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Erfolgreicher Policy Mix in Deutschland fördert technologische Innovationen bei der erneuerbaren Stromerzeugung

Mikroökonomen an Großprojekt beteiligt
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25.09.2015
Der von grünen Innovationen (im Bild ein Windpark) geprägte Wandel in Deutschland hat sich zuletzt etwas verlangsamt, hat ein Großprojekt mit Jenaer Beteiligung ermittelt. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU Der von grünen Innovationen (im Bild ein Windpark) geprägte Wandel in Deutschland hat sich zuletzt etwas verlangsamt, hat ein Großprojekt mit Jenaer Beteiligung ermittelt.
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Um den Anteil erneuerbarer Energietechnologien zu erhöhen und die Energiewende voranzutreiben, setzt die deutsche Politik auf einen "Policy Mix" aus ambitionierten Zielen und technologie-, nachfragefördernden sowie systemischen Maßnahmen. Die daraus resultierende Innovationswirkung wurde im Forschungsprojekt GRETCHEN vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) mbH untersucht. Die Ergebnisse des vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten Projekts, die jetzt in Berlin vorgestellt wurden, deuten auf einen rapiden technologischen Wandel bei der Stromerzeugung in den letzten Jahrzehnten hin. Eine Schlüsselrolle spielte hierbei die Konsistenz und Glaubwürdigkeit des Politik-Mixes. Allerdings hat sich der von grünen Innovationen geprägte Wandel in Deutschland zuletzt etwas verlangsamt.


Politik fördert Energiewende unterschiedlich

Vor dem Hintergrund der Energiewende und global ambitionierter Klimaziele liegt ein besonderer Fokus auf der Entwicklung neuer und der Verbesserung bestehender Energietechnologien. Diese sollen helfen, Ziele wie die Zwei-Grad-Vereinbarung oder einen Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien am deutschen Bruttostromverbrauch bis zum Jahr 2050 zu erreichen. In den letzten Jahren wurden zahlreiche politische Maßnahmen eingeleitet, um diese ehrgeizigen energie- und klimapolitischen Ziele zu bewältigen. Dazu zählen nachfragefördernde Instrumente wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), eine Technologieförderung wie im Rahmen von Energieforschungsprogrammen sowie systemische Maßnahmen wie Verbundforschungsprojekte, die unterschiedliche Akteure vernetzen und den Wissensaustausch fördern sollen.

Mit Blick auf das Zusammenspiel der unterschiedlichen politischen Maßnahmen hat das Fraunhofer ISI gemeinsam mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie der GWS Osnabrück im Projekt GRETCHEN die Innovationswirkungen des Policy Mixes für erneuerbare Energietechnologien in Deutschland untersucht. Die Analysen bezogen dabei sowohl die Unternehmensperspektive als auch die Industriestruktur, das deutsche Innovationssystem sowie gesamtwirtschaftliche Effekte und CO2-Emissionen mit ein. Auf Basis des im GRETCHEN-Projekt entwickelten Policy Mix-Ansatzes lässt sich das zur Umwandlung des Energiesystems erforderliche politische Maßnahmenbündel ganzheitlich erfassen und hinsichtlich seiner Innovationswirkung untersuchen.


Abschwächung der Dynamik im Photovoltaik-Bereich

Die Ergebnisse des GRETCHEN-Projekts zeigen, dass in den letzten Jahrzehnten in Deutschland bei den erneuerbaren Stromerzeugungstechnologien ein rasanter technologischer Fortschritt stattgefunden hat. Darauf deutet der starke Anstieg bei wissenschaftlichen Photovoltaik-Publikationen oder die Zunahme von Patentanmeldungen in den Bereichen Windkraft und Photovoltaik hin. Prof. Dr. Uwe Cantner von der Friedrich-Schiller-Universität Jena unterstreicht zudem: "Die Intensivierung des Wissensaustausches unter verschiedenen Akteuren des Innovationssystems sowie stark gesunkene Technologiekosten sind weitere Indizien für die positiven Innovationswirkungen des Policy Mixes". Hierdurch konnten deutsche Hersteller erneuerbarer Energietechnologien neue Exportmärkte erschließen, was der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Beschäftigung zugutekam. Allerdings deutet sich in Deutschland aktuell und besonders im Photovoltaik-Bereich eine Abschwächung der Dynamik an.

Die Analysen des Projektteams verdeutlichen, dass technologiefördernde, systemische und nachfragefördernde Instrumente jeweils einen deutlichen Einfluss auf den grünen Wandel bei den betrachteten Technologien haben. Die Untersuchung des Policy Mixes weist zudem nach, dass sich die verschiedenen Instrumente gegenseitig in ihrer positiven Innovationswirkung verstärken. Die GRETCHEN-Analysen deuten auf eine zentrale Rolle nachfragefördernder Maßnahmen im Instrumentenmix hin. In Abhängigkeit der technologiespezifischen Lernpotenziale können die resultierenden positiven Innovationswirkungen einen sich selbst verstärkenden Prozess aus Kostensenkung und Ausbau von erneuerbaren Energien in Gang setzen, der die momentanen Pfadabhängigkeiten im Energiesystem zu überwinden hilft. Dr. Karoline Rogge, die am Fraunhofer ISI das Projekt GRETCHEN koordinierte, hebt darüber hinaus die hohe Bedeutung der Glaubwürdigkeit der politischen Förderung als Innovationstreiber für grüne Stromerzeugungstechnologien hervor: "Unsere GRETCHEN-Befragung der in Deutschland ansässigen Technologiehersteller zeigt, dass die Glaubwürdigkeit des Policy Mixes eine entscheidende Rolle für die Innovationsausgaben der Unternehmen spielt."


Politik aufeinander abstimmen

Die am Projekt beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen, politische Instrumente zum Umbau des Energiesystems immer aufeinander abzustimmen und sie in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Der dabei entstehende Policy Mix sollte glaubwürdig und in sich möglichst konsistent sein - andernfalls kann dies zu Unsicherheit im Hinblick auf die künftige Marktentwicklung führen, was Investitionen behindert und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in diesen grünen Technologien gefährdet. Zur frühzeitigen Erkennung derartiger Entwicklungen kann ein Monitoring des deutschen Innovationsklimas für die Energiewende Abhilfe leisten und wichtige Hinweise geben. Dr. Christian Lutz von der GWS Osnabrück hat weitere Empfehlungen für die Politik, die aus den Ergebnissen des GRETCHEN-Projekts abgeleitet wurden: "Zum einen gilt es, im supranationalen Kontext die klima- und energiepolitischen Maßnahmen noch besser abzustimmen. Andererseits sollte die politische Diskussion zur Energiewende in Deutschland stärker die daraus resultierenden Vorteile wie Exportchancen, die Schaffung von Arbeitsplätzen oder die Stärkung des internationalen Klimaschutzes betonen".

Die Energie- und Innovationsexpertinnen und -experten der drei Forschungseinrichtungen empfehlen zudem, dass sich künftige Untersuchungen mit der Frage nach den Wirkungen des Policy Mixes auf den technologischen und strukturellen Wandel befassen sollten. Die hierdurch entstehende, größere Datenbasis ließe sich auch durch die Einbeziehung weiterer Länder und Technologiesektoren ausweiten, wofür spezifische quantitative und qualitative Forschungsmethoden weiterentwickelt und kombiniert werden müssen. Dabei gilt es auch zu klären, inwiefern die politischen Instrumente auf andere Länder übertragbar sind.

Kontakt (an der FSU):
Prof. Dr. Uwe Cantner / Martin Kalthaus
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Bachstraße 18k
07743 Jena
Tel.: 03641 / 943200 oder 943207
E-Mail: u / m

 

 

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