Schnelleinstieg Reader

Home|Suche|Friedolin|Webmail de

Wortmarke FSU

Vor fliegenden Keimen schützen

Materialwissenschaftler koordiniert großes Verbundforschungs- und Entwicklungsprojekt zum Umgang mit Erregern im Luftverkehr
PDF erstellen
ReadSpeaker
zurück | vor
14.02.2017
Prof. Dr. Klaus D. Jandt koordiniert das Projekt Foto: Jan-Peter Kasper/FSU Prof. Dr. Klaus D. Jandt koordiniert das Projekt "HyFly".
[DOWNLOAD]


Ein Husten hier, ein Schnaufen dort: Wartezimmer in Arztpraxen gehören - nicht nur im Winter - zu den Orten mit einer hohen Keimdichte. Überall, wo Menschen zusammenkommen und einige Zeit gemeinsam verbringen, besteht ein Risiko, sich mit Krankheitserregern anzustecken. Auch Bahnhöfe und Flughäfen gehören zu den Orten, von denen ein Gefährdungspotenzial ausgehen könnte.

Gerade mit den Flughäfen und dem Luftverkehr setzt sich ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt auseinander, das von der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Rahmen des Konsortiums InfectControl 2020 koordiniert wird. Die Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft wollen innerhalb von drei Jahren "effektive Strategien zur Kontrolle von und im Umgang mit Ausbreitungswegen von Erregern im Luftverkehr" entwickeln. InfectControl 2020 fördert das kurz "HyFly" genannte Projekt mit rund 2,6 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).


Treffpunkt für Erreger aus aller Welt

Auf Flughäfen und in Flugzeugen treffen nicht nur gesunde auf bereits erkrankte Menschen, auch Erreger aus allen Teilen der Welt sind dort zu finden und werden oftmals durch die Passagiere in andere Länder getragen - das war schon immer so. InfectControl 2020 führt Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen mit dem Ziel zusammen, Infektionen bereits am Ort der Entstehung wirkungsvoll zu verhindern. Das Projekt HyFly will nun aktive Prävention leisten und dazu beitragen, Infektionsketten im Flugverkehr zu verstehen und zu unterbrechen. "Vorbeugung mit den aktuellsten Erkenntnissen aus der Forschung ist das Ziel", erläutert Prof. Dr. Klaus D. Jandt von der Universität Jena. Der Materialwissenschaftler ist Koordinator des Verbundes und ergänzt: "Dank der Partner aus unterschiedlichen Branchen wird am Ende nicht nur ein Weißbuch vorliegen, um bei Flughäfen infektionsrelevante Punkte aus bau- und prozessplanerischer Sicht zu entschärfen. Sondern es werden auch Musterlösungen für neue Werkstoffe, z. B. mit einer deutlich reduzierten Keimhaftung vorliegen, und diese sollen später auch in den Handel kommen", erwartet Jandt.


Wenn Reinigung den Keimen die Besiedelung erleichtert

Der Materialwissenschaftler von der Universität Jena und sein Team werden untersuchen, welche Rolle Materialien und Materialoberflächen bei der Verbreitung von Infektionen im Luftverkehr spielen. Neben dem Verständnis für die Zusammenhänge zwischen mikrobieller Kontamination und den Materialeigenschaften ist es das Ziel, Lösungen zur Unterbrechung einer Infektionsverbreitung durch Materialien abzuleiten und umzusetzen. Eine besondere Herausforderung bei den Forschungen liegt darin, dass solche Materialoberflächen üblicherweise besonders häufig und intensiv gereinigt und desinfiziert werden. Diese Maßnahmen verändern auf Dauer aber die Eigenschaften der Materialoberfläche. "In dem Projekt soll untersucht werden, wie sich Veränderungen von Materialoberflächen in Folge von Reinigungsmaßnahmen auf die mikrobielle Besiedlungsneigung auswirken", sagt Prof. Jandt. Die Jenaer Materialexperten wollen als Alternative zu chemischen Desinfektionsverfahren die Behandlung mit Licht wie UV-Strahlung untersuchen, speziell die Effektivität von UV-LED als alternative Lichtquelle zu Quecksilber-Niederdruckmetalldampflampen.

Bei der Verbreitung von Infektionskrankheiten rund um den Globus sind auch die klimatischen Bedingungen äußerst wichtig. Welche Rolle das regionale Klima an den verschiedenen Flughafenstandorten sowie die globale Erwärmung spielen, untersuchen beispielsweise die am Projekt beteiligten Klimaforscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Bis 2019 will HyFly ein umfassendes Paket an neuen Entwicklungen und Maßnahmen geschnürt haben, um auf Keime, die eine relevante Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen könnten, im Luftverkehr angemessen reagieren zu können.

Die beteiligten Partner:
Am Projekt HyFly sind folgende Partner beteiligt: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie, Technische Universität Braunschweig, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Robert Koch-Institut, Schmuhl Faserverbundtechnik GmbH & Co. KG, Airport Service Gesellschaft mbH, Villeroy & Boch AG.

InfectControl 2020
InfectControl 2020 ist ein Konsortium aus Wirtschaftsunternehmen und akademischen Partnern, das gemeinsam auf nationaler ebenso wie auf globaler Ebene wirksame Medikamente gegen neue Krankheitserreger entwickelt. Gegründet wurde es im Rahmen der Fördermaßnahme "Zwanzig20 - Partnerschaft für Innovation" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), durch die es finanziell unterstützt wird. Mit InfectControl 2020 ist ein hochinnovativer Forschungsverbund etabliert worden, der grundlegend neue Strategien zur frühzeitigen Erkennung, Eindämmung und erfolgreichen Bekämpfung von Infektionskrankheiten sowohl entwickeln als auch kommerziell erfolgreich implementieren will.

Kontakt:
Prof. Dr. Klaus D. Jandt und PD Dr. Jörg Bossert
Otto-Schott-Institut für Materialforschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Löbdergraben 32
07743 Jena
Tel.:  03641 / 947730
E-Mail:

Logo Weltoffene Hochschulen gegen Fremdenfeindlichkeit

Logo Total E-Quality Coimbragroup Partnerhochschule des Spitzensports