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Jenaer Sepsiszentrum geht in die 2. Runde

BMBF fördert Zentrum für Sepsis und Sepsisfolgen bis 2020 mit weiteren 24 Millionen Euro
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28.08.2015
Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum für Sepsis und Sepsisfolgen am Universitätsklinikum erhält weitere 24 Millionen Euro Förderung vom BMBF. Foto: M. Szabo/UKJ Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum für Sepsis und Sepsisfolgen am Universitätsklinikum erhält weitere 24 Millionen Euro Förderung vom BMBF.
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Die neuen Forschungsvorhaben des Center for Sepsis Control and Care am Universitätsklinikum Jena umfassen 21 Kernprojekte, die sich den Themen schwer behandelbare Infektionen, neue Behandlungsstrategien gegen lebensbedrohliche Infektionen und septisches Organversagen sowie den Langzeitfolgen und der Rehabilitation widmen. Daneben sieht das Programm den Ausbau der Forschungsinfrastruktur und die Fortführung der Karriereentwicklungsmaßnahmen für klinische Forscher vor. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum für weitere fünf Jahre mit 24 Millionen Euro.

Wegen der Sepsisforschung ist Sina Coldewey ans Universitätsklinikum Jena gekommen: Die Anästhesistin führt neben dem medizinischen einen naturwissenschaftlichen Doktortitel, sie arbeitet als Oberärztin an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin und leitet zusammen mit weiteren Wissenschaftlern ein Projekt im Center for Sepsis Control and Care (CSCC). "Mich haben die Forschungsmöglichkeiten zu Sepsis und Organversagen gereizt und die gute Vereinbarkeit von ärztlicher und wissenschaftlicher Tätigkeit", begründet Sina Coldewey ihren Wechsel nach Jena.  Sie ist damit ein guter Beleg für die erfolgreiche Arbeit des Zentrums, das vor fünf Jahren mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) am Jenaer Uniklinikum etabliert wurde.

"Das CSCC hat sich zu einem leistungsfähigen und international sichtbaren Forschungszentrum entwickelt, das wichtige Impulse für die Nachwuchsförderung in der klinischen Forschung und für neue Organisationsformen in der Hochschulmedizin setzt", betont Prof. Dr. Michael Bauer. Der Sprecher des CSCC kann auf eindrucksvolle Ergebnisse der vergangenen fünf Jahre verweisen. Von Abschlussarbeiten bis hin zu multizentrischen klinischen Studien realisierten die knapp 200 CSCC-Mitglieder rund 100 wissenschaftliche Projekte, deren Ergebnisse in 400 Fachartikeln veröffentlicht wurden und sogar zu zwei Ausgründungen führten. 

Interdisziplinäre Heimat für Sepsisforschung

Die Grundlage für diese Erfolge bildete das starke Forschungsnetzwerk im Bereich der Infektionsmedizin und klinischen Sepsisforschung an Universität, Klinikum und den Leibniz-Instituten in Jena, das um die Expertise auf den Gebieten Infektionsbiologie, Biophotonik und Nanomedizin erweitert wurde. Michael Bauer: "Das CSCC wird als interdisziplinäre Heimat für Sepsisforschung anerkannt." Neben der BMBF-Förderung der ersten Runde unterstützten die Medizinische Fakultät und der Freistaat das CSCC mit Infrastrukturmaßnahmen. "Das Zentrum für klinische Studien wurde erheblich ausgebaut, ebenso die Biobank", nennt CSCC-Geschäftsführerin PD Dr. Cornelia Platzer, "und neun Professuren wurden mit Blick auf das Zentrum geschaffen und besetzt." 

Die Professur für Klinische Epidemiologie hat seit knapp zwei Jahren André Scherag inne. Mit seiner Arbeitsgruppe bietet er methodische Unterstützung für die Projekte der im August gestarteten zweiten Förderphase, für die das BMBF erneut 24 Millionen Euro bereitstellt. "Als Core Unit sind wir beteiligt an Planung und Design von Studien und Experimenten, sowie an der statistischen Auswertung mit Methoden, die so oft nicht in Standardsoftwarelösungen enthalten sind", beschreibt André Scherag den Beitrag der Epidemiologie. Dazu kommt als eigenständiges Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Konrad Reinhart im CSCC der Aufbau einer Mitteldeutschen Sepsiskohorte als langfristig angelegte Beobachtungsstudie, die von der Klinik Bavaria Kreischa finanziell unterstützt wird. "Geplant ist, 3000 Patienten mit schwerer Sepsis und septischem Schock von der Intensivstation ausgehend über Jahre zu begleiten und systematisch nachzuuntersuchen. Diese Daten über die post-akute Phase sollen bessere Langfristprognosen und damit individualisierte Therapie und Rehabilitation ermöglichen."

4 Themen - 21 Projekte - 8 Studien

Das jetzt in Angriff genommene Forschungsprogramm des CSCC 2.0 gliedert sich in vier Bereiche: schwer behandelbare Infektionen, neue Strategien für antimikrobielle Therapien, gezieltes Vorgehen gegen Organversagen und Spätfolgen der Sepsis. Unter den 21 Kernprojekten sind allein acht klinische Studien. In einem der klinisch-experimentellen Projekte untersucht Sina Coldewey in einem Team von Wissenschaftlern und Ärzten die Schädigung der Blutgefäßwände, die durch die systemische Reaktion des Immunsystems auf eine Infektion verursacht wird. "Durch die geschädigten Gefäßwände kommt es zu einer erhöhten Durchlässigkeit und einer Flüssigkeitseinlagerung ins Gewebe. Dieser Prozess trägt maßgeblich dazu bei, dass die Organe beim septischen Schock nicht mehr ausreichend versorgt werden", erklärt die Ärztin die Störung der Gefäßbarriere. "Wenn es uns gelingt, diese Gefäßschäden frühzeitig festzustellen und ihre Entstehung weiter aufzuklären, können wir Strategien  entwickeln, welche die Barrierefunktion der Gefäßwände und damit auch die Organfunktion unserer Patienten verbessern könnten", so Sina Coldewey.

Das CSCC wird sich auch weiterhin der Karriereförderung von Nachwuchswissenschaftlern widmen: Die Mitglieder engagieren sich im Forschungszweig des reformierten Jenaer Medizinstudienganges, das Zentrum vergibt Promotions- und Reisestipendien sowie Rotationsstellen für forschende Kliniker und bietet ein Mentoring-Programm. Stolz verweist Cornelia Platzer auf die 2012 gestartete Doktorandenschule: "Zwei Drittel unserer Promovenden, sowohl Naturwissenschaftler als auch Mediziner, nehmen daran teil." Fortsetzen will das Zentrum auch die Beteiligung an Aktionen, die das öffentliche Bewusstsein für die Sepsis als eine Haupttodesursache und wesentlichen Kostenfaktor in der Medizin fördern - wie am Welt-Sepsis-Tag, dem 13. September. 

Ziel: Internationales Referenzzentrum

Die CSCC-Mitglieder sind in langfristige Verbundprojekte eingebunden, wie z.B. den Forschungscampus InfectoGnostics oder den Sonderforschungsbereich FungiNet. Insgesamt konnten sie zusätzlich über 34 Mio. Euro weiterer Drittmittel einwerben. Und die Planungen der Jenaer Sepsis-Forscher reichen über das Ende der zweiten CSCC-Förderphase hinaus: "Wir wollen uns zu einem internationalen Referenzzentrum für lebensbedrohliche Infektionen entwickeln, in dem der translationale Forschungsprozess vom Labor bis zum Krankenbett ebenso berücksichtigt werden soll wie unterschiedliche Interessengruppen, von Patienten bis zu Ärzten", beschreibt Michael Bauer das Ziel.

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Bauer
CSCC, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 / 9323110
E-Mail:

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