von Berlinern, Passanten und Arbeiter aus allen Betrieben anschlossen...Der Platz vor dem Regierungsgebäude war bald mit einer dichten Menschenmenge gefüllt, die in lauten Sprechchören rief: „Wir fordern höhere Löhne und niedrigere Preise, wir verlangen die Beseitigung der Normen! Wir wollen freie Wahlen!“

 

Ähnlich wie in Ost - Berlin entwickelte sich der Aufstand in der DDR - Provinz, wenn auch Zeit versetzt. Hellhörig geworden durch die Nachrichten aus Berlin, die - durch den RIAS - dem Radio im amerikanischen Sektor -, dem Nordwestdeutschen Rundfunk und anderen Westsendern, aber auch durch das interne Fernsprechnetz der DDR Reichsbahn, durch Pendler und Reisende -  schon am Vorabend des 16. und am Morgen des 17. Juni, verbreitet wurden sind.

 

Brennpunkt Jena:

 

8:00 - Gießerei des Südwerkes VEB Carl - Zeiss - Jena:

Beginn des Streiks, Forderungen nach Sturz der Regierung

 

8:15 - Hauptwerk Teichgraben (Stadtzentrum)

           Streikbeginn, Niederlegung der Arbeit

 

9:00 - Hauptwerk

Kundgebung im Hauptwerk, Forderung nach Wiederherstellung des Zeiss - Statutes, Erhöhung der Löhne, Senkung der Lebensmittelpreise um 40 Prozent

 

9:30 - Belegschaften vieler Kleinbetriebe, vor allem die Arbeiter der Deutschen

           Handelszentrale (DHZ) Kohle schließen sich dem Demonstrationszug an

 

10:00 - Ein Demonstrationszug von ca. 3500 Arbeitern der drei Großbetriebe Jenas: Carl-Zeiss, Schott und Jenapharm

             bewegt sich in Richtung Holzmarkt (Stadtzentrum)

 

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11:00 - Holzmarkt

 Erstürmung des Gebäudes der  SED - Kreisleitung und anderer Funktionsgebäude

 

Eine Arbeitervertretung bestehend aus 8 Arbeitern, darunter Walter Scheler, Herbert Bänisch und Alfred Diener tragen dem SED - Kreissekretär Merx die sozialen und politischen Forderungen nach freien Wahlen, der Einheit Deutschlands und der Verbesserung der sozialen Lage vor. Etwa zeitgleich dringen 1500 Menschen gewaltsam in das Gefängnis Am Steiger ein und befreien 61 Häftlinge.

 

15:30 - Holzmarkt

Sowjetische Panzer rücken ins Stadtzentrum ein. Vor dem Gebäude der SED -Kreisleitung führen einige Frauen eine Sitzblockade durch, um die Panzer am Durchkommen zu hindern. Die Panzer ändern daraufhin ihre Richtung. Von der Menge werden nun tonnenschwere Straßenbahnwagen als Barrikaden aus den Gleisen gehoben. Um sich den Weg Richtung SED - Gebäude zu ebnen, geben die sowjetischen Truppen Warnschüsse ab.

 

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Ab 17.00 Uhr gilt in Jena der Ausnahmezustand. Ab 18.00 Uhr fahren Lautsprecherwagen durch Jena und verkünden den Befehl Nr.1 des Stadtkommandanten.

Dieser lautet wie folgt:

 

Befehl!

Über die Stadt Jena wird der Ausnahmezustand verhängt.

Alle Demonstrationen, Kundgebungen und Menschenansammlungen über drei Personen sind auf Straßen und Plätzen, wie auch in öffentlichen Gebäuden verboten.

Jeglicher Verkehr von Fußgängern sowie der Verkehr von Kraftfahrzeugen und anderen Fahrzeugen wird von 21 Uhr bis 5 Uhr verboten.

Diejenigen, die gegen diesen Befehl verstoßen und Widerstand leisten, werden nach den Kriegsgesetzen bestraft.

 

Folgen

 

Die strafrechtliche Verfolgung der sogenannten „Rädelsführer“ und „Provokateure“ durch die deutsche und sowjetische Justiz setzt unmittelbar nach dem gescheiterten Aufstand ein:

In Jena wird der 26- jährige Alfred Diener, ein Zeiß - Schlosser, als Rädelsführer ausgemacht und zum Tode verurteilt.

Aus einer Bekanntmachung des Kommandanten der Stadt Jena:

Hiermit wird bekanntgegeben:

Der Einwohner der Stadt Jena, Alfred Diener, war einer der aktivsten Organisatoren der Unruhen und Provokationen in der Stadt Jena am 17. Juni 1953 und der feindlichen Umtriebe, die sich gegen die Staatsorgane und gegen die Bevölkerung richteten.

Diener wurde zum Tode durch Erschießen verurteilt. Das Urteil ist vollstreckt.

Der Kommandant                                                                                       

An Alfred Diener erinnern heute noch in Jena eine Gedenktafel an der Fassade der Jenaer Sparkasse am Löbdergraben sowie eine Straße in Lobeda - West, die seinen Namen trägt.

 

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Wie viele Menschen infolge des Aufstandes inhaftiert worden sind, ist bis heute unklar. Im Rahmen einer Serie über die Ereignisse am 17 Juni 1953 berichtet die Thüringer Landes Zeitung am 6. Juni 2003, dass allein in Jena 500 Menschen verhaftet wurden.

Die überwiegende Mehrheit von ihnen wird alsbald wieder freigelassen. Es kommt aber auch zu Verurteilungen.

Bereits kurz nach dem Aufstand räumt die SED zwar eigene Fehler ein und erklärt sich zu Konzessionen bereit. So wird die Normerhöhung rückgängig gemacht, die Löhne für Arbeiter angehoben und anstatt der Schwerindustrie die Nahrungsmittelindustrie gefördert. Ansonsten aber wird die These eines „konterrevolutionären“, ja sogar „faschistischen“ Putschversuches vertreten.

 

Auch in Jena wird die Meinung verbreitet, es handle sich bei dem Aufstand um einen faschistischen Putschversuch. So werden noch am Abend des 17. Juni in Jena überall Plakate aufgehangen, auf den man u.a. lesen kann:

Einwohner Jenas! Erhöht die Wachsamkeit gegen die Feinde des Volkes, laßt nicht zu, daß Agenten, Diversanten, Saboteure und faschistische Banditen unser gemeinsam aufgebautes Werk sinnlos zerstören.!

 

Die erhöhte Wachsamkeit“, zu der auf den Plakaten aufgerufen wird, findet ihren Ausdruck in zahlreichen Denunziationen und Verhaftungen.

Unter den Verhafteten befindet sich auch der bei Zeiss beschäftigte Dreher und Mechaniker Eckard Norkus, der zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt wird. Er hatte sich am 17. Juni an die Demonstranten gewandt und diese ermahnt, die politischen Gefangenen nicht zu vergessen.

Die Verhaftung einiger ihrer Kollegen löst bei der Zeiss - Belegschaft Unruhen aus, die in Arbeitsniederlegungen und Sitzstreiks münden. Die Arbeiter fordern die Freilassung ihrer verhafteten Kollegen. Die Forderung wird abgelehnt  Mit der Androhung drakonischer Maßnahmen erreicht der sowjetische Stadtkommandant in Jena, die Beendigung der Streiks.

 

Die Rezeption des Aufstandes erfolgte im Westen und im Osten Deutschlands nach dem 17. Juni 1953 unterschiedlich.

Im westlichen Teil Deutschlands bestimmten Regierung und Opposition bereits am 3. Juli 1953 den 17. Juni zum „Tag der deutschen Einheit“, der von da ab jedes Jahr begangen wurde. Der Nationalfeiertag galt als Auftrag, die deutsche Einheit friedlich zu vollenden.

 

Im östlichen Teil Deutschland versuchte die SED eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den Ereignissen zu vermeiden. Sie konzentrierte sich vielmehr auf den Ausbau ihrer Herrschaft mit Hilfe eines gewaltigen Sicherheitsapparates, der ein erneutes Aufbegehren verhindern sollte.

 

Einer Umfrage zufolge weiß nur noch jeder fünfte der unter 30- jährigen Deutschen, was am 17. Juni vor 50 Jahren geschah. Insgesamt ist etwa die Hälfte der Bevölkerung nämlich 52 Prozent über die Geschehnisse dieses Tages informiert. Im Osten sind es mit 65% mehr als im Westen, wo es gerade einmal 48% sind. Anhand der Zahlen wird deutlich, dass eine nicht geringe Zahl von Bundesbürgern über die Geschehnisse des 17. Juni 1953 nur unzureichend bzw. gar nicht informiert sind.

 

Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass die zahlreichen Veranstaltungen, Ausstellungen und nicht zuletzt die Beiträge in Rundfunk und Fernsehen, anläßlich des 50. Jahrestages des Volksaufstandes dazu beitragen, die Unkenntnis aufzulösen.

 

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