Schnelleinstieg Reader

Home|Suche|Friedolin|Webmail de

Wortmarke FSU

Zur "Goldenen Immatrikulation" Gedenktafel für Prof. Dr. Anton Geuther gestiftet


Link zu den Bildern der feierlichen Enthüllung der Gedenktafel am Döbereiner-Hörsaal


Neue Tafel wird am Döbereiner-Hörsaal der Universität Jena an Anton Geuther erinnern

Jena (09.10.09) In einer Ehe ist es die "Goldene Hochzeit", wenn die Verbindung 50 Jahre hält. Eine enge Verbindung zu "ihrer Universität" pflegen auch jene ehemaligen Chemiestudenten, die 1959 an der Friedrich-Schiller-Universität immatrikuliert worden sind. Zu ihrem "goldenen Immatrikulationsjubiläum" traf sich die Matrikel 59 wieder in Jena und beschloss, an das Wirken bedeutender Hochschullehrer zu erinnern, indem sie die Gedenktafeltradition der Universität fortsetzt. Die ehemaligen Studenten haben deshalb eine Erinnerungstafel für den Chemiker Prof. Dr. Anton Geuther (1833-1889) gestiftet, die am 20. Oktober am Döbereiner-Hörsaal angebracht wird.

Mit der neuen Gedenktafel für Anton Geuther: (v. l.) Prof. Dr. Georg Pohnert, Dr. Arno Martin und Prof. Dr. Bernd Ondruschka.

Mit der neuen Gedenktafel für Anton Geuther:
Prof. Dr. Georg Pohnert, Dr. Arno Martin und Prof. Dr. Bernd Ondruschka
. (v. l.)

 

Foto: Peter Scheere/FSU

"Wir haben an der Friedrich-Schiller-Universität eine hervorragende Ausbildung erhalten, die uns für das folgende Berufsleben bestens gerüstet hat", sagt Dr. Arno Martin stellvertretend für die Matrikel 59. Einige dieses Chemie-Jahrgangs, darunter Dr. Martin, sind danach an der Universität geblieben und haben selbst viele Studierende ausgebildet. "Wir sehen in dieser Tafel ein kleines Geschenk an unsere ,Alma Mater', mit dem wir zugleich auf die Bedeutung der Chemie in Jena hinweisen wollen", so Arno Martin weiter, der "auf viele weitere Nachahmer" hofft.

Dies unterstrich auch Prof. Dr. Bernd Ondruschka. Der Dekan der Chemisch-Geowissenschaftlichen Fakultät dankte der Matrikel für ihr jetziges, aber vor allem für das seit Jahrzehnten andauernde Engagement für die Friedrich-Schiller-Universität. "Ihr Einsatz hat die Chemie in Jena geprägt und wird Lehrenden wie Studierenden immer als Ansporn dienen", so Ondruschka.

Als Vorbild könne auch Anton Geuther gesehen werden, ergänzt der Direktor des Instituts für Anorganische und Analytische Chemie Prof. Dr. Georg Pohnert. Er verweist auf Geuthers rasches Studium, sein breites Arbeitsfeld, aus dem bedeutende Leistungen, wie die Entdeckung des Acetessigesters, hervorgingen und nicht zuletzt auf Geuthers Engagement als Hochschullehrer.

Anton Geuther (1833-1889)

studierte ab 1852 Naturwissenschaften in Jena bei Wackenroder und Schleiden und ging 1853 nach Göttingen. 1857 promovierte er dort, schon 1858 folgte die Habilitation sowie 1862 die Berufung zum Extraordinarius. Bereits ein Jahr später erhielt er den Ruf auf den Lehrstuhl für Chemie der Universität Jena. Hier wirkte er außerordentlich erfolgreich als Lehrer und als Forscher bis zu seinem Tod.

Wie es zu jener Zeit noch möglich war, arbeitete er sowohl auf anorganischem als auch auf organischem Gebiet. Seine bedeutendste Leistung ist die Entdeckung des Acetessigesters. Diese Verbindung wurde bald ein wichtiger Grundstoff für die Synthese anderer organischer Substanzen, z. B. für Arzneimittel. Die Synthese des Acetessigesters, seine Struktur und seine Reaktionen lernt auch heute noch jeder Chemiestudent bereits bei der Grundausbildung in Organischer Chemie.

Auch als Lehrer erfreute sich Geuther eines hervorragenden Rufes. Seine Schüler berichteten, dass sich seine Vorlesungen durch ihre knappe logische Form auszeichneten und dass er sich bei den praktischen Übungen nicht nur mit den fortgeschrittenen Studenten, sondern auch mit den Anfängern intensiv beschäftigt hat. Er forderte von ihnen unerbittlich peinlichste Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit beim Experimentieren. Geuther ist 1875 als Gutachter für die Dissertation und beim mündlichen Examen an der Promotion von Otto Schott beteiligt gewesen.

Anton Geuther verfügte für seine wissenschaftlichen Arbeiten und für die Ausbildung der Studenten nur über - selbst für damalige Verhältnisse - sehr bescheiden eingerichtete Laboratorien. Deshalb hat er sich frühzeitig intensiv um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen bemüht. Im Ergebnis sind nach seinen Angaben 1876 Pläne für ein zeitgemäßes Chemisches Institut entworfen worden. Den Neubau hat er nicht mehr erlebt. Er erlag, erst 56-jährig, 1889 einer Typhuserkrankung.

Autor: Axel Burchardt, Referat Öffentlichkeitsarbeit, FSU Jena
Quelle: idw Informationsdienst Wissenschaft

Unibund Halle - Leipzig - Jena Coimbragroup Partnerhochschule des Spitzensports