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Bilder als Ausgangspunkt für Klassengeschichte(n)

IWK an EU-Forschungsprojekt zur Schulqualität in international besetzten Klassen beteiligt
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17.08.2016
Dr. Luisa Conti leitet den Jenaer Teil des EU-Projekts SHARMED, das neue Lern- und Lehrerfahrungen in multikulturellen Klassenzimmern schaffen will. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU Dr. Luisa Conti leitet den Jenaer Teil des EU-Projekts SHARMED, das neue Lern- und Lehrerfahrungen in multikulturellen Klassenzimmern schaffen will.
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Wenn sich Kinder unterschiedlicher Nationalität in ihrer Schulklasse wohlfühlen, dann ist das ein Zeichen für die weltoffene Atmosphäre an den entsprechenden Schulen und die Integrationsleistungen der Lehrerinnen und Lehrer. Diese Tendenz gilt auf jeden Fall für die acht Klassen in Thüringen, die für ein länderübergreifendes Forschungsprojekt zur Schulqualität in gemischtsprachigen Klassen befragt worden sind. Im Rahmen des EU-Projekts SHARMED, das zu Jahresbeginn gestartet ist, hat Dr. Luisa Conti von der Friedrich-Schiller-Universität Jena jetzt erste Ergebnisse einer kleinen Befragung 7- bis 11-jähriger Schülerinnen und Schüler vorgelegt.


Zwischen Dialogbereitschaft und Misstrauen

Aus den fünf beteiligten Schulen in Tabarz, Bad Salzungen, Eisenach und Erfurt kamen genau 100 Fragebögen zurück. Ein Viertel der befragten Kinder war mehrsprachig. "Die Atmosphäre zwischen Klassenkameraden ist durch Vertrauen, Frieden und Freundschaft charakterisiert. Misstrauen, Wettbewerb und Gewalt sind die Faktoren, die den Schülerinnen und Schülern im Schulalltag am wenigsten gefallen", fasst Dr. Conti die Antworten zusammen. Die Beziehung zu den Lehrkräften wurde von den Befragten als positiv eingeschätzt und sie nehmen in den Klassen eine Offenheit für andere Meinungen wahr. Dialogbereitschaft und Spaß an der Zusammenarbeit scheinen die Faktoren zu sein, die das Wohlfühlen der Schulkinder am meisten beeinflussen. "Dies hebt die Wichtigkeit des Einsatzes von kollaborativen Methoden hervor, wodurch die Schülerinnen und Schüler voneinander und miteinander lernen." Bei aller Offenheit sprechen die Kinder allerdings "über persönliche Dinge am liebsten mit den eigenen Eltern, wenig mit den Klassenkameraden oder mit den Lehrern", sagt Conti und weist darauf hin, dass es dabei zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund keine Unterschiede gibt. Trotz der als offen wahrgenommenen Atmosphäre wird von der Hälfte der Kinder die Verständigung zwischen denen mit und ohne Migrationserfahrung als herausfordernd empfunden. "Hier besteht also ein Verbesserungspotenzial, welches durch den Einsatz dialogischer Methoden und Förderung interkultureller Kompetenz beseitigt werden könnte", vermutet die Jenaer Wissenschaftlerin. Allerdings, gibt sie zu bedenken, sind dies nur erste Tendenzen und keine repräsentativen Aussagen. Diese sollen erst im Verlauf der weiteren Untersuchungen gewonnen werden.


Geteilte Erinnerungen und Dialoge

Die erste Studie, die um weitere Befragungen in Thüringen und Sachsen-Anhalt sowie in den beiden Partnerländern ergänzt werden soll, ist Teil des von der EU-Kommission für Bildung, Audiovisuelles und Kultur für drei Jahre mit fast einer halben Million Euro geförderten Forschungsprojekts "Shared Memories and Dialogues" (SHARMED). Unter der Koordination der italienischen Universitäten Modena und Reggio Emilia sind die Universität Jena und die britische Universität Campus Suffolk beteiligt. Das Projekt will neue Lern- und Lehrerfahrungen in multikulturellen Klassenzimmern schaffen, um kulturelle Unterschiede angemessen zu thematisieren und einen interkulturellen Dialog zu fördern, um von den kulturellen Unterschieden profitieren zu können. Dazu sollen die Forschenden nicht nur Grundlagen untersuchen und passende Methoden entwickeln, sie sollen ihre Ergebnisse auch in die Praxis überführen und der Bildungspolitik nahebringen. Trainingsangebote für Lehrkräfte sind ebenso Teil dieses "Action+Research-Projects" wie die Entwicklung eines Methodenkoffers für dialogischen Unterricht, der den Lehrkräften zur Verfügung gestellt und dessen Nutzen evaluiert werden soll.

Die Jenaer Forscher aus dem Bereich der Interkulturellen Wirtschaftskommunikation (IWK) bringen zudem ihr profundes Know-how beim E- und Blended-Learning ein, denn die Projektergebnisse sollen u. a. in Online-Kurse für Lernaktivitäten sowie eine öffentliche Archivplattform für visuelle Medien münden. Wichtiger Bestandteil für das multikulturelle Lehren und Lernen sollen nämlich Fotos sein, die die Kinder mit in ihre 3. bis 6. Klassen bringen. Sie sollen den Anlass bilden für Erzählungen über sich und die eigene Familie - Bilder als Ausgangspunkt für Familien- und Klassengeschichte(n) und als Mittel für eine interkulturelle, dialogische Lehre.


Erstes Treffen in Jena

Um über ihre ersten Studien und Ergebnisse in den jeweiligen Ländern zu diskutieren, treffen sich die Wissenschaftler aus den drei Ländern ab dem 24. August erstmals in Jena. Sie werden während des Treffens außerdem an der Lehrerfortbildung weiterarbeiten, an der Thüringer Lehrkräfte sich erstmals am 4. November an der Friedrich-Schiller-Universität versammeln werden.

In Zeiten, in denen die Internationalität an den Schulen durch Migranten und geflüchtete Menschen permanent zunimmt, sieht Dr. Conti im SHARMED-Projekt auch "die Chance, Schulen zukunftsfähig zu machen, ohne dass der Spaß bei Lehrern oder Schülern auf der Strecke bleibt".

Kontakt:
Dr. Luisa Conti
Institut für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und Interkulturelle Studien der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944374
E-Mail: l



    

 

 

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