Schnelleinstieg Reader

Home|Suche|Friedolin|Webmail de

Wortmarke FSU

Den Menschen helfen, gesünder zu essen

Ausgezeichnete Ernährungsforschung in Mitteldeutschland: Universitäten Jena, Halle und Leipzig bauen mit "nutriCARD" einen Kompetenzcluster für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit auf
PDF erstellen
ReadSpeaker
zurück | vor
19.05.2015
Beliebt aber ungesund: Die traditionelle Bratwurst ist besonders reich an gesättigten Fetten. Das macht sie nicht nur zur Kalorienbombe. In großen Mengen verzehrt, steigern gesättigte Fette auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Foto: Peter Scheere Beliebt aber ungesund: Die traditionelle Bratwurst ist besonders reich an gesättigten Fetten. Das macht sie nicht nur zur Kalorienbombe. In großen Mengen verzehrt, steigern gesättigte Fette auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
[DOWNLOAD]

 

Mit Beginn der warmen Jahreszeit hat auch die Grillsaison begonnen: Neben Fleisch oder Fisch liegt in Mitteldeutschland besonders häufig die traditionelle Rostbratwurst auf dem Grill. Doch das hat seinen Preis, wie Prof. Dr. Stefan Lorkowski von der Friedrich-Schiller-Universität Jena weiß. "Die Bratwurst ist wie die meisten anderen Wurstsorten besonders reich an Fett und enthält vor allem gesättigte Fettsäuren", warnt er. Das mache Wurst nicht nur zu einer Kalorienbombe. "In großen Mengen verzehrt, steigern gesättigte Fette das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen", so der Ernährungswissenschaftler. Bereits heute stellen Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Haupttodesursache in Deutschland und Europa dar, wobei die Fälle in Mitteldeutschland noch einmal deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt liegen.

Bei der Prävention dieser Erkrankungen kommt der Ernährung eine Schlüsselrolle zu. Um die Zusammenhänge zwischen Ernährung und kardiovaskulären Erkrankungen besser verstehen und neue Lebensmittel und Ernährungsstrategien entwickeln zu können, welche die Gesundheit der Bevölkerung langfristig verbessern, haben die drei mitteldeutschen Universitäten Jena, Halle und Leipzig einen Kompetenzcluster initiiert. Der Verbund mit dem Namen "nutriCARD" nimmt in diesem Monat seine Arbeit auf und wird in den kommenden sechs Jahren die Forschungsaktivitäten der drei Hochschulen in diesem Bereich bündeln und koordinieren. Zum Steuerungsgremium von nutriCARD gehören neben dem Koordinator Prof. Dr. Lorkowski von der Universität Jena noch Prof. Dr. Gabriele Stangl (Universität Halle-Wittenberg) und Prof. Dr. Peggy Braun (Universität Leipzig). Die nutriCARD-Forscher kooperieren zudem mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, regionalen Partnern der Lebensmittel- und Agrarwirtschaft sowie Multiplikatoren aus dem Bereich der Ernährungskommunikation. Der Cluster wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den ersten drei Jahren mit insgesamt knapp fünf Millionen Euro gefördert. Die Fördermaßnahme ist Teil eines Aktionsplans "Präventions- und Ernährungsforschung: Forschung für ein gesundes Leben" der Bundesregierung mit dem Ziel, die ernährungsrelevanten Kompetenzen von Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, sowie der Wirtschaft zusammenzuführen, um die Profilbildung und Entstehung von Synergien für exzellente, international wettbewerbsfähige Forschung zu unterstützen. Auf diese Weise sollen wissenschaftliche Erkenntnisse effektiver in die Praxis umgesetzt werden, um den Gesundheitsstatus der Bevölkerung in Deutschland zügiger zu verbessern.


Gesunde Alternative zur Bratwurst

"Wir werden gemeinsam an drei Säulen arbeiten", erläutert Prof. Braun, von der Universität Leipzig und Mitinitiatorin des Vorhabens. Die Entwicklung und Herstellung von traditionellen Lebensmitteln mit veränderter Rezeptur bildet die erste Säule. Durch den Austausch der herkömmlichen Varianten im täglichen Speiseplan soll die Herzgesundheit der Bevölkerung nachhaltig verbessert werden. "Dabei geht es sprichwörtlich um die Wurst", so Prof. Braun. Um etwa die traditionelle Thüringer Bratwurst "gesünder" zu machen, wollen die Forscher die enthaltenen tierischen Fette teilweise durch pflanzliches Eiweiß oder Ballaststoffe ersetzen, um dadurch den Energie- und Fettgehalt sowie den Anteil an gesättigtem Fett zu reduzieren. Schrittweise sei auch die Entwicklung verbesserter Milchprodukte, Backwaren, Snacks und Fertiggerichte geplant. Entscheidend ist hier vor allem, die verbesserten Produkte so zu entwickeln, dass sie geschmacklich mindestens ebenso gut wie das Original sind, damit der Verbraucher das Lebensmittel auch akzeptiert. Das sei eine lebensmitteltechnologische Herausforderung, sind sich die Clusterkoordinatoren einig.

Die zweite nutriCARD-Säule ist den Grundlagen und Mechanismen der Erkrankungsprozesse selbst gewidmet. Durch Untersuchungen an Zell- und Tiermodellen sowie in Studien am Menschen sollen die Zusammenhänge zwischen Ernährung, genetischen Faktoren und dem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgeklärt werden. Die dritte Säule beschäftigt sich mit der Entwicklung und Umsetzung von Kommunikations- und Bildungskonzepten, die langfristig zu einem gesunden Ernährungs- und Lebensstil beitragen. "Hier besteht besonders in Mitteldeutschland ein großer Bedarf", so Prof. Stangl von der Universität Halle und verweist auf statistische Daten, nach denen in Thüringen und Sachsen-Anhalt besonders viele Kinder mit Übergewicht leben, einem wichtigen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um diesem besorgniserregenden Zustand entgegen zu wirken, werden die Forscher im nutriCARD-Projekt u. a. Bildungsprogramme entwickeln, welche sich insbesondere an junge Familien und Kinder richten. Nach Prüfung der Konzepte hinsichtlich ihrer Wirksamkeit ist die Einführung in Kitas und Schulen geplant. In diesem Zusammenhang gehört auch die Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien zum Thema "Gesunde Ernährung" zu den Aufgaben von nutriCARD.

Die Förderung durch das BMBF stellt auch eine besondere Auszeichnung für die mitteldeutsche Ernährungsforschung dar, sind sich die Wissenschaftler aus dem Steuerungsgremium von nutriCARD einig. Zu einem von insgesamt nur vier geförderten Kompetenzclustern in Deutschland zu gehören, sei ein Beleg für das immense Potential, das die ernährungswissenschaftliche Forschung in Mitteldeutschland aufweist.

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Lorkowski
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 25, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949710
E-Mail:


 

Logo Weltoffene Hochschulen gegen Fremdenfeindlichkeit

Logo Total E-Quality Coimbragroup Partnerhochschule des Spitzensports