2012
Fakultätskolloquium
Mittwoch, den 30. Mai 2012
18.00 Uhr (s.t.) im HS 4, Carl-Zeißstr. 3
Vortragender: Prof. Dr. Alfred Fahr (Institut für Pharmazie, FSU Jena)
Thema: "Liposomen in den Lebenswissenschaften"
Zusammenfassung:
Als Alec Bangham 1967 zum ersten Mal seine Pionierarbeiten über Liposomen vorstellte, ergaben sich -wie dies bei neuen Dingen öfters geschieht- stark überhöhte Erwartungen, besonders in Pharmazie und Medizin. So wurde gleich euphorisch vorhergesagt, dass Liposomen aus z.B. Erythrozytenmembranbestandteilen für "ewig" im Blut kreisen würden und dabei Arzneistoffe abgeben könnten.
Die darauffolgende Enttäuschung wuchs sich zu einer fulminanten Depression aus: neben der gemessenen kurzen Überlebenszeit dieser ersten Liposomen im Blut wurden auch noch die gewiss vorhandene Instabilität der Liposomen im Blut als Totschlagargument angebracht und so verschwanden die Liposomen erst einmal für Jahre in den biophysikalischen Experimentierstuben als "esoterische" Modellmembransysteme.
Erst allmählich wurde auch mittels dieser Studien klar, dass einfach noch zu wenig über die Mechanismen der Interaktion von Liposomenmembran, Arzneistoff und Körper (ebenfalls aus Membranen bestehend….) bekannt war. Heute gibt es sehr erfolgreiche Arzneimittel, die nur mittels des eingesetzten Liposomenträgersystems funktionieren und daraus auch resultierend viel mehr Wissen über die Funktion biologischer Membranen.
Warum sind nun liposomenbasierte Trägersysteme in der Pharmazie & Medizin so erfolgreich? Das soll dieses Fakultätskolloquium anhand der eigenen Arbeiten mit Liposomen zeigen, wobei auch bei uns durchaus esoterische Modellmembransysteme dazugehören, z.B. als Untersuchungsobjekt für die Simulation der Entstehung der ersten Zelle, also der Lebenswissenschaft schlechthin.