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Nicole Grochowina


PD Dr. Nicole Grochowina, gegenwärtig Oberassistentin am Lehrstuhl Frühe Neuzeit im Historischen Institut, hat bis 1997 in Hamburg Geschichtswissenschaft und Japanologie studiert. Die Promotion führte sie anschließend nach Ostfriesland und damit zu den "aufmüpfigen Friesen", wie sie selbst schmunzelnd hinzufügt, die sich im 16. und 17. Jahrhundert keiner der vorherrschenden Konfessionen in der Grafschaft unterwerfen wollten. In dieser Studie ging es um eine wichtige und wohl auch zeitlose Frage: Wie arrangieren sich Menschen mit gegebenen Rahmenbedingungen, wie entwickeln sie daraus für sich Handlungsspielräume und wie gehen sie mit Widerständen um, wenn es um eine Gewissensentscheidung geht?

Im Jahr 2002 kam Nicole Grochowina an die Friedrich-Schiller-Univesität nach Jena. Hier übernahm sie zunächst die Post-Doc-Stelle in der Nachwuchsgruppe "Eigentums- und Besitzrechte von Frauen in der Rechtspraxis des Alten Reiches, 1648-1806", bevor sie ein Habilitationsstipendium der FSU erhielt. Seit Oktober 2005 leitet sie das Teilprojekt A4 "Geschlechterbeziehungen und Aufklärung" im SFB 482 "Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800". Im Mittelpunkt steht hierbei die Untersuchung von Geschlechterbeziehungen im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert, welche in Weimar und Jena gestiftet, gelebt und verändert wurden. Diesbezüglich offenbaren sich bemerkenswerte Handlungsspielräume, die nur noch wenig mit dem Diktum der "Gattin, Hausfrau und Mutter" zu tun haben, das gemeinhin für diese Zeit benannt wird, um Geschlechterbeziehungen zu charakterisieren.

Im November 2007 habilitierte sich Nicole Grochowina mit einer Arbeit über das Eigentum von Frauen in Rechtskonflikten, die durch den Jenaer Schöppenstuhl begutachtet wurden. Der Blick auf die zivile Gerichtsbarkeit zeigt, wie rechts- und eigentumsfähig Frauen im ausgehenden 18. Jahrhundert waren, wie Rechtsprechung Geschlechterbeziehungen zu prägen vermochte, und wie sehr der Prozeß der Verrechtlichung Einfluß auf die Zurückdrängung der Geschlechterhierarchie nahm.

In der Lehre bietet Nicole Grochowina verstärkt Seminare mit geschlechtergeschichtlichen Fragestellungen an. Aktuell ist dies ein Seminar zur Männergeschichte, das neue Perspektiven auf die Frühe Neuzeit zu ermöglichen sucht. Aber auch in Einführungsseminaren, Vorlesungen, Übungen zur Utopie, Rechtsgeschichte oder Bildungslandschaft "Altes Reich" wird dieser Aspekt bei ihr stets mitgedacht. Für Nicole Grochowina wird gerade hierüber deutlich, daß die gegenwärtige Aufgabe der Historiographie darin besteht, Allgemein- und Geschlechtergeschichte in ein ausgewogenes Verhältnis zu setzen. Überdies ist es ihrer Meinung nach wichtig, die Studierenden mit einem Forschungsansatz vertraut zu machen, der mittlerweile weit über das politische Interesse der Frauenbewegung aus den 1980er Jahren hinausgeht - und insofern als wissenschaftlicher Zugriff sehr ernst zu nehmen ist.

Doch in der Lehre geht es für sie außerdem darum, nach neuen Methoden der Wissensvermittlung zu suchen - und diese auch zu erproben. Dieses Bestreben hat gleichfalls Raum in ihren Lehrveranstaltungen.

Ein ausgewogenes Verhältnis zumindest zwischen den Geschlechtern versucht Nicole Grochowina auch in ihrer Eigenschaft als stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte an der Philosophischen Fakultät zu erreichen. Zusammen mit Claudia Hammerschmidt und Eva-Maria Orth fällt ihr die Aufgabe zu, in Berufungskommissionen die Gleichstellung der Geschlechter im Blick zu behalten. Insofern ist ihre "Wunschuniversität der Zukunft eine Universität, in der das Streben nach Ausgewogenheit selbstverständlich ist und respektvoll geschieht, weil Vielfalt gemeinsames Lernen nachhaltig fördert. Das gilt in ihren Augen sowohl für die Verteilung der Geschlechter gerade auf höher dotierten Stellen als auch für den Umgang zwischen Lehrenden und Lernenden.

Beitrag vom 24.01.2011

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