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Im Rahmen des Mastermoduls "Ethnien im Kaukasus / Konfliktforschung" findet im SoSe 2012 das von Herrn Dr. Mühlfried geleitete Seminar "Der Kaukasus vor der Haustür" statt:
Seminar zum Modul "Ethnien im Kaukasus / Konfliktforschung"
angeboten von Dr. Florian Mühlfried
Der Kaukasus wird bei uns in erster Linie als Krisenregion wahrgenommen, und viele akute sowie "gefrorene" Konflikte scheinen dies zu rechtfertigen. Der Krieg 2008 zwischen Georgien und der Russische Föderation hat noch wesentlich zu der Assoziation des Kaukasus mit Gewalt beigetragen. Nur selten wird dabei in Betracht gezogen, dass diese Gewalt nicht nur im eigentlichen Kaukasus wirkt, sondern bis in unsere gewohnten Umgebungen hineinreicht. Im Besonderen zu nennen ist hier die Präsenz von Flüchtlingen in thüringischen Flüchtlingslagern, aber auch die von kaukasischen Studierenden an unserer Universität, die häufig auf eine massiv durch Gewalt und Konflikte geprägte Lebensgeschichte zurückblicken.
Dieses Seminar verfolgt zwei Absichten: Zum einen sollen die in unserer Umgebung lebenden Kaukasier/innen "sichtbar" und ihre Erfahrungen von Gewalt nachvollziehbar werden. Zu diesem Zwecke soll jede/r Seminarteilnehmer/in Kontakt zu einer/m im Raume Thüringen lebenden Kaukasier/in aufnehmen und diese Person mit den Techniken des biographischen Interviews befragen. Dazu müssen diese Techniken im Seminar angeeignet und erprobt werden. Die eine Hälfte des Seminars, der zwei Semesterwochenstunden zukommen, dient also nicht zuletzt dem Erlernen von Interviewtechniken als Form der empirischen Sozialforschung.
Zum anderen sollen die Ursachen von Gewalt im Kaukasus in den Blick geraten und die sich im Kaukasus abspielenden Konflikte verstanden werden. Dieses Wissen ist notwendig, um die Lebenswirklichkeiten der befragten Personen kontextualisieren zu können. Die zweite Hälfte des Seminars wird also darauf verwandt, sich mit der relativ umfangreichen Literatur zu Konfliktforschung im Kaukasus zu beschäftigen. Dabei soll der Versuch unternommen werden, der vorherrschenden politikwissenschaftlichen Makroperspektive eine Mikroperspektive gegenüberzustellen, die das Leben der von Gewalt und Konflikten Betroffenen in den Vordergrund stellt.
Als Basislektüre zum Kurs gilt Thomas De Waal 2010: The Caucasus, Oxford u.a.: Oxford University Press. Dieses Buch soll als Vorbereitung auf das Seminar in Gänze gelesen werden.