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Der Freistaat Thüringen gedenkt mit seiner 3. Landesausstellung vom 7. Juli 2007 bis zum 19. November 2007 auf der Wartburg des 800. Geburtstags der heiligen Elisabeth von Thüringen. Die wissenschaftliche Federführung liegt in den Händen von Prof. Dr. Matthias Werner, Inhaber des Lehrstuhls für Thüringische Landesgeschichte und Mittelalterliche Geschichte, und Prof. Dr. Dieter Blume, Professor für Kunstgeschichte des Mittelalters. Im Gespräch erläutern die Wissenschaftler der Jenaer Universität, was die Besucher erwartet.
Wie kam es zu Ihrer Kooperation mit dem Freistaat Thüringen, diese Ausstellung zu leiten?
Prof. Werner: Zugrunde lagen die Erfahrungen mit der 2. Thüringer Landesausstellung 2004 in Sondershausen. Diese mit einem hohen Etat ausgestattete Ausstellung wurde von einem fachfremden, freiberuflichen Ausstellungskurator fast völlig an den Universitäten des Landes mit ihrer breiten Fachkompetenz vorbei vorbereitet und hat weder von ihrem wissenschaftlichen Ertrag noch von ihrer Besucherresonanz her die Erwartungen auch nur annähernd erfüllt. Daraus hat man gelernt und in einer Aufgabenteilung die wissenschaftliche Konzeption der Ausstellung diesmal der Universität Jena übertragen, während die Organisation und die Ausrichtung bei der Wartburg-Stiftung Eisenach liegt. Zwischen der Wartburg-Stiftung und der FSU besteht ein Kooperationsvertrag. Die inhaltliche Vorbereitung wird also im wesentlichen hier geleistet, in enger Kooperation der beteiligten Fächer, vor allem der Kunstgeschichte und der Mittelalterlichen Geschichte, und in engem Austausch mit der internationalen Fachwelt.
Was reizt Sie als Wissenschaftler überhaupt an einer solchen Aufgabe?
Prof. Blume: Es gibt kaum ein besseres Mittel, um wissenschaftliche Forschung einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln als das Medium einer Ausstellung. Während man der universitären Forschung sonst gerne vorwirft, dass sie sich in dem legendären Elfenbeinturm hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt, hat man bei einer derartigen Ausstellung eine grundlegend andere Situation. Als Wissenschaftler erhält man zudem eine unmittelbare Resonanz. Die zeitweise Zusammenführung einer Vielzahl von authentischen Objekten und Kunstwerken birgt ein ungeheuer großes Vermittlungspotential. Hinzu kommt ein hoher Reklamewert für die Friedrich-Schiller-Universität und das geht weit über Thüringen hinaus. Denn diese Ausstellung wird mit Sicherheit bundesweit Aufmerksamkeit erregen. Auch im internationalen Rahmen handelt es sich um die einzige große Ausstellung zum Elisabeth-Jahr 2007.
"Elisabeth nimmt Fremde auf", Scheibe aus dem Medaillonfenster der Elisabethkirche in Marburg (um 1240). Dieses Teilstück wird in der Ausstellung auf der Wartburg zu sehen sein. Foto: Birkholz
Bis zum Ausstellungsbeginn sind es noch rund sechs Monate. Wie laufen die Vorbereitungen?
Prof. Werner: Wir stehen unter einem extremen Zeitdruck. Der Freistaat Thüringen hat die definitive Entscheidung für die Landesausstellung 2007 erst im Frühjahr 2005 getroffen. Erst danach konnte die Arbeit richtig beginnen. Dies ist für eine internationale Ausstellung außerordentlich knapp. Dennoch liegen wir mit den Vorbereitungen noch im Zeitplan. Und der Zeitdruck hat auch Vorteile: Wir haben dadurch schlanke Organisationsstrukturen. Es gibt kein großes Kuratorium, keinen großen wissenschaftlichen Beirat.
Welche Aspekte wollen Sie in der Ausstellung zeigen?
Prof. Werner: Die Ausstellung wird sich in eine Abteilung zur Biographie Elisabeths von Thüringen (1207-1231) und in einen sehr ausführlichen Teil zur Wirkungsgeschichte gliedern, zur Verehrung und zur Rezeption Elisabeths von ihrem Tode an, also von 1231 bis in das Ende des 20. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt wird allerdings auf dem Mittelalter liegen.
Welche Rolle spielt die Wartburg als Ausstellungsort für ihr Konzept?
Prof. Werner: Der Palas der Wartburg ist selbst eines der prominentesten Ausstellungsstücke. Es macht den besonderen Reiz unserer Ausstellung aus, dass sie am authentischen Ort, in Räumen, die Elisabeth selbst bewohnt hat, gezeigt wird. Stücke wie die beiden Prachtpsalter aus Stuttgart und Cividale, die sich zu Lebzeiten Elisabeths am thüringischen Landgrafenhof befanden, werden in der Ausstellung zum ersten Mal nach 800 Jahren wieder auf der Wartburg vereint sein. Damit schaffen wir ein hohes Maß an Authentizität, von dem wir uns eine sehr starke Wirkung auf die Besucher erhoffen.
Dennoch ist die Ausstellung mit dem Titel überschrieben „Elisabeth von Thüringen – eine Europäische Heilige“. Worin kommt die europäische Dimension der Elisabeth zum Ausdruck?
Prof. Werner: Natürlich ist die Wartburg ein zentraler Lebensort Elisabeths gewesen. Aber eine Thüringen- und Hessen-zentrierte Sicht wird den europäischen Dimensionen der Gestalt Elisabeths und ihrer Nachwirkung nicht gerecht. Es ist der europäische Hochadel, dem Elisabeth entstammte und dessen Normen für sie verpflichtend waren. In gleicher Weise ein europäisches Phänomen war die religiöse Armutsbewegung des frühen 13. Jahrhunderts, der sich Elisabeth als junge thüringische Landgräfin anschloß. Nur von diesen weiten Kontexten her ist die Persönlichkeit Elisabeths richtig zu sehen. Wir gehen damit über das, was bei bisherigen Elisabethausstellungen und Jubiläen versucht worden ist, ein ganz bedeutendes Stück hinaus.
Prof. Blume: Auch die nach ihrer Heiligsprechung unmittelbar einsetzende Verehrung hat ganz Europa erfasst und ist zunächst sehr stark vom europäischen Hochadel, aber auch von der weit verbreiteten religiösen Frauenbewegung ausgegangen. Dazu gibt es eine Reihe höchst spannender Dokumente, die zum Teil zum ersten Mal auch in diesem Zusammenhang gezeigt und zusammengeführt werden.
Zum Beispiel?
Prof. Blume: Wir werden beispielsweise eine bislang kaum bekannte Handschrift vom Hof König Alfons X. von Kastilien zeigen, die reich bebildert ist und einen der ausführlichsten Elisabethzyklen überhaupt aufweist. Weiterhin wären kostbare Reisealtäre für die private Nutzung zu nennen, auf denen Elisabeth eine prominente Rolle spielt. Hinzu kommen Dokumente, die belegen, dass zahlreiche Frauen des Hochadels, die zumeist natürlich auch mit Elisabeth verwandt waren, ganz konkret versucht haben, ihrem Vorbild nachzueifern, indem sie Hospitäler und Klöster gegründet haben.
Wie viele Exponate werden insgesamt gezeigt?
Prof. Blume: Das dürfte so zwischen 420 und 450 liegen und das ist eine außerordentlich große Zahl.
Prof. Werner: Die Leihgaben stammen aus nahezu allen europäischen Ländern, wobei Ungarn und Italien besonders stark vertreten sind. Auch das „Einwerben“ der Exponate war zu großen Teilen unsere Aufgabe. Die Zurückhaltung von Museen, Bibliotheken und Archiven gegenüber Ausstellungen wird immer größer. Es bedarf eines dichten Netzes internationaler persönlicher Kontakte, um die Leihgeber dazu zu bewegen, ihre empfindlichen, oft hochgradig gefährdeten Kunstwerke und Handschriften auf die Reise zu schicken. Angesichts dieser Tatsache sind wir fast ein wenig stolz darauf, dass wir eine Reihe sehr interessanter, kostbarer Stücke gewinnen konnten.
Prof. Blume: Für Tafelbilder des 14. Jahrhunderts haben wir beispielsweise Zusagen aus den Museen des Vatikan, aus Assisi, Perugia und Siena sowie aus dem Städel in Frankfurt und dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Aus der Eremitage in St. Petersburg kommt eine gestickte Altardecke aus dem 13. Jahrhundert, die in Altenberg in Hessen in jenem Kloster hergestellt wurde, in dem die jüngste Tochter Elisabeths Äbtissin war, und von der man bislang nur sehr mäßige Schwarz-Weiß-Abbildungen kannte. Sie wird jetzt zum ersten Mal einem breiteren Publikum gezeigt. Ein besonderer Höhepunkt wird ein Original-Medaillon von 1250 aus dem Elisabeth-Fenster der Marburger Elisabeth-Kirche sein.
Wie wird die Ausstellung finanziert?
Prof. Werner: Der Freistaat Thüringen hat 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt – ein Drittel etwa der Mittel für die vorangehende Landesausstellung 2004 in Sondershausen. Dazu trägt das Land Hessen für hessische Leihgaben noch 150 000 Euro bei. Außerdem wird die 3. Thüringer Landesausstellung durch die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen gefördert, die seit Frühjahr 2006 einen Mitarbeiter für die Koordination und das Management vor allem im wissenschaftlichen Teil finanziert. Diese sehr großzügige Förderung stellt für uns bei der knappen Stellensituation eine unschätzbare Hilfe dar.
Interview: Ute Schönfelder

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