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Das Haustier mit dem Giftstachel

"Ein nachhaltiges Miteinander in Gefahr": Soziologe Stephan Lorenz veröffentlicht Buch über "Menschen und Bienen"
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30.06.2015
Die Honigbiene (Apis mellifera) wird als bedrohte Art wahrgenommen. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU Die Honigbiene (Apis mellifera) wird als bedrohte Art wahrgenommen.
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Als aggressive, angriffslustige Insekten in großer Zahl, die als Invasoren ihren Kontinent besiedelten und dabei Teile der heimischen Tierwelt ausrotten halfen. So erlebten die Indianer Nordamerikas den "Vogel des weißen Mannes": die Honigbiene (Apis mellifera). Die vermutlich mit den ersten europäischen Siedlern ins Land gelangten Bienen trugen dazu bei, die beiden einzigen rezenten Sitticharten Nordamerikas - den Karolina- und den Louisianasittich - auszurotten. Eine ähnliche Rolle spielten die Bienen in Australien, wo sie als invasive Art die einheimische Flora und Fauna durcheinanderbrachten.

Trotz dieser Facetten genießt die Honigbiene ein hohes Ansehen. "Die Honigbiene wird in erster Linie als bedrohte Art wahrgenommen", sagt der Soziologe Dr. Stephan Lorenz von der Universität Jena. Allgemein erfreuten sich Nachrichten über Bienen großer öffentlicher Resonanz, weil Mensch und Biene seit Jahrhunderten miteinander leben. Doch dieses Miteinander sei aktuell in Gefahr und die Nachrichten von einem Rückgang der Bienen mehren sich. Es gebe die Befürchtung, das Bienensterben sei Symptom einer tiefgehenden ökologischen Krise, die schon bald auf das Leben der Menschen durchschlägt, sagt Lorenz. Dabei seien die Ursachen des Bienensterbens noch nicht restlos geklärt. Umweltveränderungen, Insektizide und die Varroa-Milbe setzen den Bienenvölkern zu.

Der Wert der Bestäubungsleistung liegt bei über 150 Milliarden Euro

Stephan Lorenz erforscht das Verhältnis von Mensch und Biene in einem auf drei Jahre angelegten Projekt, das von der Volkswagenstiftung gefördert wird. Die Arbeit heißt "Bienensterben als Hyper Collapse Disorder? Prozedurale Verknüpfung von Gesellschafts- und Naturwissen." Erste Ergebnisse hat Lorenz jetzt gemeinsam mit Kerstin Stark (Universität Kassel) veröffentlicht. Das Buch trägt den Titel "Menschen und Bienen. Ein nachhaltiges Miteinander in Gefahr."

Der Mensch habe ein besonderes Verhältnis zur Biene, sagt Stephan Lorenz. Schon Aristoteles habe Menschen und Bienen als Zoon politicon bezeichnet, als soziale Wesen. Das faszinierende Zusammenleben der staatenbildenden Insekten sei als Gleichnis auf das menschliche Miteinander betrachtet worden. Wirtschaftlich interessant waren zunächst Honig und Wachs. Erst vor etwa 200 Jahren wurde die Bestäubungsleistung der Bienen erkannt. Berechnungen zufolge liegt der Wert der weltweiten Bestäubungsleistung heute bei 153 Milliarden Euro im Jahr. Doch die Bienengefährdungen bedrohen zugleich den Bestäubungsnutzen für die Landwirtschaft.

Im Buch von Lorenz und Stark werden die Facetten der Diskussion beleuchtet. Es kommen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen zu Wort, sogar Autoren aus Pflanzenschutz-Industrie und Naturschutz sind vertreten. Klar wird in dem Buch, dass es vielfältige Gefahren für die fleißigen Bestäuber gibt. Zugleich gibt es hoffnungsvolle Ansätze, etwa der Trend zur Stadtimkerei, der für einen neuen Umgang mit den Bienen steht.

"Wir versuchen eine Gesamtschau vielfältiger Aspekte in der Diskussion um die Gefahren für die Honigbiene aufzuzeigen", sagt Stephan Lorenz. Das garantiert eine spannende Lektüre.

Bibliographische Angaben: Stephan Lorenz, Kerstin Stark (Hg.): "Menschen und Bienen. Ein nachhaltiges Miteinander in Gefahr", oekom Verlag, München 2015, 242 Seiten, 29,95 Euro, ISBN: 978-3-86581-713-6

Kontakt:

Dr. Stephan Lorenz
Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945509
E-Mail:

 

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