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Zusammenfassungen der Vorträge


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Abstracts für den Fröbelkongress/

Abstracts for the Froebel Conference

 

Donnerstag, 8. April 2010 / Thursday, April 8th 2010

 

Eröffnungsvortrag / Opening Paper

 

Michael Winkler:

Der politische und sozialpädagogische Fröbel

 

Vor dem Hintergrund aktueller Debatten um frühkindliche Erziehung und Elementarbildung untersucht der Vortrag das schwierige Verhältnis von Politik und Pädagogik.

Während heute fast dogmatisch, oft sogar ideologisch, meist jedenfalls einseitig und positionell private und öffentliche Erziehung gegeneinander gestellt werden, hat Friedrich Fröbel Pädagogik als ein komplexes Geschehen begriffen, das nur im Zusammenspiel aller Beteiligten zu bewältigen ist:

Eltern und Professionelle, Familie und Institution müssen umfassend zusammen wirken, weil nur so die Bildung freier Menschen möglich schien, die Fröbel als Hauptaufgabe von Pädagogik ansah.

Eine Aufgabe, in der er zugleich die Leistung der Pädagogik für ein politisches Gemeinwesen erkannte, nämlich für das Zusammenleben aufgeklärter Menschen. 

 

The Political and Social-pedagogical Froebel


In the context of current debates regarding early childhood education and elementary education, this lecture examines the difficult relationship between politics and pedagogy.

Although today's debates are almost dogmatic, often ideological, and take sides on private versus public provision, Friedrich Froebel understood education as a complex process that can only be fully realized when all participants are involved:

Parents and professionals, family and institution must fully cooperate with one another, since only then can education for freedom be possible.  To Froebel, this aspect was the main task of pedagogy.

This is a task in which Froebel recognised the effect of pedagogy on a political community, that is to facilitate the coexistence of enlightened people.

 

Symposium: Einsichten in den Prozess der frühkindlichen Bildung / Symposium:  Insights in early childhood education                       

 

Gerald Hüther:

Frühe Bildung von Kindern aus der Sicht der Hirnforschung

 

Bildungseinrichtungen, die Ihre primäre Aufgabe in der Vermittlung von möglichst viel Wissen sehen, sind ein aus dem vorigen Jahrhundert stammendes Auslaufmodell. Bildung, so zeigen die neueren Befunde der Hirnforschung, können Kinder nur durch eigene Erfahrungen erwerben. Und ihre wichtigsten Erfahrungen sammeln Kinder im Zusammenleben, im gemeinsamen Lernen und Gestalten mit anderen Kindern. Je unterschiedlicher die Fähigkeiten und Fertigkeiten, das Wissen und die Erfahrungen von Schülern sind, desto mehr können sie voneinander und aneinander lernen.

 

Verankert werden diese Lernerfolge auf der Ebene der komplexesten Leistungen, zu der das menschliche Gehirn befähigt ist, im präfrontalen Kortex. Man bezeichnet sie als Metakompetenzen. Hierzu zählt die Fähigkeit, umsichtig zu handeln, vorausschauend zu denken, sich in Andere hineinzuversetzen, eine Vorstellung von sich selbst und anderen zu entwickeln, Frustrationen aushalten und Impulse steuern zu können.

 

All das lässt sich nicht in Frühförderungskursen unterrichten. Damit sich Kinder diese Fähigkeiten aneignen können, müssen sie Gelegenheit bekommen, eigene Erfahrungen im Umgang mit sich selbst und mit möglichst vielen, möglichst unterschiedlichen anderen Kindern zu machen.

Die entscheidenden Voraussetzungen für gelingende Lehr- und Lernprozesse aus neurowissenschaftlicher Sicht lauten:

 

  1. Lernen ist ein aktiver Prozess der Entfaltung individueller Potenziale. Kinder brauchen dazu eigene, vor allem auch eigenverantwortliche Gestaltungsmöglichkeiten.

(Aufgaben, an denen sie wachsen können)

  1. Lernprozesse gelingen umso besser, je stärker sie in der subjektiven Bewertung der Kinder mit positiven Gefühlen besetzt und damit verkoppelt werden:

a) durch emotional positiv besetzte Vorbilder ("supportive Leadership").

b) durch positive emotionale Besetzung der Lernangebote (eigene Gestaltungsmöglichkeiten, eigene Anwendbarkeit).                                                

c) durch positive emotionale Rückkopplung innerhalb der sozialen Gemeinschaft (Wertschätzung, Anerkennung) und

d) durch die positive emotionale Einbindung in ein übergeordnetes, gemeinschaftliches Wertesystem (Identifikation, Integration, Sinnhaftigkeit, Bedeutsamkeit).

  1. Je weniger Lernprozesse in feste Vorgaben und starre Strukturen gepresst werden, desto besser gelingt diese positive emotionale Aufladung und umso leichter fällt das Lernen. (individuelle Freiräume und eigene Gestaltungsmöglichkeiten)
  2. Damit Erziehungs- und Bildungsprozesse gelingen können, müssen sie in einem, die Lernprozesse begünstigendem "Betriebsklima" erfolgen. Dieses Klima kann nur dann innerhalb einer Familie oder einer Bildungseinrichtung geschaffen und aufrecht erhalten werden, wenn es auch in der übergeordneten Lebenswelt, also der Kommune, hinreichend gut entwickelt und stabilisiert wird.

("Um Kinder optimal zu erziehen braucht man ein ganzes Dorf").

 

In Zukunft wird es weniger auf weitere neue neurowissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auf die Entwicklung innovativer Konzepte zur Umsetzung des inzwischen vorhandenen Wissens ankommen.

 

Early childhood education and neurobiological sciences

 

Educational institutions which consider their primary task to be the teaching of as much knowledge as possible are using obsolete models from the previous century. As shown in recent brain research findings, children can only learn through their own experiences. And the most important experiences children have are those made in a social setting, in shared learning and creating with other children. The more varied the abilities and skills, knowledge and experiences the children possess, the more they can learn from and with one another.

 

These learning achievements are anchored at the most complex level of performance the human brain is capable of - in the prefrontal cortex. They are called metacompetencies.  Among these are the ability to act prudently, to anticipate, to put oneself in someone else´s position, to develop a concept of oneself and others, to tolerate frustrations and to control one´s own impulses.

 

None of these can be taught in early-learning courses. For children to acquire these abilities, they need the opportunity to create their own experiences with themselves and with as many children and with as many different types of children as possible.

The necessary conditions for teaching- and learning success from the neuro-scientific point of view are:

 

  1. Learning is an active process during which an individual´s potentials unfold and develop. For this to happen, children need their own opportunities for creativity, especially self-dependent ones (tasks which spur their growth).
  2. Learning processes succeed more and in direct relation to the amount of positive feelings the children subjectively associate and connect to them:

a)  Through emotionally positive role models ("supportive leadership")

b)  Through emotionally positive association with learning activities (using a child´s own creativity, the relevance of the activities)

c)  Through positive emotional reactions from within the social community (appreciation, acknowledgement)

d)  Through the positive emotional integration into a higher-level, community system of values (identification, integration, meaningfulness, significance)

 

  1. The fewer the learning processes that are squeezed into rigid specifications and structures, the greater the success will be in instilling positive emotions and the easier the learning process will be (individual free space and individual creative opportunities)
  2. For educational processes to work, they need to occur in a supportive climate. This climate can only be created and maintained in a family or educational institution if they are sufficiently well-developed and stabilized within the higher-level community to which they both belong ("to ideally educate children one needs a whole village")

 

In the future, new neuro-scientific findings will not be as important as the development of innovative concepts implementing the already existing knowledge made in this field.

 

Ludwig Liegle:

Perspektiven einer frühpädagogischen Didaktik der indirekten Erziehung.

 

Derzeit beobachten wir in der Frühpädagogik eine Renaissance der Didaktik; sie steht im Zusammenhang mit Initiativen zu einer verbesserten Professionalisierung der Fachkräfte, mit der Betonung der besonders stark ausgeprägten Lernfähigkeit in der frühen Kindheit und mit der Überzeugung, der Kindergarten müsse als erste Stufe des Erziehungssystems der Gesellschaft verstanden und primär als Bildungsinstitution ausgestaltet werden.

Mit Blick auf die Renaissance und Weiterentwicklung der Didaktik des Kindergartens liegt die wichtigste Herausforderung darin, über jene Prinzipien einen Konsens herbeizuführen, welche das professionelle Verhalten und Handeln der Fachkräfte leiten sollen. Es lässt sich derzeit die Tendenz beobachten, die gut etablierte Didaktik der Grundschule gleichsam "nach unten" fortzuschreiben. Demgegenüber vertrete ich die Auffassung, dass die Didaktik des Kindergartens ein eigenständiges Profil gewinnen muss; dieses kommt insbesondere dadurch zustande, dass dem Prinzip der Entwicklungsangemessenheit Rechnung getragen wird. Zahlreiche Forschungsbefunde zeigen: In der vorschulischen Kindheit kommt Formen des impliziten, inzidentellen, unbewussten Lernens eine zentrale Bedeutung zu. Um diese Formen des Lernens wirkungsvoll unterstützen und anregen zu können, bedarf es adäquater Formen der Erziehung, wie zum Beispiel die Ausstattung des Kindergartens mit anregungsreichen Spiel- und Lernmaterialien sowie das Vorbildverhalten, das Bindungsverhalten und die Dialogpartnerschaft der Fachkräfte. Diese Formen der Erziehung lassen sich in einer Didaktik der "indirekten" bzw. impliziten Erziehung verorten.

Für die Entwicklung einer frühpädagogischen Didaktik der indirekten Erziehung gewinnt Fröbels Pädagogik neue Aktualität. Seine Erkenntnisse - wie zum Beispiel: "In dem Kindergarten herrscht die freie Beschäftigung, das Spiel, wie der eigentliche Unterricht der Schule angehört… So sind diese Spiele durch sich selbst belehrend" - lassen Fröbel als den Begründer einer Didaktik der indirekten Erziehung im Kindergarten erscheinen.

 

Didactics of implicit education/teaching in early childhood.

 

At present, we can observe a revival of didactics in the field of early childhood education. This tendency has been provoked by initiatives towards a better professionalization of the staff as well as by a growing attention to the outstanding capability of learning in early childhood and the conviction that day care centres should be regarded and established as the first stage of the public system of education.

In respect of the renaissance and the further development of didactics in early childhood education the most important challenge lies in finding a consensus about those principles that should guide professional behaviour and agency. At the moment, there is a strong tendency to transfer the well established didactics of instruction at the level of primary schools "downward" to preschool education. In contrast, in my view, didactics in early childhood education has to exhibit a quite separate profile that results from the principle of developmental appropriateness. A lot of research findings show: During the preschool years, forms of implicit, incidental, and unconscious learning are dominant. In order to effectively support and stimulate these forms of learning, adequate modes of education/teaching have to be designed and employed, such as, for example: the provision of stimulating materials for play and learning, serving as examples for children, engaging children's interest, and establishing a culture of dialogue. These modes of education can systematically be classified as belonging to what I describe as didactics of implicit education.

In connection with the challenging task of elaborating a didactics of implicit education, the pedagogy of Friedrich Froebel gains new significance. Froebel´s firm insights - as, for example:

"Within the Kindergarten belongs  free activity, play… just as instruction is appropriate for the school….Such play, therefore, teaches by itself" - make him the founding father of didactics of implicit education/teaching in early childhood.

 

Symposium: Bindung und Fröbels Ideen zur frühen Kindheit / Symposium: Bonding and Froebel ideas of early childhood                                                                                                                          

 

Lieselotte Ahnert:

Bindung und Bonding im frühen Kindesalter

 

Bindung und Bonding sind Konzepte, die die Mutter-Kind-Beziehung von zwei gänzlich unterschiedlichen Perspektiven in den Blick nehmen. Das Bindungskonzept konzentriert sich dabei auf die Grundbedürfnisse des Kindes und ein Verhaltensrepertoire, das als Bindungsverhalten evolutionsbiologisch von Geburt an angelegt ist und in den ersten Lebensjahren durch soziales Lernen ausgebaut wird. Die Mutter-Kind-Bindung gilt als Basis für das spätere Sozialverhalten und die Identitätsentwicklung des Kindes.

Bonding ist der dazu komplementäre Prozess, der über die mütterliche Fürsorglichkeit und die sog. Mutterliebe eine Bindungsbeziehung zum Kind entstehen lässt. In welcher Qualität sich die Mutter-Kind-Bindung entwickelt, hängt jedoch vom alltäglich realisierten Betreuungsverhalten der Mütter ab. In optimalen Mutter-Kind-Beziehungen spiegeln Sensitivität und Mind-Mindedness die zentralen Aspekte in einer Betreuung wider, die dem Kind emotionale Sicherheit vermittelt und es befähigt, sich aufzumachen, um die Welt verstehen zu wollen. Im vorliegenden Vortrag wird vor diesem Hintergrund der Zusammenhang von Bindung und Bildung entwickelt, der in den Traditionen von Pädagogik und Psychologie bisher kaum thematisiert wurde. Es wird diskutiert, wie sich Bildungsprozesse verändern können, wenn bindungspsychologische Erkenntnisse berücksichtigt werden.

 

Attachment and Bonding in Early Childhood

 

Attachment and bonding are two entirely different concepts among the many theoretical approaches to mother-child relationships. The concept of attachment between mother and child focuses on the basic needs of children whose attachment behaviours are of evolutionary origin even though they develop in particular during the first years of life through social learning experiences. The mother-child attachments are considered to be the foundation for social behaviour later in life as well as the foundation for the child's personality. Bonding, however, is the complementary process stemming from different types of maternal care and motherly love, which also results in a type of bond between a mother and her child. The quality of the mother-child attachment depends upon the daily interactions which a child experiences. In optimal mother-child relationships, a mother's sensitivity and her mindfulness are central in providing emotional security and enabling the child to want to explore and understand the world. In this paper, the link between bonding and early education, which has been ignored in both pedagogy and psychology fields in the past, will be discussed. We will portray how education could change if knowledge about the psychological aspect as to how children develop attachments in early childhood is taken into consideration.                  

 

Christiane Konrad:

Friedrich Fröbels Mutter- und Koselieder im Lichte der Bindungsforschung

 

Friedrich Fröbel wandte sich in seinem Spätwerk, den 'Mutter- und Koseliedern', in besonderer Weise den ganz kleinen Kindern zu. Er nannte dieses Werk 'Familienbuch', das bedeutet, es sollte ein Buch für die ganze Familie sein.

In seinem Vorwort geht Fröbel besonders auf die Mütter ein, diejenigen, die sich in erster Linie von Anfang an um die Kinder kümmern. Ihnen wollte er mit diesem großformatigen Buch eine Hilfestellung an die Hand geben, eine besonders intensive Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen. Hatte er Jahre zuvor noch behauptet, die Frau sei von Natur aus eine gute Mutter, so deutet er nun an, dass die vielfältigen Facetten des Mutterseins wohl durchdacht sein müssen, besonders die Erziehung des Kindes.

Neben den sieben Koseliedern zu Beginn des Buches, in denen die Mutter ihre Gefühle  beim Anblick ihres eben geborenen Kindes zum Ausdruck bringt, gibt es 50 Spiellieder, die dem Kind Dinge aus seiner Umgebung anschaulich machen wollen. Die Mutter wird mit einem Motto auf die Thematik eingestimmt, das Kind hört das Spiellied, das auch manchmal mit Melodien vorliegt, sieht eine große Bildtafel und kann die passende Handbewegung der Mutter beobachten und später sogar mitmachen. Im Anhang finden sich dann noch ausführliche Erklärungen, die die Mutter in die Psyche des Kindes einführen sollen.

Aus der Bindungsforschung wissen wir, dass soziale Kontakte weitaus wichtiger sind als die Nahrungsaufnahme, um eine intensive Bindung zwischen Mutter und Kind zu entwickeln. Dieser Vortrag will anhand von einigen ausgewählten Beispielen der Frage nachgehen, ob und inwieweit Fröbel intuitiv die Ergebnisse der Bindungsforschung vorweggenommen und mit diesem Buch vor über 160 Jahren eine Art 'Leitfaden zu einer geglückten Bindung ' herausgebracht hat.

 

Froebel's "Mutter- und Koselieder" and research on bonding

 

In his late work, called 'Mutter- und Koselieder' (Mother and Cuddle Songs), Friedrich Froebel turned his attention to very young children in a special way. He called this work 'Family Book', which means he intended it to be a book for the whole family.

 

In his preface, Froebel particularly addresses the mothers, those persons who predominantly care for children from the very beginning. With this large book, he wanted to provide assistance for mothers to help them create an intense bond with their children. If he had earlier claimed that women are by nature good mothers, at this point he indicated that the many facets of motherhood must be well thought out, especially in regard to the raising of the child.

 

Beside the seven 'Koselieder' at the beginning of the book in which the mother expresses her feelings when looking and admiring her newborn child, there are 50 'Spiellieder' (play songs) which are aimed at attractively presenting to the child aspects of his environment. The mother introduces the topic in the form of a motto, the child hears the 'Spiellied', sometimes with melody, sees a large illustration, can observe the mother's appropriate hand gesture and later imitates it. In the appendix of the Mutter- und Koselieder, mothers can find extensive explanations which introduce them to the mind of the child.

 

We know from research on bonding that social contacts are much more important than food in developing an intensive bond between a mother and her child. This presentation, with the help of a few selected examples, pursues the question whether and to what extent Froebel already intuitively succeeded in anticipating current findings regarding bonding when he published a type of 'Guide for Successful Bonding' 160 years ago.

   

Open Panel Discussion: Kindheit, Bildung und Armut / Open Panel Discussion: Education and poverty

 

Roland Merten:

Öffentliche Betreuung von Kindern / Public Care For Children (Roland Merten)

 

Bruno Hildenbrand:

Familiale Betreuung von Kindern / Private Care For Children (Bruno Hildenbrand)

 

Michael Opielka:

Bildung durch Bindung / Eduation by Bonding (Michael Opielka)

 

Freitag, 9. April 2010 / Friday, April 9th 2010

 

Vortrag / Individual Paper

 

Helen May:

Neugestaltung des kolonialen Kindergartens: eine politische Geschichte

 

Zwischen 1889 und 1908 eröffneten fortschrittliche Bürger in den vier neuseeländischen Städten Kindergartenverbände, um kostenlose Kindergartenbetreuung für die Armen anzubieten; sie verbanden dabei die englische Fröbel-Tradition mit dem deutschen Volkskindergarten, der/dessen Konzeption die neuseeländischen Kolonien über die Westküste der USA erreichten. Die Kindergartenverbände wurden außerhalb des öffentlichen Bildungssystems gegründet, welches 1877 in der Kolonie eingeführt wurde. Die ursprünglichen Verbände existieren immer noch, auch wenn inzwischen mehr dazugekommen sind, und sind immer noch unabhängig vom Staat tätig. Weltweit gab es eine Vielzahl von Modellen, die dem Kindergarten und seiner Beziehung (oder Nicht-Beziehung) zum öffentlichen Schulsystem und dem Staat einen Platz boten.

Dieser Vortrag wird eine Überblicksanalyse bieten, wie sich die Politik zwischen dem öffentlichen Schulsystem und dem Kindergarten, dem Staat und dem Kindergarten, den Familien und dem Kindergarten und die Balance zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen einschließlich des Kindergartens verschoben hat. Kindergärten sind heute eines der vielfältigen Angebote der frühkindlichen Erziehung; alle erhalten maßgebliche Unterstützung vom Staat, sind aber nicht in seinem Besitz. Die Referentin selbst leitete unlängst ein Projekt, welches alle nationalen in Gemeinden ansässigen frühkindlichen Erziehungsanbieter einschließlich der Kindergartenverbände zusammen brachte. Der Bericht von diesem Projekt "Stärkung der in Gemeinden ansässigen frühkindlichen Erziehungseinrichtungen? in Aotearoa - Neu Seeland" (November 2009) ist eine Antwort auf die sich verändernde Angebotslandschaft zur frühkindlichen Erziehung, in welcher der private Sektor fast 50% der Plätze bereitstellt. Kindergärten, die einst die Hauptstütze, das 'Flagschiff', in der frühkindlichen Erziehung waren, sind heute in der Minderheit, aber dennoch immer noch ein 'Flagschiff' im Hinblick auf Qualität, kompetentes Personal, Unterstützung der Infrastruktur und Pädagogik. Sie bleiben ein wichtiger Teil der kulturellen Seele Neu Seelands, doch während sie sich neu positionieren und ihre Rolle in der frühkindlichen Erziehungslandschaft überdenken, fragen sie auch: 'Was ist ein Kindergarten überhaupt?'

 

Refashioning the colonial kindergarten: a political story

 

Between 1889 and 1908 the progressive citizens in the four New Zealand cities established kindergarten associations to provide free kindergartens for the poor; mixing the English Froebelian tradition with the German volkskindergarten, the latter reaching the antipodean colonies via the west coast of the US. The kindergarten associations were set up outside the public education system established in the colony in 1877.  The original associations still exist, although there are more, and are still independent from the state. Around the world there has been a variety of models accommodating the kindergarten and its relationship (or not) with public schooling and the state.

This paper will present an overview analysis of the shifting politics between public schooling and kindergarten, the state and kindergarten, families and kindergarten, and the shifting balance of private and community provision inclusive of kindergarten. Kindergartens are now one of the range of early childhood education services; all are significantly funded, but not owned, by the state. The presenter has recently chaired a project bringing together all national community based early childhood providers including the kindergarten associations.  The report from this project Strengthening community based early childhood in Aotearoa-New Zealand (November 2009) is a response to the shifting landscape of early childhood provision in which the private sector provides almost 50% of places. Kindergartens, once the mainstay 'flagship' of early childhood education, are minority players yet still a 'flagship' in terms of quality, qualified staff, infrastructure support and pedagogy. They remain deeply part of the New Zealand cultural psyche, but as they reposition and reconsider their role in this landscape are also asking the question: what is a kindergarten?

 

Symposium: Historische Rezeption der Fröbelpädagogik / Symposium: Historical reception of Froebelian pedagogy

 

Johannes Westberg:

Die Entstehung Fröbelscher Helden: Ellen und Maria Moberg in der Geschichte des schwedischen Kindergartens

 

Die Geschichte des Kindergartens ist unter anderem die Geschichte bemerkenswerter Frauen wie Henriette und Johanna Goldschmidt (Deutschland), Hanna Rothman und Elisabeth Alander (Finnland) sowie Anna und Bertha Wulff (Dänemark).

Ellen (1874-1955) und Maria (1877-1948) Moberg sind wichtige Persönlichkeiten in der Geschichte des schwedischen Kindergartens. Ihr Ansehen als Pionierinnen des Kindergartens und als Gründungsmütter der Schwedischen Nationalen Fröbel Gesellschaft war schon zu ihren Lebzeiten groß und auch heute werden sie immer noch als pädagogische Berühmtheiten in der schwedischen Nationalgeschichte dargestellt.

Das Ziel dieses Vortrags ist es zu untersuchen, wie diese Frauen als Pionierinnen in der Nationalgeschichte der schwedischen frühkindlichen Erziehung konstruiert werden und wie diese Konstruktion sich über die Zeit hinweg verändert hat. Wie wurden ihr Leben, ihre Arbeit und ihre Persönlichkeit dargestellt? Wie haben die sich ändernden Verhältnisse und Kontexte diese Geschichte beeinflusst?

Unter Benutzung von Material aus den Archiven der Schwedischen Nationalen Fröbel Gesellschaft und aus den Ergebnissen der historischen Forschung über schwedische frühkindliche Erziehung, zeigt dieser Vortrag wie unter anderem der Beginn der Frauengeschichte und die wechselnden Quellen der speziellen Geschichte dieser zwei Frauen die Art verändert haben, in der sie dargestellt wurden. Die Moberg-Schwestern verwandelten sich von selbstlosen und sich aufopfernden Frauen mit Herzen aus Gold in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu starken, rationalen Unternehmerinnen. Trotzdem blieb ihre Position als Pionierinnen erhalten.

 

The making of Froebelian heroes: Ellen and Maria Moberg in the history of Swedish kindergartens

 

The history of kindergartens are, among other things, the history of remarkable women such as Henriette and Johanna Goldschmidt (Germany), Hanna Rothman and Elisabeth Alander (Finland) and Anna and Bertha Wulff (Denmark).

Ellen (1874-1955) and Maria (1877-1948) Moberg are important figures in the historiography of Swedish kindergartens. Their reputation as kindergarten-pioneers and as founding figures of the Swedish National Froebel Society grew strong already in their lifetime, and they are still being portrayed as educational celebrities in Swedish historical narratives.

The aim of this paper is to study how these women were construed as pioneers in the historical narratives of Swedish early childhood education, and how this construction has changed over time. How have their lives, their work and their personalities been depicted? How have changing circumstances and contexts affected these narratives?

Using material from the archives of the Swedish National Froebel Society and the narratives of historical research on Swedish early childhood education, this paper demonstrates how, among other things, the advent of women's history and the changing sources of the history of these two women, altered the way they were portrayed. From being selfless and self-sacrificing women with hearts of gold during the first half of the twentieth century, the Moberg-sisters transformed into being strong and rational entrepreneurs. Despite this, their position as pioneers remained.

 

Tatjana Cherkasowa:

Die Fröbel-Rezeption in der modernen russischen Pädagogik

 

Die vorschulische Erziehung in Russland begegnet heutzutage dem regen Interesse der Pädagogen und der Eltern. Die Entfaltung der Kindergärten deutet darauf hin, dass Fröbels Ideen auf fruchtbaren Boden gefallen sind und große pädagogische Bedeutung und Konsequenzen haben.

Bekanntlich befindet sich Russland immer noch in der Übergangsperiode, deshalb rücken Fragen der Erziehung besonders deutlich in den Vordergrund. Die Gesellschaft erkennt das Bedürfnis, theoretische Grundlagen für Vorschulpädagogik zu schaffen, und wendet sich unterschiedlichen Theorien der Früherziehung zu, unter denen Fröbels Lehre einen besonderen Platz einnimmt.

Das Forschungsziel meiner Arbeit ist die Bewertung der Fröbel-Theorie durch die heutige russische Erziehungswissenschaft. Die Arbeit geht von den Prinzipien der Hermeneutik aus und lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Analyse und kritische Interpretation von pädagogischen Texten.

Die Ausgangstheorie der Vorschulerziehung ist im 20. Jahrhundert in Russland aufgearbeitet, ergänzt und weiterentwickelt worden. Die Hauptidee - die praktische Organisation des Kindergartens - wurde in ganz Russland anerkannt und verbreitet.

Der russische Kindergarten ist ein Ort, wo die Kinder nicht nur betreut, sondern ganz im Sinne Fröbels gebildet werden. Fröbels Beschäftigungen stehen täglich auf dem Plan. Seine Ideen über die Früherziehung und -ent-wicklung des Kindes als eines selbständigen und freien Lebewesens werden heute überall in der Öffentlichkeit diskutiert. Fröbels Gedanke, dass das Kind für das Leben nicht vorbereitet wird, sondern schon im Leben steht, findet in Russland seinen Niederschlag in psychologischen und pädagogischen Untersuchungen. Dabei wird der Name des deutschen Pädagogen selten erwähnt. Deshalb bleibt die Frage zu beantworten, ob Fröbels Theorie in Russland als schon veraltet gilt und nur historisch bewertet werden kann oder ob sie an Aktualität wenig eingebüßt hat.

 

The reception of Froebel in modern Russian pedagogy

 

Preschool education in present-day Russia encounters a great deal of interest among educators and parents. The development of kindergartens suggests that Froebel´s ideas have fallen on fertile ground and have proven to be of great educational significance and consequence.

It is generally known that Russia still finds itself in a period of transition. Russian society recognizes the need to establish a theoretical basis for kindergarten education and theories of early childhood education with Froebel´s teachings in the forefront.

The research objective of my paper is to determine how Russian scholars assess Froebel´s theory. Principles of hermeneutics have governed my approach; analysis and critical interpretation of publications in education comprise the core of this paper.

In 20th century Russia the original theory of kindergarten education has been widely discusses, complemented and further developed. The main idea - the practical organization of the kindergarten gained acceptance and was disseminated throughout Russia.

The Russian kindergarten is a place where children are not only supervised but educated according to Froebel´s views. Froebel activities are part of the daily schedule. His ideas concerning early childhood education and the development of children as independent and free individuals are being widely discussed in public. Froebel´s belief that children are not being prepared for life but instead are already living it, is reflected in psychological and educational research done in Russia. The name of the German educator is, however, rarely mentioned. This leaves the question to be answered as to whether Froebel´s theory is already considered outdated in Russia, which would limit research to historical assessment only, or whether it still has relevance in Russia today.

 

Kerry Bethell:

Miss Mary Richmonds Reisen 1907: eine koloniale und transnationale Geschichte

 

Die Studie, mit der sich dieser Vortrag beschäftigt, stützt sich auf jüngste historische Arbeiten, die sich mit der Gebrauch von Netzwerkbeziehungen in der Formierung des Kindergartens und der Entwicklung des Kindergartens als transnationale Bewegung bei frühen Kindergärtnern beschäftigen. Diese Ansätze situieren die Kindergartenentwicklung in einem größeren Rahmen, um die Bewegung von Menschen und Ideen über Ländergrenzen sowie über Zeitgrenzen hinweg hervorzuheben.

Im Mittelpunkt des Vortrags stehen die 1907 durchgeführten Bildungsreisen der Kindergärtnerin Mary Richmond vom kolonialen Neuseeland nach England, Deutschland und in die USA. Die in Richmonds Reisetagebuch festgehaltenen Beobachtungen, geprägt sind durch einen kolonialistischen, klassen- sowie geschlechtsspezifischen Blick, sind zugleich politisch und reflexiv. Sie lässt ihre Beteiligung an internationalen Netzwerken des Wissens und des Informationenaustauschs sowie der Beschäftigung mit Themen wie Staatsbürgerschaft, Freiheit und demokratischer Erziehung erkennen. In ihren Auseinandersetzungen positioniert sich Richmond sowohl als Kolonialistin als auch als transnationales Subjekt. Ihre Arbeit im Kindergarten muss verstanden und erforscht werden als eine dynamische Einheit, erzeugt und transformiert sowohl innerhalb als auch weit außerhalb ihrer nationalen Grenzen.

 

Miss Mary Richmond´s 1907 travels abroad: a colonial and transnational story

 

The study reported in this session draws upon recent historical work exploring early kindergarteners' use of network connections in the formation of the kindergarten and the development of the kindergarten as a transnational movement. Such approaches situate kindergarten development within a larger framework to emphasize the travels of people and ideas, both across national borders and over the course of time.

This paper takes as its focus the educational travels of kindergartener Mary Richmond from colonial New Zealand to Britain, Germany and the United States in 1907. In her travel writings, Richmond´s observations, presented through a colonial, class and gender perspective, are both political and reflexive. She reveals her involvement in international networks of knowledge and communication and her preoccupations with issues such as citizenship, liberty and democratic education. In her discussions, Richmond positions herself both as a colonialist and transnational subject. Her work in kindergarten must be understood and studied as a dynamic entity produced and transformed both from within and far beyond its national boundaries.

 

Symposium: Fröbelpädagogik und soziales Handeln in internationaler Perspektive / Symposium: Froebelian ideas and social action in an international perspective

 

Kristen Nawrotzki:

Armut, Eltern und Pädagogik: Soziales Handeln nach Fröbel in Amerika

 

Im späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert gab es in den Vereinigten Staaten konzertiere und letztlich erfolgreiche Versuche, einen allgemeinen Anspruch auf öffentliche Kindergärten zur Verfügung zu stellen. Während sich frühere Entwicklungen der Fröbelpädagogik in den USA speziell auf die Unterstützung der armen oder der bürgerlichen Klasse ausgerichtet hatten, so wurden  diese öffentlichen Kindergärten  an die öffentlichen Grundschulen angeschlossen  und waren danach ausgelegt, Kinder aller sozialen Schichten aufzunehmen, zu erziehen und zu bilden. Als Teil der öffentlichen Schulen und mit einem universellen Mandat verloren diese amerikanischen Kindergärten bald den Bezug zu den Fröbelschen Ideen, von denen sie noch in ihren Anfängen inspiriert worden waren.

In der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts allerdings, als Soziologen, Politiker und Pädagogen begannen, stärker auf die besonderen Bedürfnisse der Armen zu blicken, wurden neue Programme zur frühen Bildung entwickelt, um besonders die soziale Benachteiligung auszugleichen, die viele Kleinkinder erfuhren, bevor sie das Kindergartenalter erreichten. Dieser Vortrag wird die Absichten, die Inhalte und die Form dieser "neuen" Programme - darunter Head Start (jetzt in seinem 45. Jahr) - im Kontrast zu den amerikanischen öffentlichen Schulen und Kindergärten untersuchen, um zu prüfen? , ob und wie sie Formen des sozialen Handelns nach Fröbel am Ende des zwanzigsten und im einundzwanzigsten Jahrhundert gesehen werden können. Zudem wird sich der Vortrag insbesondere auf die Rolle konzentrieren, die gerade Armut, Eltern und Pädagogik bei den Ausgleichsmaßnahmen der frühkindlichen Bildung in den USA spielen und wie sich diese auf Überzeugungen und Praktiken Fröbels und der Fröbelianer beziehen.

 

Poverty, Parents, and Pedagogy:  Froebelian social action in America

 

The late nineteenth and early twentieth century saw concerted and ultimately successful attempts at making public sector kindergartens universally available across the United States.  Whereas earlier incarnations of Froebelian education in the USA had been focused specifically on serving either the poor or the middle-class, these public kindergartens were attached to public primary schools and were designed to enroll and educate young children from all social classes.  As part of the public schools and with a universal mandate, these American kindergartens, soon lost touch with the Froebelian ideals that had inspired their beginnings.

However, by the mid-twentieth century, as sociologists, policymakers and educationists began to look more intensely at the particular needs of the poor, new early education programs were developed specifically to compensate for the social deprivation experienced by many young children before they reached kindergarten age.  This paper will examine the intentions, content, and form of these "new" programs - including Head Start (now in its 45th year), contrasting them with American public school kindergartens and considering whether and how they might be considered forms of Froebelian social action in the late twentieth century and into the twenty-first. In particular the paper will focus on the roles that poverty, parents, and pedagogy are seen to play in US compensatory early childhood education and how this relates to Froebel's and Froebelians' beliefs and practices.

 

Brian Tubbert:

Unterstützung des HOPE Foundation Bildungsprojekts durch Fröbelsche Philosophie und Methoden in Calcutta, Indien

 

Das Froebel College in Dublin und die HOPE Foundation (Gesundheits- und Bildungsprojekte für Straßenkinder und ihre Familien) vereinbarten eine Partnerschaft im Jahr 2008 mit einer Laufzeit von zunächst fünf Jahren speziell

1. zur Stärkung der Lehrerausbildung in von HOPE unterstützten Bildungsprojekten in Calcutta durch Workshops über und zur Entwicklung Fröbelscher Methode? .

2. um die Entwicklung und interkultureller Bildung neu qualifizierter irischer Lehrer (NQTs) zu erweitern durch Unterricht mit ihren indischen Kollegen.

 

Zwei Dozenten besuchten Indien vorbereitend im Dezember '08. 26 (NQTs) unterrichteten einen Monat in HOPE Ausbildungszentren in Zusammenarbeit mit ihren indischen Partnern im Juni '09. 2 Dozenten begleiteten die NQTs für eine Woche. 6 Workshops mit HOPE Lehrern werden zwischen Juni '09 und Juli '10 stattfinden. Die Workshops werden in den Bereichen der Bedürfnisse der indischen Lehrer durchgeführt:

- handlungsorientiertes Sprachenlernen (Englisch als zusätzliche Sprache) und Mathematik

- der Gebrauch von Kunsterziehung zur Unterstützung des Lernens

- Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen

Dieser Vortrag wird

- die Chancen für die Entwicklung einer am Kind ausgerichteten Bildung für die HOPE-Zentren prüfen,

- den bisherigen Fortschritt der Entwicklung Fröbelscher Methoden prüfen,

- die Evaluation der NQTs und indischer Lehrer in den ersten Jahren der Partnerschaft prüfen und

- das Potenzial für die weitere Entwicklung basierend auf diesen Auswertungen untersuchen.

 

Supporting HOPE Foundation education projects with Froebel philosophy and methodologies in Kolkata, India

 

Froebel College, Dublin and HOPE Foundation (Health and Education projects for street children and their families) formed a partnership in 2008 which will run for five years initially

1. To strengthen teacher education in HOPE supported education projects in Kolkata through workshops on and modelling of Froebelian methodologies.

2. To broaden newly qualified Irish teachers' (NQTs) development and Intercultural education through teaching alongside their Indian counterparts

 

Two lecturers went on a preparatory visit to India in December '08. 26 (NQTs) spent one month teaching in HOPE education centres in collaboration with their Indian partners in June '09. 2 lecturers accompanied the NQTs for one week. 6 lecturing workshops will be held with HOPE teachers between June '09 and July '10. Workshops are held in areas of Indian teachers' felt needs which were

- Activity-oriented learning in language (English as an Additional Language) and maths,

- Using Arts Education to support learning

- Inclusion of Children with Special Needs

This paper will examine

- The opportunities for the development of a child-centred education for the HOPE centres,

- The Progress made to date in modelling Froebelian methodologies.

- The evaluations of NQTs and Indian teachers of the first year of the partnership and

- The potential for further development based on these evaluations

 

David J. Carey:

Fröbel nach Fröbel - Der Nutzen Fröbelscher Prinzipien zur Rettung einer zerstörten Gesellschaft

 

Diese gemeinnützige Organisation (Kenya Combined Development, Nurture Institute for Further Education), die grundsätzlich auf rein ehrenamtlicher Basis läuft, hat in den letzten zehn Jahren Fröbels pädagogische Methode bei Kindergarten- und Grundschullehrer/innen in Nairobi, Kenia bekannt gemacht. Unsere Organisation hat über 100 Teilnehmer zu einem Diplom in frühkindlicher Erziehung geführt, fast 1000 kenianische Lehrer/innen in verschiedenen Seminaren weitergebildet und in neun Schulen in den Slums von Kibera gearbeitet, den größten Slums in Afrika und Schauplatz der schlimmsten Gewaltausschreitungen  in Kenia im Jahr 2007-2008. Dieser Vortrag konzentriert sich auf unsere Arbeit in Kibera.

Unsere Arbeit im Kibera-Slum von Nairobi besteht darin, qualifizierte irische Grundschullehrer/innen kleinen Gemeinschaftsschulen zuzuführen, die weder Ressourcen noch ausgebildete Lehrer haben. Jeder Freiwillige bringt die Mittel selbst auf, um an diesem Programm teilzunehmen. Unsere Organisation zeigt, wie man Kinder durch aktive Lernerlebnisse, spielerische Methode und mit handgemachten Materialien unterrichtet, in kooperativer Zusammenarbeit mit den Lehrern der Schulen.

Unsere Freiwilligen arbeiten unter den primitivsten Umständen, ohne fließendes Wasser, Sanitäranlagen, Strom, ausreichende Belüftung oder Stühlen für die Kinder. Die Arbeitsbedingungen sind staubig und oft dreckig, die Kinder sind verarmt und kränklich. Wir haben Schulen gefördert durch den Bau von Toiletten und Unterrichtsräumen, den Einbau von Fenstern und Türen, dem Anstrich von Wänden und die Pflasterung von Schulhöfen. Wir legen besonderen Wert darauf zu zeigen, wie die direkte Umgebung als Lernressource genutzt werden kann. Wir führen in Methoden zur Vermittlung von Englisch als Zweitsprache mit einem spielerischen Ansatz ein und konzentrieren uns außerdem auf die Einführung von Lernspielen im Außenbereich.

Im Dezember 2007 erlebten wir die fast vollständige Zerstörung unserer neunjährigen harten Arbeit, nicht unähnlich dessen, was Fröbel gegen Ende seines Lebens erlebte. Trotz dieses Rückschlags und des Verlustes der meisten Unterrichts- und Sportmaterialien sowie der finanziellen Mittel, die wir aufgeboten hatten, sind wir nach Kibera zurückgekehrt, um neu anzufangen und erzeugten eine einzigartige Reaktion in der gespaltenen Gemeinde: einen stammesübergreifenden Fußballclub, der eine kontinuierliche Ausbildung für alle Mitwirkenden erfordert.

Dieser Vortrag bietet einen Überblick über unsere Arbeit, erklärt unser Ethos und zeigt, mit Hilfe von Fotographien und Videos, wie wir versuchen eine spielerische Unterrichtsmethodik in ein besonders verarmtes und rigides Erziehungssystem einzuführen. Beispiele von Methodik, die die neurobiologische Entwicklung fördern, werden hervorgehoben. Die Herausforderungen und Hindernisse denen wir begegnen werden besprochen. Bislang haben wir das Leben tausender von Armut geplagter Kinder in Kibera berührt. Wir haben aller Widrigkeiten zum Trotz Fröbel nach Ostafrika gebracht!  

 

Froebel after Froebel-Bringing Froebelian Principles to Heal a Broken Community

Theme: Child poverty, migration and intercultural education as pedagogical challenges

 

Over the past ten years this non-profit organisation, run strictly on a volunteer basis, has introduced Froebel´s educational methodology to Kindergarten and Primary school teachers in Nairobi, Kenya. We have graduated over 100 participants with a diploma in early childhood education, educated nearly 1,000 Kenyan teachers in a variety of seminars and worked in nine schools in the slums of Kibera, Africa´s largest slum and the scene of some of the worst violence in Kenya in 2007-2008. This presentation focuses on our work in Kibera.

Our work in the Kibera slum of Nairobi consists of bringing qualified Irish primary school teachers to small community schools totally without resources or trained teachers. Each volunteer raises his own funds to participate in this programme. We demonstrate methods of teaching children through active learning experiences, playful methodology and with hand-made teaching resources by working cooperatively with the schools' teachers.

Our volunteers work in the most primitive conditions: without running water, sanitary facilities, electricity, adequate ventilation or chairs for children. The working conditions are dusty, dirty, and often filthy. The children are impoverished and sickly. We have developed schools by building toilets, classrooms, installing windows and doors, painting and paving schoolyards. We take a particular focus on demonstrating the use of the local environment as a learning resource. We introduce methods of teaching English as a second language through a playful approach. We also focus on introducing learning games in the outdoor environment.

In December 2007 we witnessed the near total destruction of nine years of hard work, not unlike what Froebel himself witnessed toward the end of his life. Despite this setback, having lost most of the teaching, sports- and capital equipment we provided, we have returned to Kibera to start anew and have created a unique response in a divided community: an inter-tribal football club that requires continued education for all participants.

This presentation provides an overview of our work, explains our ethos and, through the use of photographs and videos, shows how we attempt to introduce a playful teaching methodology into an exceptionally impoverished and rigid educational system. Examples of methodology to stimulate neurobiological development will be highlighted. The challenges and obstacles we face will be discussed. To date, we have touched the lives of thousands of poverty-stricken children in Kibera. We have brought Froebel to East Africa against all odds!

 

Symposium: Fröbel und die Aufklärungsbewegung / Symposium: Froebel and the enlightenment movement               

 

Klaus Vieweg:

Bildung und Freiheit bei Hegel

 

Im Rahmen des Thüringer ProExzellenz Programms zur Förderung von hervorragenden Forschungsprojekten wird ein Projekt mit dem Titel: "Hegel - Bildung und Freiheit" gefördert; in diesem arbeiten disziplinübergreifend Philosophen, Soziologen, Juristen, Pädagogen, um ausgehend von Hegels Philosophie eine Zeitdiagnose moderner Gesellschaften zu entwickeln. So besteht die Grundidee darin, zu prüfen inwieweit die für Hegels Denken konstitutiven Grundbegriffe Bildung und Freiheit des für moderne Gesellschaften nicht nur relevant sind, sondern möglicherweise als entscheidend angesehen werden können. Damit werden zugleich auch Grundlagen sowohl für die Theorie der Pädagogik wie für ihre Praxis gelegt - Grundlagen, die wohl auch für Fröbel entscheidend waren, der die Frage nach Freiheit als zentral für seine Pädagogik angesehen hat.

 

Education and freedom according to Hegel

 

As part of the Thuringian ProExzellenz program for supporting outstanding research projects the program: "Hegel - Education and Freedom" is being promoted. It is a research program in which philosophers, sociologists, lawyers and educators, work across disciplines to develop from the basis of Hegel´s philosophy a diagnosis of contemporary societies. Thus the basic idea is to examine the extent to which Hegel´s concepts of education and freedom are not only relevant in modern societies, but can be seen as potentially decisive. These concepts underlie his theory and practice of education, and are concepts which were probably decisive for Froebel, who considered the question of freedom to be central to his pedagogy.

 

Helmut Heiland:

Bildung und Freiheit bei Friedrich Fröbel - Fröbels Philosophie des "sphärischen" Lebens

 

Der Vortrag entwirft einen Begründungszusammenhang für das Gesamtthema der 4. Internationalen Fröbel-Konferenz: "Fröbelpädagogik im Kontext der Moderne". Dabei wird "Moderne" als Epoche der "Selbstvergewisserung" (Hegel) des Menschen, als in Freiheit gewonnene "Subjektivität" in ihrer "Geschichtlichkeit" und Rationalität begriffen. Der deutsche Aufklärungsphilosoph Kant kennzeichnet diese Selbstwerdung des Menschen als "Befreiung aus selbstverschuldeter Unmündigkeit". Die Philosophen der "Aufklärung" und des "Deutschen Idealismus" reflektieren im Kontext der englischen und französischen Staatstheorien bzw. Anthropologien (Locke, Enzyklopädisten, Rousseau) und unter dem Eindruck der französischen Revolution (1789) den "Fortschritt der Menschheit", bzw. die "Erziehung der Menschheit" (z.B. Lessing 1780). Das universale Programm planbarer Verbesserung aller menschlicher Verhältnisse, also auch der Erziehung, soll die Bildung als Selbstwerdung ermöglichen. Die deutsche Aufklärungsepoche begreift sich daher als Zeitalter der Bildung und Erziehung, der radikalen Verbesserung der Erziehungs- und Bildungsverhältnisse - so exemplarisch die "Philanthropen" Basedow, Campe und Salzmann in ihren Reformkonzepten. Durch den Neuhumanismus - ein Rückgriff auf das antike Menschenbild als Bildungsideal, im Wesentlichen von Niethammer und W. v. Humboldt entwickelt - erhalten Erziehung und Bildung ihre zusammenfassende Theorie, ihre Grundbegriffe (Individualität, Universalität und Totalität). In dieser philosophischen Tradition der Aufklärung, der Verbesserung der "Menschheit" durch "Erziehung" und "Bildung" steht auch Friedrich Fröbel. Er gehört formal der Epoche der "Klassik bzw. Romantik, der "Goethezeit" (bis 1832) bzw. dem Vormärz (1815-1848) an und erlebt die radikale Situation der Märzrevolution und der politischen Restauration (ab 1849) bis zu seinem Tod (1852). Aber Fröbel ist weder Hegel noch der Romantik zuzuordnen und auch nicht Vertreter einer politisch bestimmten Pädagogik. Er entwickelt eine spezifische Philosophie der Erziehung. Diese nennt er Sphärephilosophie, Philosophie des "sphärischen" Lebens, der Erziehung zum "sphärischen" Denken, das die gesamte Wirklichkeit im neuhumanistischen Sinne begreift: als "Totalität" (Ganzheit), "Universalität" (kosmische Allheit) und "Individualität" (einzigartige "Subjektivität").

Der Vortrag wird diese Thematik in drei Teilen entwickeln. Teil I wird die Voraussetzungen der Philosophie Fröbels bestimmen (Aufklärung, Neuhumanismus, spezifische Einflüsse auf Fröbel). In Teil II wird die Genese der Sphärephilosophie Fröbels rekonstruiert, welche drei Tagebuchphasen (Göttingen 1811, Berlin/Griesheim 1816 und Keilhau 1820/21) umgreift und in der 2. Keilhauer Werbeschrift "Durchgreifende...Erziehung" (1821) ihre zusammenfassende Systematik erhalten hat. Teil III diskutiert die Grundbegriffe "Bildung" und "Freiheit" im Kontext der Keilhauer Schulpädagogik ("Menschenerziehung") der 1820er Jahre sowie in seiner späteren Spielpädagogik (nach 1836) seiner Spielmaterialien ("Gaben" und "Beschäftigungen"), der "Bewegungsspiele" und der "Gartenpflege". Hervorgehoben werden muss dabei speziell der Einfluss von Schillers Ästhetik auf Fröbels Spielpädagogik, insbesondere auf den Typus "Schönheitsform" seiner Bauformen.

 

Education and freedom according to Friedrich Froebel - Froebel´s philosophy of the "spherical" life

 

The lecture will address underlying connections within the overall theme of the 4th Froebel International Conference: "Froebelian pedagogy in a modern context". In this process, "modernity" is understood as an era of "self-assurance" (Hegel) of man, as "subjectivity" won in freedom is understood in its "historicity" and rationality. The German Enlightenment philosopher Kant characterizes this process of individuality of mankind as a "liberation from self-imposed immaturity." The philosophers of the Enlightenment and of German idealism reflected the "progress of mankind" or the "Education of Mankind" (e.g. Lessing, 1780) in the context of British and French theories of the state or anthropologies (Locke, encyclopedists, Rousseau) and under the influence of the French Revolution (1789). The universal program of a planned improvement of all human relationships, including education should allow for education to be a form of "becoming an individual". The German Enlightenment, therefore, sees itself as the age of education, the radical improvement of education and educational standards as seen, for example, by the "philanthropists" Basedow, Campe, and Salzmann in their reform concepts. Through Neo-humanism, a reference to the view of ancient man as the epitome of education, developed largely by Niethammer and Wilhelm von Humboldt, education ("Erziehung", "Bildung") received a comprehensive theory, its basic concepts being those of individuality, universality and totality. It was during this time of the Enlightenment period, when the improvement of "humanity" was to be realized through education ("Erziehung", "Bildung"), that Friedrich Froebel lived. He formally belongs to the Classical or, alternatively, the Romantic period of the "Goethezeit" (until 1832) or the "Vormärz"-period (1815-1848) and experienced the radical situation of the 1848 Revolution and of the political restoration (from 1849) until his death in 1852. But Froebel is neither to be assigned to Hegel nor to Romanticism, nor is he to be considered a representative of a particular political pedagogy during his time. He developed a specific philosophy on child-raising and education. This he calls the Sphere philosophy, or philosophy of the "spherical" life. A child is to be raised and taught in this way of "spherical" thinking.  This philosophy sees all of reality in a neo-humanist sense: as a "totality" (wholeness), "universality" (cosmic totality) and "individuality" (unique "subjectivity").

The lecture will develop this issue in three parts. Part I will define the conditions of Froebel's philosophy (the Enlightenment, humanism, and other specific factors which influenced Froebel). In Part II, the genesis of Froebel's philosophy of the Sphere is reconstructed using three phases of diary records (Göttingen, 1811, Berlin / Griesheim in 1816 and Keilhau 1820/21).  In the 2nd Keilhau Werbeschrift "Thorough training ..." (1821), it is manifested as a comprehensive system of classification. Part III discusses the basic concepts of "education" and "freedom" in the context of Keilhau Pedagogy ("The Education of Man") of the 1820s and in his later pedagogy of play (after 1836) his play materials ("Gifts" and "Occupations"), the "Bewegungsspiele" (movement games) and the "Gartenpflege" (garden care). It is necessary that emphasis be given to the specific influence of Schiller's aesthetics on Froebel's pedagogy of play, especially with regard to the type "Schönheitsformen" (forms of beauty) found in his "Gifts".

 

Symposium: Filme über Fröbels Leben und Werk / Movie-Symposium: Froebel then and now                   

 

Katherine Lally:

Fröbel - Damals und Heute

 

"Fröbel - Damals und Heute" ist ein kurzer Dokumentarfilm, der einen Überblick über das Leben und die Erziehungsphilosophie des aus dem 19. Jahrhundert stammenden Pädagogen und Erfinders des "Kindergarten" Friedrich Fröbel bietet. Fröbel, der 1782 in Deutschland geboren wurde, gilt als einer der einflussreichsten und revolutionärsten Pädagogen. Seine Kind-zentrierten Ansätze unter Berücksichtigung von spielerischem, handlungsorientiertem Lernen sind grundlegend für die curriculare Planung und Umsetzung in vielen europäischen und amerikanischen Lehrmodellen. Nach einer kurzen Betrachtung seiner frühen Jahre und Einflüsse, konzentriert sich der Film auf Fröbels Erbe für die moderne erzieherische Praxis mit besonderem Schwerpunkt auf dem irischen Kontext. Seine Vorstellung, dass Lernen Verwunderung und Freude mit sich bringen muss, wird nachgegangen mit Bezug auf frühe Kindeheits- und Grundschulsituationen. Besondere Aufmerksamkeit wird den Universitätsprogrammen des "Froebel College of Education", Dublin geschenkt und wie hier Fröbels Methoden in den Grundschulen umgesetzt werden. Am Ende der Dokumentation wird die Bedeutung von Fröbel im Hinblick auf aktuelle erzieherische Tendenzen und den ganzheitlichen und lohnenswerten Beitrag fröbelscher Ansätze im Leben von Kindern heutzutage bestätigt.

 

Froebel - Then and Now

 

"Froebel - Then and Now" is a short documentary film which provides an overview of the life and educational philosophy of the creator of "Kindergarten" and 19th century educationist, Friedrich Froebel. Born in Germany in 1782, Froebel is regarded as one of the most influential and revolutionary figures in education. His child-centred approaches, with provision for hands-on, activity-based learning are fundamental to curricular planning and implementation in many European and American teaching models. Following a brief examination of his early years and influences, this film focuses on Froebel´s legacy in modern educational practice, with an emphasis on the Irish context. His belief that learning must involve wonder and joy is explored with reference to early childhood and junior school situations. Particular attention is paid to college programmes in Froebel College of Education, Dublin, and how his methods are realised in Primary schools there. The documentary concludes with an affirmation of the relevance of Froebel with regard to current educational trends, and the holistic and worthwhile contribution of Froebelian approaches in the lives of children today.

 

Studierende der FSU Jena:

Fröbels pädagogische Wirkorte in Thüringen

 

Im Rahmen eines Projektseminars drehten Studierende aus Jena einen Film über Fröbel in Thüringen. Dabei wurde untersucht, wie Fröbels Ideen an seinen Thüringer Wirkorten Oberweißbach, Jena, Keilhau und Bad Blankenburg zu seiner Zeit wirkten und inwieweit sie heute noch zu finden sind.

 

Students of the University of Jena:

Froebel´s pedagogical locations in Thuringia

 

As part of a project seminar students from Jena shot a film about Froebel in Thuringia. This film examines how Froebel´s ideas were implemented at Oberweißbach, Jena, Keilhau and Bad Blankenburg in his time and how far they are still to be found today.

 

Poster sessions

 

Margitta Rockstein:

Fröbelmuseum Bad Blankenburg / The Froebelmuseum of Bad Blankenburg

 

Andreas Krauße / Andreas Leopold:

Thüringer Fröbelseminar der AWO Saalfeld / Thuringian Froebel Seminar of the AWO Saalfeld

 

Reimund Meffert:

Praktische Fröbelpädagogik heute / Practical Froebelian Pedagogy today

 

Vortrag / Individual paper

 

Kevin J. Brehony:

Ein kritischer Überblick über alternative und oppositionelle Elemente in Fröbels Denken und deren Einfluss auf die frühe Kindergartenbewegung

 

Die Begriffe alternativ und oppositionell wurden geprägt durch den bedeutenden walisischen Marxisten Raymond Williams, der diese für die Kulturen verwendete, die der Hegemonie untergeordnet waren. Dieser Vortrag betrachtet Fröbels Denken aus dieser Perspektive. Er situiert Fröbel innerhalb der großen Romantikbewegung und ergründet seine religiösen und philosophischen Ideen mit besonderem Bezug auf okkultes Wissen, wie es offenkundig ist in der Doktrin des Schriftverkehrs der Hermetik und des Werks von Swedenborg, sowie in der Numerologie, die mit seiner Kristallographie assoziiert wird.

Letzteres Thema wird im Kontext der Naturphilosophie und Fröbels Ansicht von Einheit und Unterschied, nebst anderer ähnlicher binärer Gegensätze und seiner Idee ihrer Verbindung, diskutiert. Fröbels Dialektik wird als entsprechend derjenigen des Esoterikers und Theosophisten Jacob Böhme gezeigt, den sowohl Fröbel als auch Hegel lasen.

Ein zweiter Weg, der in diesem Vortrag nachgegangen wird, ist Fröbels Beziehung zu Karl Christian Krause und seinem Panentheismus. In Krauses Denken, in Übereinstimmung mit freimaurerischen Überzeugungen wie zum Beispiel die Religion der Menschlichkeit, vertreten in Mozarts "Die Zauberflöte", können millienaristische Elemente beobachtet werden, die, wie dieser Vortrag aufzeigt, auch in Fröbels Werk gegenwärtig sind.

Der letzte Teil des Vortrags behandelt Fröbels Haltung zu der Revolution von 1848 und untersucht außerdem, wie sein alternatives und oppostionelles Denken radikale Denker wie Johannes Ronge and Friedrich Beust in den frühen Tagen der Kindergartenbewegung anzog. Der Vortrag endet mit der Reflexion wie Fröbels alternative und oppositionelle Herausforderungen in den vorherrschenden Formen der Schulbildung in vielen fortschrittlichen kapitalistischen Gesellschaften eingebunden wurden, in denen sie eine Position der gutbürgerlichen Seriosität erlangten.

 

A critical review of alternative and oppositional elements in Froebel´s thought and their impact on the early kindergarten movement.

 

The terms alternative and oppositional were coined by the distinguished Welsh Marxist, Raymond Williams who applied them to cultures subordinate to the hegemonic. This paper considers Froebel´s thought from this perspective. It situates Froebel within the broad Romantic movement and explores his religious and philosophical ideas with particular reference to occult knowledge as manifest in the doctrine of correspondences found in Hermeticism and the work of Swedenborg as well as the numerology associated with his crystallography. This latter interest is discussed in the context of Naturphilosophie and Froebel´s approach to unity and difference, along with other similar binary oppositions and his notion of the reconciliation of opposites.  This dialectic of Froebel is shown to be homologous with that of the mystic and theosophist, Jacob Böhme, whom Froebel as well as Hegel read.

A second avenue explored in the paper is Froebel´s relation to Karl Christian Krause and his pantheism. In Krause´s thinking, in line with Masonic beliefs such as the religion of humanity as represented in Mozart´s, Die Zauberflöte. there may be observed millenarian elements which, as is pointed out in the paper, are also present in Froebel´s work too.

The final part of the paper discusses briefly Froebel´s attitude towards the revolutions of 1848 and goes on to examine the way in which his alternative and oppositional thought attracted radical thinkers like Johannes Ronge and Friedrich Beust in the early days of the kindergarten movement. The paper concludes with a reflection on how Froebel´s alternative and oppositional challenge was incorporated by hegemonic forms of schooling in many advanced capitalist societies where they attained a position of bourgeois respectability.

 

Vortrag / Individual paper

 

Johannella Tafuri:

Musik ab dem vorgeburtlichen Alter: ein Grundrecht für alle Kinder

 

Theoretischer Hintergrund: Mit Blick auf Fröbelpädagogik in einem modernen Kontext möchte die Autorin die besondere Bedeutung des Themas "Frühkindliche Bildung als Grundrecht aller Kinder" auf dem Gebiet der Musik aufgreifen. Wie wir wissen, waren Gesang und Tanz zentrale Elemente der Philosophie und Praxis Friedrich Fröbels. In den letzten 20 Jahren zeigten viele Forscher die Prädisposition von Kindern für Musik ab ihrer Geburt auf (Moog 1968; Shetler 1989; Lecanuet 1996; Papousek 1996; Trehub 2001, 2003; Tafuri 2007). Aus diesem Grund sollte die Entwicklung der musikalischen Intelligenz des Kindes (Gardner 1985) als Grundrecht eines Kindes, wie Sprache, Mathematik, Motorik etc. gesehen werden.    

Forschungsdesign: die Progetto inCanto: Dies ist eine Längsschnittstudie angelegt bei einer Dauer von 6 Jahren mit dem Ziel der Untersuchung der musikalischen Entwicklung, mit besonderem Augenmerk auf der  Fähigkeit, "richtig" zu singen. Es handelt sich um eine Gruppe von Kindern, die seit dem 6. Monat des pränatalen (vorgeburtlichen) Lebens Musik ausgesetzt waren.

Methodik: Die Entwicklung, an der wir interessiert waren, geschah unter zwei Voraussetzungen:

1) Schwangere (119 am Anfang) und ihre Kinder (77) nahmen nach der Geburt an wöchentlichen musikalischen Aktivitäten teil;

2) Kinder wurden zu Hause von einer familiären Atmosphäre umgeben, die reich an Musik war und sie erhielten Anerkennung und Ermutigung bei Versuchen der stimmlichen und instrumentalen Produktion von Musik.

Die Mütter wurden gebeten: 1) Musik täglich zu Hause in der interaktiven Kommunikation und bei anderen Aktivitäten zu benutzen und 2) speziell präparierte Tagebücher zu führen, in denen sie eine Reihe von Fragen beantworteten sowie 3) mit Hilfe eines geeigneten Forschungsprotokolls, die stimmliche Produktion ihrer Kinder in verschiedenen Altersphasen aufzunehmen.

Ergebnis: Die wichtigsten Ergebnisse zeigten, dass die Fähigkeit, "richtig" zu singen, Lieder zu erfinden,  im Rhythmus zu spielen und Schlagzeuginstrumente zu verwenden, sich sehr früh entwickelt, wenn Kinder in einen Kontext mit verschiedenen musikalischen Aktivitäten eingebettet sind.

Schlussfolgerungen:

In Anbetracht dieser Ergebnisse sollte unsere Gesellschaft begreifen? , dass eine frühe musikalische Entwicklung ein Recht ist, das für alle Kinder anerkannt werden sollte.

 

Music since prenatal life: a fundamental right of all children

 

Theoretical background:  In the context of "Froebelian pedagogy in a modern context" the author would like to give particular prominence to the subject "Early childhood education as fundamental right of all children" as applied to the field of music. As we know, singing and dancing were absolutely central elements of Froebel's philosophy and practice and many researchers have demonstrated, in these last 20 years, the predisposition for music of all children from birth (Moog 1968; Shetler 1989; Lecanuet 1996; Papousek 1996; Trehub 2001, 2003; Tafuri 2007). For this reason the development of the child's musical intelligence (Gardner 1985) should be considered as a child's right, as language, mathematics, movement, etc.

A research design: the InCanto Project: This is a longitudinal research project lasting 6 years, aimed at studying the musical development, with particular attention to the ability to sing in tune, of a group of children exposed to music since the 6th month of prenatal life.

Methodology: The development we were interested in happened under two conditions:

1) Pregnant mothers (119 at the beginning), with their infants after birth (77), participated in weekly musical activities;

2) Infants were surrounded at home by a familiar atmosphere rich in music and they received appreciation and encouragement after their attempts at vocal and instrumental production.

The mothers were requested: 1) to use music daily at home in interactive communication and other activities, 2) to fill in specially prepared diaries in which they answered a series of questions and 3) to record, using an appropriate research protocol, the vocal production of their children at different periods of age.      

Results: The main findings demonstrated that the ability to sing in tune, to invent songs, to play rhythmically in time, and to use percussion instruments develops very early if infants are immersed in a context with various musical activities.      

Conclusions:

In the light of these results, our society should recognise that an early musical development is a right that must be recognised to all children.

 

Symposium: Diagnostische Blicke auf Bildungsprozesse / Symposium: Views on education processes                    

 

Michaela Rißmann:

Be(ob)achtung und dialogische Bildungsdokumentation im Kindergarten

 

Seit in Deutschland in den Bundesländern Bildungspläne für den frühkindlichen Bereich in Kraft getreten sind, ist besonders das Thema der Beobachtung und Dokumentation in den Fokus der fachlichen Auseinandersetzung der Erzieherinnen und Erzieher gerückt. Auch im Thüringer Bildungsplan wird die Beobachtung als notwendige Voraussetzung für die Planung von Bildungsprozessen gesehen. Beobachtet wird unter anderem um "pädagogische Zielstellungen und entsprechende Angebote im Team unter Berücksichtigung der Materialbereitstellung und Raumgestaltung zu entwickeln, die die Themen der Kinder aufgreifen…" (Thüringer Bildungsplan für Kinder bis 10 Jahre. 2008, S. 160).

Hier lässt sich ein direkter Bezug zu Friedrich Fröbel herstellen, der der Beobachtung als allseitiger Lebensbeobachtung einen hohen Stellenwert beimaß. Er forderte, die Natur des Kindes zu beachten. Im Rahmen der Spielpflege in seinem Sinne geht es auch um Wahrnehmung der "Selbstbeschäftigung", damit dann von den PädagogInnen eine Unterstützung und Anregung des Kindes gemäß seiner "Kindesnatur" und "Entwicklungsstufe" gegeben kann.

Friedrich Fröbel hat die Beobachtung als beziehungsstiftend angesehen. Für uns ist dies heute ein unentbehrlicher Bestandteil einer darauf aufbauenden dialogischen Bildungsdokumentation. Konstituierende Merkmale des Bildungsbuches als einer besonderen Form der Portfolioarbeit sind der Dialog und das Zusammenwirken von PädagogInnen und Kind. Dieser Ansatz wurde von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Rahmen eines Gesprächskreises, dem auch die Referentin angehört, entwickelt. Er ist besonders dadurch gekennzeichnet, dass das Kind als Akteur seiner Entwicklung als aktive Person in die Gestaltung der Bildungsbücher einbezogen wird. Bildungsbücher werden mit dem Kind statt für das Kind angefertigt.

Nach einer kurzen Einführung zur Rolle von Beobachtung heute und in den Schriften Fröbels werden im Vortrag Merkmale von Bildungsbüchern und das Verfahren ihrer Entstehung vorgestellt.

 

Observation and dialogic documentation of educational processes in the kindergarten

 

Since formal curricula for early childhood education came into effect in Germany, the topic of observation and documentation became a focal point in the debate among professional educators. Also in the formal curriculum of Thuringia, observation is seen as an essential requirement for the planning of educational processes. The purpose of observation is, in part, for the team to "develop educational goals and accompanying activities, keeping in mind the materials and types of rooms available, involving topics currently important to the children…" (Formal Curriculum of Thuringia for Children up to the Age of 10.  2008, p. 160).

One can note a direct reference to Friedrich Froebel, who saw observation as an all-encompassing observation (of a child´s life) as being very significant.  He required that we pay attention to the nature of the child. In the context of "Spielpflege" (play-nurturing) in Froebel´s usage, it is also a question of the perception of "self-occupation". As a consequence, educators are able to give the child assistance and stimulation according to its "childlike nature" and "stage of development".

Friedrich Froebel saw observation as a bonding instrument. Today it is an indispensable component upon which the dialogic documentation of a child's education is based. Two features of the "Bildungsbuches" (educational document book), a special form of portfolio-work, are those of the dialogue and that of the cooperation between educator and child. This approach was developed by the Workers' Union of Education and Science during the context of a discussion group to which the speaker herself belongs. One important characteristic to note is that the child, protagonist of his own development, is actively involved in the design and creation of the "educational document book". "Educational document books" are produced along with the child and not for the child.

The presentation consists of a short introduction on the role of observation today as well as in the work of Froebel. Then, the features of the "educational document books" (Bildungsbücher) and the process of their development will be introduced.

 

Wolfram Meyerhöfer:

Vom Rechnen und vom Rechen-Schwächeln

 

Massiv wie lange nicht wird heute von Kindergärten ein Beitrag zur "Bildung auf die Schule hin" gefordert. Ich werde in meinem Vortrag versuchen, frühe mathematische Bildung eher vor dem Hintergrund von Fröbels Ansatz zu deuten: Fröbel hat ja den Kindergarten nicht als "Zubringer" der Schule verstanden, sondern als Raum der spielerischen Erfahrung und Erforschung. Ich möchte aufzeigen, was dabei (wie) gelernt werden kann und soll.

Insbesondere sollten wir eine Arbeitsblatt-Didaktik vermeiden. Statt vorweggenommener Rechenübungen geht es um ein Verständnis für zwei durchaus seltsame Eigenschaften, die wir in der Welt sehen können: Anzahlhaftigkeit und Formhaftigkeit. Wenn wir diese Eigenschaften im Alltag und in Spielen vielfältig reflektieren, dann benötigen wir keinen vorgezogenen Unterricht, und die Anheftung von Symbolen und Wörtern an Mengen, an Körper oder Figuren ist kein befremdliches Tun, sondern Hilfe im Kommunizieren über die Welt.

In der Aneignung des Mathematischen gibt es objektive Hürden, die im mathematischen Gegenstand selbst stecken. Haupthürden im Kindergarten sind die simultane Wahrnehmung von Mengen, das flexible Umgehen mit Mengen und das Verständnis davon, wozu Zahlen da sind: Anzahlen zu beschreiben. Man hat eine seltsame Krankheit erfunden, die "Rechenschwäche". Ich werde darlegen, warum ich diese Krankheit als nicht existent annehme und wie wir bereits im Kindergarten beitragen können, das spätere Schwächeln der Kinder im Mathematikunterricht zu verhindern.

 

About arithmetic and arithmetic-weakness

 

There has been massive pressure on kindergartens to contribute to "educational preparedness for school". I will attempt in my lecture to discuss the importance of mathematical education in the context of Froebel's views: Froebel did not see the institution "kindergarten" as being the pre-school to the subsequent elementary or primary school, but instead as a place where children can gain experiences through playing and making discoveries.  I would like to show what children can and should learn during these processes.  One should avoid the concept of "worksheet-didactics". Instead of rushing into arithmetic exercises, we should concentrate on two characteristics which are rarely seen in the world today: concentration on amounts and on shapes. When we reflect on these items on a daily basis in our everyday lives and during playtime, then there is no need to have pre-math lessons (in kindergarten). Connecting symbols and words to quantities, bodies and figures is not an unnatural thing to do. On the contrary, it helps one to communicate about the world.

In preparing children for mathematics, there are objective hurdles which are inherent in mathematics itself. The main hurdle in kindergarten lies with the simultaneous perception of quantities, the readiness and flexibility in dealing with amounts and understanding why numbers are there: to describe quantities. Someone invented the strange illness of "calculating weakness" or dyscalculia. I will explain why I assume this "illness" does not exist and how we can already contribute in kindergarten to avoiding the possibility of weak maths students in school.

 

Symposium: Die Bedeutung des kindlichen Spiels / Symposium: The importance of Children's play                                           

 

Kun-Chang, Lee, Shu-Lin, Chang

Wie Kinder sich bewegende Objekte wahrnehmen und beschreiben

 

Fröbel äußerte 1905, dass er den Kreis als das innere Gesetz der göttlichen Einheit sieht und dass alle Dinge leben und regieren ein ewiges Gesetz. Können aber Kinder die Einheit der Fröbelgaben erkennen? Diese Studie sucht nach Antworten ausgehend von der visuellen Wahrnehmung von Kindern. Die Absicht der Pilotstudie ist zu untersuchen was Kinder sehen und wie sie sich bewegende Objekte beschreiben. 11 Kinder (zwischen 2 und 12 Jahren) nahmen an dem Experiment teil und beobachteten dabei die Rotation dreier Figuren (Fröbelgabe Nummer 2) und beschrieben, was sie sahen. Folgende Ergebnisse können genannt werden:

Alle teilnehmenden Kinder zeigten die Fähigkeit illusorische Konturen wahrzunehmen, wobei die Kinder unter drei Jahren das Phänomen ignorierten; Kinder über 10 Jahren konnten zwar die Figuren und die illusorischen Konturen nicht klar beschreiben, erkannten aber die Einheit des Ganzen. Zwei Enthüllungen brachte die Studie mit sich: Erstens wurde deutlich, dass es schwierig ist Fröbels Einheit nur durch die Wahrnehmung von Kindern zu verstehen. Es wäre also besser, die Wahrnehmung der Kinder mit Erkenntnis zu verknüpfen. Zweitens zeigte sich, dass die Fröbelgaben für ältere Kinder besser geeignet sind als für junge.

 

What do children see and explain about moving objects?

 

Froebel (1905considered the circle to represent the inner law of divine Unity and that all things live and reign within this eternal law.  However, can children experience the unity concept found in Froebel's Gifts (Spielgaben)? This study attempts to answer this question based on the developmental stage of visual perception a child is in at the time of Gift usage.  The purposes of this pilot study are to inquire what children actually see and how they can explain moving objects.

11 children2-12 years oldparticipated in the experiment and each one observed the rotations of three figures from Froebel's second Gift, afterward giving a response. The results are:

(a) All participants were able to perceive illusory contour, but children under 3 years of age ignored the phenomenon

(b) The children 10 years of age and over couldn't clearly explain the figures and illusory contour, but discovered the "unity" in them.

This study reveals two things.  First, it is difficult to understand Froebel 's concept of Unity when only taking a child's perceptions into consideration.  It would be better, therefore, to combine a child's perceptions with his cognitive skills. Second, Froebel's Gifts are more suitable for older children than younger ones.

 

Deepa Gupta / Asha Singh:

Warum Spielen Kleinkinder? Untersuchung Elterlicher Überzeugungen

 

"Spiel" wird oft gleichbedeutend mit Kindheit gesehen. Es wird als natürlich vorkommendes, universelles Phänomen betrachtet. Die erzieherischen Elemente in Fröbels pädagogischem Modell fassen das Spiel als Betätigung bzw. Erfahrung auf, die einen Grund und eine Bedeutung für das Kind haben. Holt (1967) glaubte, dass Kinder Fantasie-Spiele nicht gebrauchen, um die Realität abzuschalten, sondern um in die reale Welt zu gelangen. Theoretiker glauben auch, dass die Eltern-Kind-Beziehung durch Faktoren wie Erziehungsstil, Disziplinartechniken, Temperament und unmittelbare Umgebung des Kindes beeinflusst wird.

Das Forschungsziel meiner Befragung war der Versuch elterliche Ideologien zum Spiel, den Einfluss der geographischen Lage, der Bildung und der sozialen Dynamik in Bezug auf die Wahrnehmung von Spiel zu verstehen. Die Studie wurde in zwei  sozio-ökonomisch verschiedenen geographischen Milieus in Neu Delhi, Indien durchgeführt. Gruppe A umfasste eine sich im Wandel befindliche Wohngegend, in der hauptsächlich einfache Fachkräfte leben während Gruppe B aus gebildeten Fachleuten bestand, die in Oberschicht-Häusern im Zentrum von Delhi wohnen. Die Auswahl umfasste 28 Elternpaare, 14 aus jedem Milieu. Diese Eltern hatten mindestens zwei Kinder, wobei der Fokus der Untersuchung auf dem Zweitgeborenen lag. Interviews mit den Eltern, Beobachtungen der spielenden Kinder und Wortfelder waren einige der Methoden um ein Verständnis des Spiels unter den Erwachsenen zu entwickeln. Die Instrumente wurden bei jedem Elternteil individuell angewendet. Die Daten wurden transkribiert und analysiert.

Interessanterweise bestätigten die Eltern den Wert des Spiels in der unmittelbaren und erweiterten Welt der Kinder. Unabhängig von der Gesellschaftsschicht, beruflichen, geographischen, ökonomischen und Bildungsunterschieden, hielt das elterliche Glaubenssystem das Spiel für einen inhärenten Teil der Kindheit. Der technologische Fortschritt brachte eine starke Veränderung der Spielmuster mit sich und gestaltete die Beziehung zu traditionellen Spielen und der spielerischen Interaktion um. Die Domestizierung des modernen kindlichen Spiels ist ein bestimmender Faktor in diesem Paradigmenwechsel, aber die Sozialgeographie und die ökonomischen Ressourcen bestimmen die Schnittstelle mit den modernen Spielmaterialien. Spielräume und -möglichkeiten für Kinder haben sich verändert, um Kindern das Erlebnis beschränkter Freiheit zu geben. Erwachsene waren oft sowohl die primären Regulatoren des Spiels als auch Partner im Spiel der Kinder. Eltern akzeptierten nachhaltig den intrinsischen Wert des Spiels als ein Medium des formellen und informellen Lernens. Die Ergebnisse der Studie legten nahe und empfahlen wiederholt die Anerkennung von folk und indigenen Spielmaterialien in frühkindlichen Lernsituationen und unterstützten somit die Fröbelsche Vorstellung eines "Gartens der Betätigung". "Thematisches" oder ortsübliches Spiel und Reime, Jingles und Spiele müssen in der beruflichen Kinderbetreuung einbezogen und verwendet werden. Das öffentliche und soziale Bewusstsein im Hinblick auf die Bedeutung des Spiels und das Schwinden der Spielräume muss in Schwung gebracht werden. Die Daten dieser Studie zeigen das Spiel als eine zentrale Einheit in formellen und informellen Kontexten des ECCE.

 

Why do young children play? Exploring parental beliefs

 

Play is often regarded as synonymous with childhood. It is seen as a naturally occurring universal phenomenon. The pedagogical elements of Froebel's educational paradigm perceive play as an activity and experience that have reason and meaning for the child. Holt (1967) believed that children use fantasy play not to shut off reality, but to connect with the real world. Theorists also believe that the parent-child relationship is influenced by factors such as parenting styles, disciplinary techniques, a child's temperament and a child's close environment.

The objectives of my research inquiry were to understand parental ideologies of play, the influence of geography, education and social dynamics on the perception of play. The study was conducted in two socio-economically different geographical settings in New Delhi, India. Group A comprised a residential area having a shifting skilled-labour community, while Group B comprised educated professionals living in upper-class homes in Central Delhi. The sample comprised 28 parents, 14 from each setting.  The sample of parents had at least two children with the focus being on the second-born child. An interview with parents, observations of children at play and word association were some of the methods used to generate an understanding of play among the adults. Each parent was individually interviewed and the data was transcribed and analyzed.

Interestingly, parents did acknowledge the value of play in their child's immediate and extended world. Irrespective of social class, occupational, educational, geographical or economic variations, the parental belief system unanimously upheld play to be an inherent part of childhood. Technological advances brought about a major change in play patterns, reconfiguring relationship-games with traditional games and interactive play. Domestication of modern childhood play is an imperative determinant in this paradigm shift, yet the social geography and economic resources determine the kinds of modern play materials used. Play spaces and opportunities for children have been transformed to give children the experience of restricted liberty. Adults were often primary regulators of play as well as partners in play with children. Parents strongly accepted an intrinsic value of play as a medium of formal and informal learning. The study's findings repeatedly suggested and recommend the recognition of folk and indigenous play materials in early learning settings, supporting the Froebelian notion of the "garden of activity". "Topical" or local play and rhymes, jingles and games need to be incorporated and used by childcare professionals. There is a need to generate momentum for public and social awareness regarding the significance of play and the fact of shrinking play spaces.  The data in this study indicates play as a central entity in formal and informal contexts of ECCE.

 

Huang Ruey-Rong / Chu Chi-hua / Chang Shu-Lin:

Pädagogische Bedeutung von Spielzeug für Kleinkinder in Taiwan und Deutschland - die Fröbelgabe und Taiwanesisches Volksspielzeug als Beispiele

 

Das Spiel nimmt einen Hauptteil des frühen Lebens eines Kindes ein. Erwachsene entwickelten Spielzeug, um Kinder zu fesseln und um die Entwicklung höherer Ebenen ihres Verstandes zu fördern. Ausgehend vom Blick auf traditionelle Spielzeuge untersucht diese Studie den pädagogischen Wert von Spielzeug für Kleinkinder in Taiwan und Deutschland. Dabei wird in dieser Studie die Literatur überprüft, um Ziele, Verfahren und Regeln der Fröbelgaben mit denen taiwanesischer Volksspielzeuge zu vergleichen. Die Ergebnisse stellen sich folgendermaßen dar:

a)   Die Spielzeuge sind sich ähnlich in ihrer Herstellung aus natürlichen Materialien, den optischen Hilfen, Interessen und Regeln.

b)   Die Spielzeuge sind unterschiedlich in ihren Zielen, inwiefern sie vorweggreifen, in der Art in der sie Wissen und Fertigkeiten vermitteln und in ihren Werten. Diese Ähnlichkeiten und Unterschiede zeigen zwei Hauptunterscheidungspunkte traditioneller frühkindlicher Erziehung in Taiwan und Deutschland. Erstens meinte Fröbel, dass Kinder beim Spielen lernen können, während die traditionelle taiwanesische Einstellung zum Lernen besagt, dass Spielzeug zum spielen da ist, aber nicht zum lernen. Zweitens dachte Fröbel, dass die soziale Interaktion für Kinder sehr wichtig sein, jedoch sind die Ziele und Verfahren der Gaben weniger effektiv; im Gegenteil dazu steigern taiwanesische Volksspielzeuge, welche die Teamarbeit herausstellen, nicht nur den Effekt durch Hilfe von Gleichaltrigen, sondern sind auch für die kindliche Interaktion förderlicher.

 

The pedagogical values of early childhood toys in Taiwan and Germany - taking Froebel's Gifts and Taiwanese folk toys as examples.

 

Play is a main part in a young child's life. Adults have designed toys to attract children and develop their minds to reach a higher level of thinking. Based on the view of traditional toys, this study analyzes the pedagogical values of early childhood toys in Taiwan and Germany. It investigates literature in order to compare the goals, procedures, and rules of Froebel's Gifts (Spielgaben) in comparison to Taiwanese folk toys. The results are:

a.)  These toys are similar in the way that they contain natural materials, visual aids, interest, and rules

b.)  They are different in regard to their goals, what they anticipate, how they pass on knowledge and skills, and their values. These similarities and differences manifest two main points of comparison between the traditional views of early childhood education in Taiwan and Germany. First, Froebel's view that children can learn by playing with toys is different to the Taiwanese traditional attitude that toys are there to play with, not to learn from. Secondly, Froebel thought that social action is important for children, but the goals and procedures of the Gifts are not very effective. On the contrary, Taiwanese folk toys emphasize teamwork and heighten the educational effects due to peers' working and learning together.  These toys are also more conducive to child social interaction.

 

Workshops, 9. April 2010 / Workshops, April 9th 2010

 

Christine Freytag:

Artikulation und Phonetik bei Fröbel und heute

 

Für Friedrich Wilhelm August Fröbel bilden Sprache, Religion und Natur einen gemeinsamen Verbindungspunkt im Leben eines Menschen. Vor allem Sprache besitzt die Funktion, die Innenwelt nach außen zu tragen und das Befinden, also die Innenwelt, sprecherisch und sprachlich zu offenbaren.

In seiner Schrift "Die Menschenerziehung" von 1826 konzipiert Fröbel eine Anleitung zum sprecherischen und sprachlichen Unterricht: Übungen im Sprechen sollen das "Material des Wortes" dem Schüler nahe bringen und Sprachübungen besonders dazu beitragen, Gegenstände richtig und klar zu bezeichnen.

Der von Fröbel entwickelte Leitfaden soll im Workshop kurz skizziert und die gegenwärtige Bedeutung der Artikulation für Erzieher und Lehrer herausgestellt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der korrekten Aussprache, welches in kurzen Übungen veranschaulicht wird.

 

Froebel's views on articulation and phonetics and those of today

 

Language, religion and nature are for Froebel a common denominator in all human life.  Most of all, language possesses the function of transmitting one's inner world to the outer world and manifests a person's feelings, or inner world, through oral communication.  In 1826, Froebel conceived a set of directions for oral communication and language teaching in his work "The Education of Man".  Exercises in speaking should familiarize the student with the "material word".  Language exercises should contribute to a correct and clear description of the world's things.  Froebel's directions will be briefly summarized and the current meaning of articulation be made obvious to early childhood educators, kindergarten teachers and school teachers.  Particular emphasis is made on correct pronunciation, demonstrated through short exercises.

 

Heinrike Schauwecker-Zimmer / Peter Zimmer:

Fröbels Baugaben und Legetäfelchensystem - eine Didaktik für mathematische und ästhetische Bildung in der Kindheit ?!

 

Nach einem kurzen Gesamtüberblick zu Fröbels Spielgaben, Spielmittel und Beschäftigungssystem befassen wir uns im Workshop exemplarisch mit den Fröbelgaben 2-6 und den Fröbelschen Legetäfelchen.

Beides hat sich als besonders geeignetes Material zur Unterstützung von Kindern beim Prozess ihrer (Selbst-) Bildung in den Bereichen Mathematik, Ästhetik und Umwelterfahrung in der Praxis bewährt.

In Verbindung mit Spielpflege nach Fröbel - auch im Rahmen von Unterricht - kann eine solide Basis für kognitive, emotionale und lebenspraktische (Ich- Sozial- und Sach-) Kompetenz von Kindern gelegt werden.

Die Bedeutung und Methode von Spielpflege durch ErzieherInnen in Familie, Kindertageseinrichtungen (Kinderkrippe, Kindergarten, Hort) und Schule soll diskutiert werden. Auf welche Weise kann sowohl individuell, wie auch in Kleingruppen und zur freien Verfügung Fröbelmaterial in motivierender Form angeboten werden?

Nachgehende, nicht vorschreibende Erziehung, stets verbunden mit dem sog. "begleitenden Wort" und intensiver Beobachtung, war Fröbels generelle Methode, die gerade heute erneut aktuell ist.

Im Umgang mit Fröbelmaterialien können Kinder bei der eigenständigen Entwicklung ihres Menschen- und Weltbildes unterstützt werden.

"Inneres äußern und Äußeres verinnerlichen", Individuell und in Gemeinschaft ist ein wichtiges Ziel.

Als Tätigkeitspädagogik entspricht Fröbels Didaktik dem Grundsatz "learning by doing".

Deshalb werden im Workshop viele Beispiele zu "Erkenntnis- Schönheits- und Lebensformen" mit den Baugaben und den Legetäfelchen angeregt, erprobt und besprochen werden.

Unser Workshop entspricht unserer Meinung nach den Intentionen der diesjährigen IFS Konferenz bei der Frage nach der Aktualität fröbelscher Pädagogik durch praxisnahe Präsentation und Diskussion.  

 

Froebel´s system of geometric blocks (Gifts) and Constructive Shapes - a developmental approach for mathematical and aesthetic education in childhood

 

After a short overview of Froebel´s system of Gifts, materials and activities, the Workshop will explore Froebel´s Gifts 2 to 6 and the Constructive Geometric Shapes.

In German Froebel Kindegartens today, where these materials are used, it has become evident that the children gain experience in mathematics, aesthetics and understanding of their cultural and social environment.

Froebel´s 'Spielpflege' (self-directed play by children accompanied by educators), also in a school setting, are a foundation for cognitive, emotional and life skills.

The application of the 'Spielpflege' at home, in nurseries, kindergartens and other settings will be discussed. In which way can the Froebel Materials be offered in order to motivate freely chosen individual and group activity?

Supportive, rather than prescriptive education was Froebel´s general method and this is still relevant today. In connection with this approach is the idea of the 'accompanying word' ('begleitendes Wort'), giving the child verbal information about what is taking place, in addition to careful observation of the development of each child.

The Froebel materials can help the child to create his own understanding of human beings and the world. An important goal is 'Inneres äußern und Äußeres verinnerlichen', in other words, bringing out and expressing our individuality and integrating the external into our being.

Froebel pedagogy complies with the notion 'learning by doing' as in early childhood the child is an active learner through play.

Therefore in the workshop we shall have practical exercises with Froebel´s Blocks and Constructive Shapes to have experience of 'Erkenntnis-, Schönheits- und Lebensformen' (knowledge, beauty and objects from the environment). This is followed by discussion.

The workshop follows the themes and the aims of the IFS conference in Jena 2010, investigating Froebel´s pedagogy and its relevance today.

Because the workshop is of a practical nature, only 16 people can take part.

 

Carola Heinrich:

Papierfalten nach Fröbel

 

Friedrich Fröbels ganzheitliches Bildungs- und Erziehungskonzept ist, wie sein Welt- und Menschenbild, nicht nur philosophisch, sondern auch naturwissenschaftlich und vor allem mathematisch geprägt. Da Mathematik relativ zeit- und kulturunabhängig ist, blieb Fröbels Konzeption bis heute aktuell.

Für Kinder im Kindergarten gehören Zahlen und geometrische Formen zusammen. Sie müssen anschaulich an die Umwelt, an das praktische Leben gebunden vermittelt bzw. den Kindern erlebbar und buchstäblich "begreifbar" nahe gebracht werden.

Eines der bekanntesten Beschäftigungsmittel aus Fröbels "System der entwickelnd-erziehenden Spielgaben, Spiel- und Beschäftigungsmittel" ist das Papierfalten.

Durch das mannigfaltige Verändern der meist quadratischen Papierfläche durch Brüche zu neuen Formen gewinnen die Kinder erste wesentliche Einblicke in die Geometrie.

Die Teilnehmer des Workshops lernen alle Grundformen der "Kleinen Fröbelschen Faltschule" sowie gebräuchliche Faltbegriffe kennen und bekommen die Möglichkeit, darauf aufbauende Faltformen zu gestalten. Dazu gehören sowohl Lebensformen als auch Schönheitsformen.

Während der praktischen Tätigkeit werden geometrische Zusammenhänge sichtbar und bewusst wahrgenommen. Die Teilnehmer erwerben grundlegende Kenntnisse zum didaktisch-methodischen Einsatz des Fröbelschen Papierfaltens in der Kindergruppe.

 

Paper-folding workshop

 

Friedrich Froebel´s concept of holistic education as well as his world view and conception of mankind are not only shaped by philosophy but also by natural science and above all mathematics. As mathematics is relatively independent of time and culture, Froebel´s concept continues to be relevant today.

Numbers and geometric shapes belong together for children in kindergarten. It is essential to illustrate mathematical facts in close connection with the child´s surroundings and practical experience. Children must be able to experience and actually "grasp" mathematical concepts.

One of the most popular "occupations" from Froebel´s "System of educational Gifts and Occupations" is paper-folding.

By folding, children continually turn a basically square paper shape into new shapes and thus acquire their first fundamental insights into geometry.

Participants in the workshop will get to know all basic shapes of "Froebelian folding", familiarize themselves with common folding terminology and get the chance to fold more elaborate shapes. These will include "folds of life" as well as "folds of beauty". During this hands-on activity, geometric relations will become visible and participants will be made aware of them. They will acquire basic knowledge of using Froebelian paper-folding didactically in groups of children.

 

Christiane Konrad:

Kommt, laßt uns Fröbels Lieder singen

 

Friedrich Fröbel brachte 1844 sein großes Familienbuch mit dem Titel  Mutter- und Koselieder heraus. Dieses Buch enthält neben einigen gesprochenen Texten auch Liedtexte, deren Melodien damals in einem gesonderten Band erschienen. Da sowohl der Text- als auch der Melodienband nur schwer zugänglich sind, wollen wir einige Lieder besprechen, singen und uns aneignen. So hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit, bei passender Gelegenheit über diese Lieder zu verfügen, die auch heute noch mit Kindern gesungen werden können. Eigene Erfahrungen mit einem Kinderchor werden vorgestellt.

Da die Lieder für Mütter im häuslichen Umfeld und den Kindergartenbereich konzipiert worden sind, sind keine Notenkenntnisse erforderlich, nur Freude am Singen. Dass es sich bei Fröbels Mutter- und Koseliedern um musikalische Früherziehung handelt, wird jedem klar werden, der sich mit den Liedern befasst. Das Kind lernt, genau hinzuhören und bekommt eine Vorstellung für seinen eigenen Tonraum. Dies stellt für das Kind eine weitere Bildungsmöglichkeit im auditiven Bereich dar, neben der visuellen (kognitiven, emotionalen, ästhetischen, religiösen...) Anregung, wie sie durch die Bilder vermittelt wird. Die begleitende Handbewegung verbessert die Auge-Hand Koordination und vermittelt dem Kind eine weitere Fertigkeit, die auch den feinmotorischen Bereich umfasst. Durch das gemeinsame zielgerichtete Tun werden Erfahrungen im zwischenmenschlichen Bereich gesammelt, die das Bindungsverhalten positiv beeinflussen können.

So können wir anhand dieser kleinen Lieder Material zur Verfügung stellen, das die spielerische Auseinandersetzung mit der Umwelt und deren Aneignung begleitet von der Bezugsperson beginnen lässt. Die Lieder können sowohl im häuslichen Umfeld, als auch in Kindergarten und Grundschule eingesetzt werden.

 

Come and let us sing the songs of Froebel

 

Friedrich Froebel published his large family book with the title "Mutter- und Koselieder" in 1844. The book contains several spoken texts as well as lyrics. The melodies for these lyrics were published in a separate book. Both books are difficult to access and therefore we would like to discuss, sing, and learn some of them. This gives each participant the chance to have access to the songs, which can be still be sung with children when suitable.  The speaker's own experiences using the songs with a children's choir will be recounted.

The songs were designed for mothers at home and at the kindergarten. Therefore, being able to read music is not necessary - only the enjoyment of singing. The fact that Froebel's "Mutter- und Koselieder" are written for the early musical education of children becomes clear to everyone who studies them more closely. The child learns to listen closely and gets to know his/her own musical range. This is another educational opportunity in the auditory area for the child aside from the visual stimulation (cognitive, emotional, aesthetic, religious…) which occurs by viewing the pictures. The accompanying hand gestures improve eye-hand-coordination and enhance the child's intricate motor skills. Experiences in the interpersonal area are gained by common actions shared by a group during the song performance; these can positively influence bonding behavior.

Thus, we are able to provide material through these little songs which allows the child, with the accompaniment of a familiar person, to playfully engage and become familiar with the environment with the accompanying person. The songs can be used at home as well as in kindergarten and primary school.

 

Reimund Meffert:

Polytechnische Bildung im Sinne Fröbels. Bildungswelten mit Kindern gestalten

 

Polytechnik (griech.: polytechnía = "Kunde vieler Künste") ist die Verbindung des Prinzips der Allseitigkeit ("poly") mit dem Prinzip der technischen Anfertigung. Entsprechende Ideen wurden von F.W.A. Fröbel auch in seiner Zeit in Keilhau (1817-1831) verfolgt.

Polytechnische Grundbildung ist eng verknüpft mit einem praktischen Lernbegriff, d.h. als eine Einheit von Arbeitswelt, Technik und Allgemeinbildung. Sie geht über die bisher üblichen Aktivitäten von Schule hinaus und stellt somit eine Verbindung zur späteren beruflichen Praxis dar. Die Polytechnik in Keilhau wird in folgender Hinsicht wirksam: Zum einen ist sie der Berufsgrundausbildung vorgeschaltet und ist eine Form der Allgemein- bzw. Lebensbildung und zum anderen ist sie pädagogisches Grundprinzip der Unterrichtsarbeit in Keilhau. Kinder und Jugendliche erlangen im Rahmen der polytechnischen Erziehungsarbeit durch praktischen Umgang mit einem Problem breite Fähigkeiten und Erkenntnisse. Dieses praktische Lernen ermöglicht eine sinnvolle Verzahnung von Theorie und Praxis. Kinder und Jugendliche sind so auf die sie umgebende technische Kultur vorbereitet. Sie wenden eigene Strategien zur Entwicklung bewusst an, entwickeln ein umweltorientiertes Denken und leiten eigene Lösungsstrategien ab, um (Lebens)Probleme selbstständig zu lösen.

Der Workshop macht sie mit den Grundanliegen des polytechnischen Erziehungsverständnisses an Friedrich Fröbels Schule vertraut (historisch/aktuell). Wir versuchen zu ergründen, was Schüler/innen in der heutigen Zeit wirklich kennen und können sollten, um im späteren Leben Erfolg zu haben. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit der Frage wie Bildungswelten beschaffen sein müssen, um den polytechnischen Anspruch Fröbels einlösen.

 

Froebelian Polytechnical Education: arranging educational settings together with children

 

Polytechnology (greek: polytechnía = the knowledge of many arts) combines the principle of universalism ("poly") with the principle of technical production. Such ideas were pursued by F.W.A. Froebel during his Keilhau period (1817-1831) as well.

Polytechnical basic education is closely connected to a practical concept of learning, meaning that a work environment, technology, and general education are combined. It goes beyond conventional school activities and consequently forms a connection to later professional practice. Polytechnology functions in Keilhau in the following way: on the one hand it precedes basic professional education and functions as a form of general well-rounded education, and on the other hand it is a basic pedagogical principle of "learning through work" in a classroom setting. Children and teenagers acquire comprehensive abilities and insights through their practical work on a given assignment or task within the framework of polytechnical education. This practical-learning setting facilitates meaningful interaction between theory and practice.  Children and teenagers are therefore prepared to deal with the technical culture of their society.  They consciously use their own strategies for development, acquire an environmentally oriented way of thinking, and through deduction come up with their own solution strategies in order to solve and deal with life problems independently.

The workshop familiarizes participants with the basic goals of polytechnical education in Friedrich Froebel's school (historical and current). We will investigate what knowledge and abilities pupils need in order to be successful later in life. Furthermore, we will deal with the question of what attributes educational settings should have in order to uphold Froebel's polytechnical standards.

 

Christiane Meiner:

Armut als Thema in Bildungseinrichtungen

 

Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen ist in keinem europäischen Land so stark ausgeprägt wie in der Bundesrepublik Deutschland. So wurde u.a. im Zweiten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung nachgewiesen, dass lediglich elf von 100 Kindern mit "niedriger" sozialer Herkunft eine Hochschulzugangsberechtigung erhalten, hingegen aber 81 von 100 Kindern mit einer "hohen" sozialen Herkunft. Demgegenüber belegt eine Vielzahl von Studien, dass die Bildungschancen von armen Kindern steigen, je länger sie eine Kindertageseinrichtung besuchen. Damit kann gezeigt werden, dass die Institutionen der frühkindlichen Bildung bereits jetzt einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung der Chancengleichheit der von Armut betroffenen Kinder leisten. Fraglich bleibt allerdings, ob das Fachpersonal seine Möglichkeiten und Fähigkeiten schon ausgeschöpft hat, oder ob durch eine (weitere) Sensibilisierung des Kita-Personals zusätzliche Chancen für diese Kinder eröffnet werden können. Zudem ist darüber nachzudenken, in welcher Weise Lehrerinnen zu einer Verbesserung der Chancengleichheit beitragen können und welche Ressourcen sie dafür benötigen.

Ziel des Workshops wird es daher zum einen sein, die Folgen von Armut bei Kindern in allen ihren Dimensionen festzustellen und deren Auswirkungen im (Kita- und Schul-)Alltag aufzuzeigen. Daneben soll auch thematisiert werden welche Armutsfolgen verborgen bleiben (können). In einem zweiten Schritt sollen dann Hilfestellungen und Fördermöglichkeiten diskutiert werden, die Kita-Personal, -Einrichtungen und -Träger sowie Lehrerinnen und Schulen für arme Familien im Allgemeinen und für von Armut betroffene Kinder im Besondern anbieten können. Anschließend sollen in verschiedenen Papieren die erarbeiteten Handlungsempfehlungen zusammengestellt und diejenigen Rahmenbedingungen festgeschrieben werden, welche insbesondere in den Kitas und Schulen benötigt werden, um die zuvor entwickelten Maßnahmen umsetzen zu können.

 

Poverty in educational Settings

 

The relationship between social background and educational opportunity is more obviously apparent in the Federal Republic of Germany than in any other European country. For example, it is verified in the "Second Poverty and Prosperity Report" of the Federal Government that only 11 out of 100 children of "low" social status gain admission to a university in comparison to 81 out of 100 children of "high" social status. In contrast,

many studies document that educational opportunities for poor children increase the longer they attend day-care facilities. This shows that early childhood educational institutions already now contribute to the improvement of equal opportunities for children affected by poverty. The question remains, however, whether professionals have already exhausted their potential or if further opportunities can be opened up for these children by providing kindergarten teachers with more specific training in this regard.  In addition, one needs to consider how teachers can contribute to the improvement of equal opportunities for such children and which resources they would need to achieve this goal.

Accordingly, the aim of the workshop will be first to determine the entire range of consequences of child-poverty and to show their effects on the daily routine of kindergartens and schools. Possible hidden consequences of poverty will also be discussed. Secondly, support and developmental services will be identified which can be offered to poor families in general and poverty-afflicted children in particular by kindergarten teachers, institutions, and supporting organizations, as well as teachers and schools. To conclude, the developed courses of action suggested in the various documents will be correlated, and a necessary framework established, as needed by kindergartens and schools to implement the previously articulated measures.

 

Heidrun Lachnit / Andrea Matheis / Barbara Lehr / Eckehard Zühlke:

Fröbel, wo bist du? Fröbelpädagogik in der Ausbildung von Kinderpädagogen

 

Die "Fröbelpädagogik" stellt sich in den Ausbildungsgängen für Kinderpädagogen sehr unterschiedlich dar; sie taucht, wenn überhaupt als ein Teil der historischen Pädagogik auf und wird wenig in Kontakt mit neueren pädagogischen Ansätzen gebracht. In modernen Ausbildungsmodulen findet sie sich ggf. bei den Grundlagen der Pädagogik. Gerade in aktuellen Zeiten, denen der Bildungspläne und Output Orientierung und zunehmender Tendenz von Verschulung des Kindergartens, scheint unter anderem die Spieltheorie Fröbels von besonderem Gewicht zu sein.

In diesen Workshops geht es zunächst um eine begrenzte Sichtung des Zustandes Fröbelpädagogik in Ausbildungsgängen für Kindheitspädagogik als auch um Fragen der Authentizität und Aktualität dieser Pädagogik und schließlich soll ein "Dialog" von  Fröbel mit modernen pädagogischen Konzepten wie etwa der Reggio Pädagogik, den Te Whäriki und vor allem den konstruktivistischen Ansätzen u.a. gewagt werden.

Im gleichen Zuge soll die praktische Ausbildung in der Fröbelpädagogik an Fachschulen und Hochschulen in den Blick genommen werden, diese dann  im Konzert mit weiteren pädagogischen Konzepten erfasst, erörtert und reflektiert werden. In diesem Workshop ibt es einen kleinen Input von KollegInnen des Evangelischen Fröbelseminars in Kassel zu obigen Aspekten. Wir wollen aber im Gespräch mit vielen KollegInnen aus anderen Ländern fragen, wo Fröbel bleibt und wollen ihm Stimme geben.

Fröbel, wo bist du?                

 

Froebel, where are you? Froebelian pedagogy in the training of child educators

 

"Froebelian pedagogy" presents itself quite differently in the training courses of child educators; if it appears at all it is a part of historical pedagogy courses and is rarely brought into contact with newer pedagogical approaches. In current course modules it can sometimes be found under a class such as "Pedagogy Basics". Especially in modern times dominated by formal curricula, orientation towards output, and an increasing tendency to turn the kindergarten into a school, Froebel's play theory appears to be of special importance.

This workshop will first offer a brief overview of the state of Froebelian pedagogy as found in early childhood education courses. It also involves questions about the authenticity and current need for this form of pedagogy.  Finally, there will be a "dialogue" regarding the pedagogical concepts of Froebel and modern ones such as "Reggio Pedagogy", "Te Whäriki", and especially constructivist approaches.

At the same time the practical training in Froebelian pedagogy performed at universities along with other pedagogical concepts will be described, reflected upon and discussed.

During this workshop colleagues of the Protestant Froebelian Seminar in Kassel will give their input on the above-mentioned topics.  In dialogue with the many colleagues from other countries, we want to ask where Froebel's ideas have established themselves and finally underline our support for them.

Froebel, where are you?

 

Samstag, 10. April 2010 / Saturday April 10th 2010

 

Vortrag / Individual paper

 

Karl Neumann:

Eltern, Kindertageseinrichtungen, Schule: Partner in den Bildungsprozessen der Kinder

 

Die aktuelle Forschung geht einhellig davon aus, dass Kinder ihr Verständnis der Welt in enger Kooperation mit den erwachsenen Vertretern der sie umgebenden Kultur, vor allem ihren Eltern als Modellen, von Geburt an aktiv individuell aufbauen.

Die Lernprozesse in der Familie, insbesondere beim sozialen und sprachlichen Lernen, sind von entscheidender Bedeutung für die Bildungschancen im gesamten Lebenslauf.

Im 12. Kinder- und Jugendbericht der deutschen Bundesregierung (2005) wird deswegen zur bestmöglichen Lernförderung eine intensive Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen öffentlichen Bildungseinrichtungen und den Eltern als den nächsten Experten für die Lernvoraussetzungen ihrer Kinder gefordert.

Wie eine solche ko-konstruktiv-kooperative Förderung für Kinder als selbsttätige Forscher, Künstler und Konstrukteure in den verschiedenen Lernbereichen (Sprache, Medien, multikulturellem Zusammenleben, Wissenschaft und Technik) optimal umgesetzt werden kann, ist weltweit Gegenstand intensiver Curriculum-entwicklung geworden. Dabei kommt dem Erstellen von Beobachtungsdokumentationen zur Lernentwicklung, anhand derer sich alle am Bildungsprozess Beteiligten austauschen können, um zum Wohl jedes Kindes den jeweils besten Lernweg zu finden, eine zentrale Rolle zu. Beispiele für diese Entwicklung bieten seit einigen Jahren die Bildungspläne der deutschen Bundesländer oder die vergleichbaren Rahmenvorgaben im Ausland, vorbildhaft die englischen Early Excellence Centers.

Vor diesem Hintergrund verkörpert Fröbels Konzept des Kindergartens eine erstaunlich aktuelle Vision der Suche nach einer neuen gemeinsamen Lebensform mit Kindern, die das Prinzip allseitiger Kinderbeachtung und kindlicher Bildung verbindet mit der Vermittlung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. Dabei hat Fröbel durchaus auch die bildungspolitischen Konsequenzen im Blick, dass nämlich der Aus- und Aufbau des Kindergartens als eines "Lernorts für Kinder" und "Republik im kleinen" von der Gesellschaft die ökonomische Garantie der Rahmenbedingungen verlangt, um eine "Kultur des Aufwachsens" nachhaltig sicher zu stellen.

 

Parents, nursery school, kindergarten, school: partners in children´s educational processes

 

Current research unanimously believes that children from the time of birth actively and individually build their understanding of the world in close cooperation with the adults in their immediate surroundings. In particular, their parents are their models.

Learning processes which take place in the family setting, particularly in the areas of social and language learning, are of utmost importance for gaining further educational opportunities throughout life.

Therefore, in the 12th Children- and Youth Report of the German Federal Government (2005) there is a call for an intensive partnership in the areas of education and child development between schools and parents, the latter being considered the nearest experts in providing a good learning foundation for their children. The goal is to facilitate learning in the best possible way.

Intensive research in curriculum development is being done throughout the world today with regard to how constructive and cooperative support of children as independent researchers, artists and constructors in various fields of learning (language, media, multicultural society, science and technology) can best be implemented. To this effect, material based on obserbation of children's learning processes will play a central role. All persons involved in the child´s educational processes can share information to find the best form of learning suited to that child. Examples of this development have been the educational plans of the German states or similar frameworks abroad, an example being that used by the English Early Excellence Centres (since 2004 renamed 'Children's Centres', which'provide full day care integrated with early education, in addition to child and family health services).,

With this in mind, Froebel´s kindergarten concept embodies a surprisingly current vision in the search for a new form of communal life with children.  This vision combines the principle of all-encompassing respect for children together with education suited to the child and involving the cooperation of private and public sectors. Froebel was also fully aware of the implications for education in a political sense. The establishment and expansion of the kindergarten as an institution was to be seen as a "place of learning for children" and as a "miniature republic" of society. Society was to guarantee the economic framework for the kindergarten so that a "culture for children to become responsible adults" could be continually sustained.

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