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Prävention als Terrorismusbekämpfung

Psychologen wollen Radikalisierung von Jugendlichen verhindern
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03.05.2017
Der Foto: Jan-Peter Kasper/FSU Der "Islamische Staat" (IS) wirbt digital für seine radikalen Ziele – ein Psychologenteam der Uni Jena untersucht Radikalisierungsprozesse von Jugendlichen im digitalen Zeitalter, um wirkungsvolle Präventionsmethoden zu entwickeln.
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Wenn es um Terrorismusbekämpfung geht, wird häufig über die Ausstattung der Polizei oder über militärische Einsätze gesprochen. Doch will man nachhaltig gegen politisch oder religiös motivierte Straftaten vorgehen, dann muss man vor allem verhindern, dass die Täter sich in jungen Jahren radikalisieren. Deshalb entwickeln Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena in den kommenden drei Jahren Präventivmaßnahmen zur Radikalisierung von Jugendlichen. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojektes "Radikalisierung im digitalen Zeitalter" - kurz RadigZ - arbeiten sie dabei mit sieben weiteren Einrichtungen in Deutschland zusammen, organisiert vom Kriminologischen Forschungszentrum Niedersachsen e. V. Das Ministerium fördert das Vorhaben mit drei Millionen Euro, 350.000 Euro davon gehen nach Jena. 

"Prinzipiell gehen wir davon aus, dass Radikalisierungsprozesse sehr ähnlich verlaufen, egal ob es sich etwa um Rechtsextremismus oder religiösen Fanatismus handelt", sagt Prof. Dr. Andreas Beelmann, der das Projekt an der Universität Jena leitet. "Allerdings hat natürlich das Internet in den vergangenen Jahren die Situation noch einmal dramatisch verändert." Während Gleichgesinnte früher wesentlich mehr Aufwand betreiben mussten, um Kontakt zueinander aufzunehmen, sei das im digitalen Zeitalter wesentlich einfacher und zudem viel schwerer zu kontrollieren. Allerdings muss das nicht gleichzeitig bedeuten, dass sich Jugendliche häufiger radikalisieren. "Nach wie vor ist es eine große Minderheit einer Generation, bei der sich radikales Gedankengut auch in strafbaren Handlungen ausdrückt", sagt der Jenaer Experte.


Forschung zur Radikalisierung systematisch erfassen und auswerten

Gemeinsam mit den Psychologinnen Dr. Sara Jahnke und Clara Neudecker wird er in den kommenden Jahren die internationale und nationale Forschung zur Radikalisierung systematisch erfassen und auswerten. "Dabei schauen wir zunächst darauf, welche Entwicklungsfaktoren bei Heranwachsenden mit extremistischen Einstellungen und Handlungen korrelieren", erklärt Beelmann. "Dann nehmen wir die durchgeführten Gegenmaßnahmen unter die Lupe und untersuchen, wie wirksam sie letztendlich waren." Mit den Ergebnissen dieser Analysen wollen die Jenaer Psychologen neue wirkungsvolle Präventionsmethoden entwickeln, die dann in unterschiedlichen praktischen Kontexten (z. B. Schule, politische Bildung, Ausbildung von Fachkräften) eingesetzt werden können.


Radikalisierung als Möglichkeit, sich Anerkennung zu verschaffen

Andreas Beelmann hat sich vor einigen Jahren auf diese Weise bereits dem Thema Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen angenommen. "Dort sind in den letzten 30 Jahren deutliche Fortschritte erzielt worden", sagt er rückblickend. Auch bei der Radikalisierung von Heranwachsenden gelte es nun, systematisch die Erkenntnisse über die Ursachen von Radikalisierungsprozessen in die Gestaltung von Präventionsmaßnahmen einfließen zu lassen. Zudem sieht der Psychologe der Universität Jena bereits heute sozialpolitische Missstände, auf die die Wissenschaftler aufmerksam machen wollen. "So sind etwa Jugendliche ohne Schulabschluss und berufliche Perspektiven eine hoch gefährdete Gruppe, die in der Radikalisierung eine Möglichkeit sehen, sich die Anerkennung zu verschaffen, die ihnen an anderer Stelle versagt bleibt."

Durch das Projekt wird auch die wertvolle Arbeit des Zentrums für Rechtsextremismusforschung der Universität Jena um einen Schwerpunkt erweitert. Erst Anfang des Jahres hat das Land Thüringen seine Förderung für das Zentrum, das nun aufgrund der neuen Aufgaben und Ziele den Namen "Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration" trägt, verlängert und deutlich aufgestockt.

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Beelmann
Institut für Psychologie sowie
Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration (KomRex) der Universität Jena
Humboldtstraße 26, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945901
E-Mail:

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