Sehr geehrter Herr Bürgermeister Holefleisch,
sehr geehrter Herr Dr. Wittig,
sehr geehrter Herr Lemcke,
lieber Herr Kollege Althöfer,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
nun halte ich den Spatz in der Hand, der den Vornamen Inno trägt und für dessen Verleihung an die Friedrich-Schiller-Universität ich mich sehr herzlich bedanke. Der Innospatz passt, wie ich in aller Bescheidenheit meine, schon ganz gut zur Friedrich-Schiller-Universität: nicht nur wegen der Wertschätzung des homo ludens durch unseren Namenspatron Friedrich Schiller, nicht nur, weil Spieleautor Ingo Althöfer zu den Unseren zählt und seine Spiele der Universitätsleitung willkommene Geschenkideen für VIPs liefern, nicht nur, weil sich in Jena und in Thüringen ein Forschungsschwerpunkt des akademischen Spielens herauszubilden beginnt, und nicht nur schließlich, weil die Imaginata und die erziehungswissenschaftliche Forschung sich in Jena ausführlich mit dem Spiel und dem Spielen befassen. All das und einiges mehr hat Herr Lemcke sehr schön gewürdigt, und ich bedanke mich sehr herzlich für seine auch für mich lehrreiche laudatio.
Zum Selbstbild unserer Universität gehört auch das fast nur als paradox zu begreifende Bewusstsein, dass zu Innovationsleistungen und zu kurzen Innovationszyklen eine Grundlagenforschung gehört, die vieles mit dem Spiel gemein hat. Ich erinnere daran, dass eines der prominentesten Bücher, das im 20. Jahrhundert vom Spiel handelt, Hans Georg Gadamers Hauptwerk ist, das den sehr ernst und trocken klingenden und damit universitätsnahen Titel „Wahrheit und Methode“ trägt. Dort finden sich viele Formulierungen, die leicht auf lange, nicht enden wollende Diskussionen in Seminarräumen und Abende in Labors übertragbar sind. So heißt es da: „Die Bewegung, die Spiel ist, hat kein Ziel, in dem sie endet, sondern erneuert sich in beständiger Wiederholung“. Und in der Tat ist es das ewig neue Herumsuchen nach den Fragen, die dann Antworten finden lassen, was die Grundlagenforschung ausmacht. Oder da heißt es, dass „Spielen überhaupt nicht als eine Art von Betätigung verstanden sein will“, und dass Spielen in diesem Sinne auch „ohne Anstrengung ist“. Der Grundlagenforscher vergisst die Zeit, die Stechuhr ist der Tod seines Tuns, und es ist durchaus fraglich, ob der an physiologisch begründete Zeitrhythmen gebundene Begriff der „Arbeit“ auf seine Tätigkeit überhaupt anwendbar ist. Was dabei der Gesellschaft nur äußerst schwer vermittelbar ist, ist freilich die Tatsache, dass der Forscher und erst recht die Forscherin mit Kind nach dem Spiel mindestens so kaputt ist wie Ballack nach einem Endspiel mit Verlängerung; für Lümmeleien ŕ la Mario Basler ist Forschung nichts.
Und dann lesen wir bei Gadamer: „Das Hin und Her gehört offenbar so wesentlich zum Spiel, dass es in einem letzen Sinne überhaupt kein Für-sich-allein-Spielen gibt“, und vorher: „Wer das Spiel nicht ernst nimmt, ist ein Spielverderber“. Das jedenfalls nehmen wir in Jena für uns in Anspruch: Wir verstehen uns als große Gemeinde von Mitspielern, und wer interdisziplinäres Zusammenwirken, das oft langes Einspielen verlangt, nicht ernst nimmt, gilt in der Tat als Spielverderber.
Aber genug der Wort- und Gedankenspiele, mit denen ich meinen Dank für die Auszeichnung der Friedrich-Schiler-Universität in der Stadt einer berühmten Nachbaruniversität unterstreichen wollte. Natürlich hat der „heilige Ernst des Spiels“, von dem Gadamer spricht, mich bei der heutigen Reiseplanung eingeholt. Ich habe Vorkehrung getroffen, dass ich um 17.00 Uhr „das Spiel“ (das WM-Achtelfinale Deutschland gegen Schweden) bei meinem Göttinger Patenkind anschauen kann, und natürlich habe ich Herrn Althöfers Einstein-Spiel als Mitbringsel in der Tasche. Das führt mich zu zwei Schlussbemerkungen:
Erstens lässt sich ja beim derzeitigen weltmeisterlichen Spiel-Taumel in Deutschland ganz Erstaunliches beobachten. Die Deutschen geben sich locker, und Innenminister Wolfgang Schäuble hat schon recht mit seiner Befrchtung: „Am Ende glauben wir selber noch, dass wir gar nicht so schlecht sind“. Besser kann man kaum ausdrücken, welche enorme Bedeutung das Spiel im menschlichen Lebenshaushalt hat. Und deshalb kann man dieses regelmäßige Treffen von Spieleautoren und den Preis der Stadt Göttingen und der Edition Perlhuhn gar nicht genug loben. Und als Rektor füge ich hinzu: für jedes Mathe- und Physik-Spiel, das Sie auf den Markt und namentlich unter Schüler bringen, bin ich Ihnen um der akademischen Zukunft Deutschlands willen dankbar.
Und zweitens möchte ich besonders Herrn Althöfer, aber auch anderen Jenaer Kollegen – durchaus über den von Herrn Lemcke benannten kreis hinaus - herzlich für das Mitspielen danken, das hier für preiswürdig befunden wurde.
Ihnen allen noch einmal sehr herzlichen Dank für den Innospatz 2006 und viel Erfolg für die weiteren Programmpunkte des 25. Spieleautoren-Treffens hier in Göttingen.
Meldung vom: 2006-06-26 16:15