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„Reformpädagogik“ quer gedacht

Pädagoge Ralf Koerrenz entwickelt neue Perspektiven zur Reformpädagogik
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18.03.2015
Reformpädagogik müsse stets die Perspektive der Lernenden einnehmen, sagt der Pädagoge Ralf Koerrenz von der Uni Jena. Im Bild: Montessori-Schüler im Unterricht. Foto: Anne Günther/FSU Reformpädagogik müsse stets die Perspektive der Lernenden einnehmen, sagt der Pädagoge Ralf Koerrenz von der Uni Jena. Im Bild: Montessori-Schüler im Unterricht.
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Über Bildungskonzepte, Lehrpläne und Schulformen wird in Deutschland gern und heftig gestritten. Nicht selten rückt dabei die Reformpädagogik in den Fokus. Doch längst nicht immer ist klar, was dabei eigentlich gemeint ist.     

Schon der Begriff "Reformpädagogik" sei unscharf und werde mit verschiedenen Bedeutungen unterlegt, sagt Prof. Dr. Dr. Ralf Koerrenz von der Universität Jena. Der Pädagoge unternimmt deshalb in seinem aktuellen gleichnamigen Buch den Versuch, die "Reformpädagogik" kritisch zu beleuchten und ihr den gebührenden Platz in öffentlichen Debatten zuzuweisen. Koerrenz Anspruch dabei: Die Vielfalt der Sache aufzuzeigen, die quer zu den gängigen Vorstellungen zur Reformpädagogik liegen.

In öffentlichen Debatten werde die Reformpädagogik als historisches Phänomen auf die Zeit um 1900 eingegrenzt, sagt Koerrenz. Genauer: auf die Jahre von 1890 bis 1933. Die Zäsur 1933 bestehe jedoch nur in der deutschen Wahrnehmung, konstatiert er. Diese Sichtweise lege es nahe, Reformpädagogik als deutschen Sonderweg zu deuten. Eine Zuschreibung, die Prof. Koerrenz ablehnt: "Wir müssen die Reformpädagogik als Einlösung der Ideen der Aufklärung begreifen und damit als globales Projekt."

Zu den Kernpunkten einer Pädagogik, die sich als Reformpädagogik versteht, gehöre es zum einen, stets die Perspektive der Lernenden einzunehmen. Es gehe darum, das "Eigenrecht aller Lebensalter" zu verteidigen, also beispielsweise das Recht der Kinder, als Kinder und nicht als kleine Erwachsene akzeptiert zu werden. Zum anderen geht es in der Reformpädagogik immer auch um eine pädagogische Kritik der Kultur. Vertreter einer solchen Pädagogik seien im 18. Jahrhundert beispielsweise Rousseau und Pestalozzi.

Neben der Kennzeichnung historischer Zeiträume gebe es systematische Aspekte, die in der Verbindung von "Reform" und Pädagogik mitschwingen. Zu unterscheiden seien eine "utopische" und eine "ökonomische" Ausrichtung. Im utopischen Denken ist Pädagogik selbst Projektionsfläche einer "besseren" Welt. "Ökonomisch betrachtet muss sich die Pädagogik ändern, weil sich die Wirklichkeit geändert hat", so beschreibt Ralf Koerrenz den Anpassungsdruck, dem sich heutzutage auch Lehrkräfte ausgesetzt sehen.

Das letzte Kapitel in seinem aktuellen Buch hat Ralf Koerrenz der Reformpädagogik heute gewidmet. Es gehe keineswegs nur darum, der "Heiligen" Maria Montessori oder anderen Modellen nachzueifern, sagt er. Dieses Anregungspotential sei beachtlich, doch stehe die Reformpädagogik wie zu allen Zeiten vor der Herausforderung, angemessene Antworten auf die Probleme der Gegenwart zu finden. "Wie reagiert die Reformpädagogik mit ihrer Anwaltschaft für die Lernenden und ihrer Skepsis gegenüber der Kultur auf die globalisierte Moderne?", so lautet die Frage. Der Wissenschaftler von der Universität Jena versucht in seinem Buch, auch darauf Antworten zu finden.

Bibliographische Angaben:

Ralf Koerrenz: "Reformpädagogik. Eine Einführung", Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2014, 218 Seiten, Preis: 24,90 Euro, ISBN: 978-3-506-77536-8

Kontakt:

Prof. Dr. Dr. Ralf Koerrenz
Institut für Bildung und Kultur der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Planetarium 4, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945331
E-Mail:  

     

 

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