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Wertvoller Schatz der Landschaftsgeschichte

Interdisziplinäres Forscherteam untersucht Region der Weißen Elster
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29.06.2017
Mit elektrischer Widerstandstomographie können im Untergrund verborgene Sedimentstrukturen sichtbar gemacht werden.
Foto: Mathias Ulrich/Uni Leipzig Mit elektrischer Widerstandstomographie können im Untergrund verborgene Sedimentstrukturen sichtbar gemacht werden.
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Ein Wissenschaftlerteam aus Leipzig und Jena untersucht in einem gemeinsamen, interdisziplinären Forschungsprojekt die Region der Weißen Elster und erhofft sich dadurch Rückschlüsse auf Überflutungen und andere klimatische Ereignisse in Mitteleuropa seit dem Ende der letzten Eiszeit. Das gerade angelaufene, dreijährige Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit über 600.000 Euro finanziert. Beteiligt sind Physische Geographen der Universität Leipzig, Archäologen und Historiker der Universitäten Leipzig und Jena sowie Geophysiker des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.

Das mitteleuropäische Klima war seit dem Ende der letzten Eiszeit, also seit circa 11.700 Jahren, sehr wechselhaft. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass Variationen der Sonnenaktivität, Vulkanausbrüche und der wandelnde Einfluss der sogenannten thermohalinen Zirkulation des Nordatlantiks immer wieder zu Kälteeinbrüchen in Mitteleuropa geführt haben. "Diese hatten nicht nur Auswirkungen auf die Temperatur, sondern vermutlich auch auf die Häufigkeit von Hochwassern", sagt Prof. Dr. Christoph Zielhofer, Physischer Geograph am Institut für Geographie der Universität Leipzig.

Dr. Hans von Suchodoletz, ebenfalls Physischer Geograph an der Universität Leipzig, geht eigenen Forschungen zufolge davon aus, dass gerade die Auenablagerungen der Weißen Elster neue Erkenntnisse zu Überflutungsphasen in Mitteleuropa zulassen. "Die Weiße Elster bietet eine seltene Kopplung von hoch aktivem Mittelgebirgsfluss und zahlreich vorhandenen, leicht erodierbaren Lößablagerungen, insbesondere zwischen Pegau und Gera. Dadurch sind Hochflutphasen in den Auenablagerungen besonders gut rekonstruierbar. Die durch den Menschen seit einigen Tausend Jahren verursachte Bodenerosion ist hingegen an Sedimenten und Bodenresten auf den angrenzenden Hängen erkennbar", erklärt der Experte. Die Umweltforscher und Archäologen vermuten daher, dass das Einzugsgebiet der Weißen Elster einen wertvollen Schatz der nacheiszeitlichen Landschafts- und Besiedlungsgeschichte hütet.


Wie der Mensch nacheiszeitliche Landschaftsgeschichte schrieb

Bereits in DDR-Zeiten wurde das Potenzial der Weißen Elster für die nacheiszeitliche Landschaftsgeschichte erkannt. Dies ging aus begleitenden Forschungen im Rahmen des Braunkohleabbaus hervor. Allerdings bieten die neuen Methoden und Arbeitsverfahren der Physischen Geographie, Archäologie und oberflächennahen Geophysik ganz neue Perspektiven. Deshalb rückt die Region der Weißen Elster nun verstärkt in den internationalen Fokus der nacheiszeitlichen Landschaftsgeschichte. Die betrifft auch die Lebenswelten unserer Vorfahren, denn nicht nur Klimaveränderungen, sondern natürlich auch der Mensch nehmen spätestens seit der Jungsteinzeit einen erkennbaren Einfluss auf die Entwicklung der Landschaft. Diesen Aspekt bearbeiten in den kommenden drei Jahren die Archäologen und Historiker Prof. Dr. Ulrich Veit von der Universität Leipzig sowie Prof. Dr. Peter Ettel, Dr. Lukas Werther und Dr. Pierre Fütterer von der Universität Jena. Die Archäologen der Universität Jena, die mit rd. 60.000 Euro gefördert werden, erforschen v. a. die Siedlungsentwicklung und Landnutzung der Frühgeschichte und des Mittelalters. "In dieser Periode erfuhr die Tallandschaft der Weißen Elster entscheidende Prägungen durch den Menschen", sagt Dr. Werther

"Der mitteldeutsche Raum und insbesondere auch das Einzugsgebiet der Weißen Elster sind aus archäologischer Sicht ein hochspannender Raum", sagt Prof. Veit. Und Prof. Ettel ergänzt: "Denn die Region war einerseits seit über 7.000 Jahren besiedelt, zeigte aber andererseits auch immer wieder Siedlungseinbrüche." Die Uni-Forscher erhalten dabei wissenschaftliche und administrative Unterstützung von den archäologischen Landesämtern Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens. Die Weiße Elster durchfließt alle drei Bundesländer.

Kontakt (an der FSU):
Prof. Dr. Peter Ettel, Dr. Lukas Werther, Dr. Pierre Fütterer
Institut für Orientalistik, Indogermanistik, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Jena
Löbdergraben 24 a
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944890 oder 944889
E-Mail: p, l, p


 

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