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Solveig Heinrich


Anglistik/Amerikanistik und Deutsch als Fremdsprache (Magister)

 

 

 

 

 

 

 

 

   




    Foto: privat

1990-1996

Studium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

1991/1992 Studium an der Anglia Polytechnic University in Cambridge/UK (davon drei Monate als Erasmus-Studentin)

1993 -3monatiges Praktikum am Goethe-Institut in Tunis

Thema der Magisterarbeit: "Die Realisierung von Höflichkeitsstrategien in Gesprächen von englischen Gesprächsteilnehmern unterschiedlicher sozialer Rangstufe (dargestellt anhand von Aufnahmegesprächen von Studienbewerbern)"

1996-1998





Lektorin an der Fakultät für Geistes- und Naturwissenschaften an der Universität Prešov/Slowakei
Stipendiatin der Robert-Bosch-Stiftung

Organisation des Internationalen Hochschulferienkurses für Germanistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (1996-2001)

1998-1999

Englischlehrerin an der Fachhochschule Nordhausen

Deutsch- und Englischlehrerin für japanische Studierende an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Mitarbeiterin im Thüringer Volkshochschulverband

Academic Assistant an der Open University Milton Keynes/UK (1998-2001)

März-Juli 1999 Englischlehrerin an der Fachhochschule Jena
1999-2004

Lektorin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an der Fakultät für Fremdsprachen der Nationalen Iwan-Franko-Universität Lwiw/Ukraine

2004-2005

Lehrerin an der Jack Hunt School Peterborough/UK
in Kooperation mit CILT (National Centre for Languages) London
 

seit 2005

Medienredakteurin (Redaktion Englisch) im Cornelsen-Verlag
 
 


 

Worin besteht Ihre derzeitige berufliche Tätigkeit?

Seit November 2005 arbeite ich als Medienredakteurin (Redaktion Englisch) in einem Schulbuchverlag. Mein Aufgabenbereich ist sehr vielfältig. Ich arbeite an der Konzeption neuer Softwareprodukte für das Fach Englisch für alle Schulformen. Ich betreue für den Verlag tätige Autoren und redigiere ihre Materialien. Dabei achte ich insbesondere auf didaktische Eignung, altersgerechte Angemessenheit und die Umsetzungsmöglichkeiten der Texte und Übungen am Computer. Ich bin zuständig für die Beauftragung von Grafikarbeiten und Tonaufnahmen. Als Medienredakteurin bin ich die Schnittstelle zwischen Autoren, Programmierern, Grafikern, Toningenieuren, Bildredakteuren und Parametrisierern (das sind diejenigen, die ein Content Management System nutzen, um alle verfügbaren Daten so einzugeben, dass der User dann auf dem Bildschirm ein Bild sieht, auf Klick einen Hörtext hört, ein Wort in eine Lücke eingibt und daraufhin ein entsprechendes positives oder negatives Feedback erhält).

 

Welche Kenntnisse und Fähigkeiten sind für diese Tätigkeit wichtig?

Besonders wichtig ist die Zusammenarbeit und Kommunikation mit den anderen Medienredakteuren, den Kollegen vom Print und den externen Mitarbeitern. Man muss sich also auf verschiedene Personen einstellen können. Diese Tätigkeit erfordert auch ein hohes Maß an Organisation und Koordination. Man muss in der Lage sein, Prioritäten bei den anstehenden Arbeiten zu setzen, gewissenhaft und schnell zu arbeiten. Flexibles Reagieren auf sich ändernde Gegebenheiten ist ebenso gefordert. Ein Großteil der Arbeit erfolgt am Computer, daher ist es wichtig, neuen Computerprogrammen gegenüber aufgeschlossen zu sein und sich in die Anwendung dieser schnell einzuarbeiten.

 

Welche für Ihren Beruf wichtigen Kompetenzen haben Sie wie erworben?

Im Studium habe ich in erster Linie die theoretischen Grundlagen, sozusagen das Rüstzeug, erworben. Doch die theoretischen Kenntnisse müssen mit praktischen Erfahrungen verbunden werden. Ich habe in verschiedenen Bereichen gearbeitet, um herauszufinden, welche Tätigkeit mir Freude bereitet und wie ich sie bewältige. Meine Fähigkeit zur Zusammenarbeit, Kommunikation und Koordination konnte ich sehr gut in Projekten erproben, insbesondere bei den Sommerkursen der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Open University. Wer mit Menschen arbeitet, muss offen sein und auf andere zugehen können. Das kann man sehr gut in solchen zeitlich begrenzten und zugleich überschaubaren Projekten herausfinden. Hier lernt man auch schnelles Agieren und Koordinieren. Man muss sich schnell mit den anderen im Team absprechen, da man es alleine nicht schafft.
Auch während meiner Auslandsaufenthalte in verschiedenen Kulturkreisen habe ich wichtige Kompetenzen erworben. Hier habe ich vor allem gelernt, Neues auszuprobieren. Obwohl meine Französischkenntnisse nicht sehr gut waren, habe ich mir zugetraut, im Rahmen einer referendariatsähnlichen Ausbildung in Großbritannien, diese Sprache zu unterrichten. Parallel habe ich an der Verbesserung meiner Sprachkenntnisse gearbeitet.
Bis zu meiner Tätigkeit in Großbritannien nutzte ich den Computer meist nur für das Internet, den E-Mail-Verkehr und die Textverarbeitung. Wie der Einsatz des Computers im Unterricht erfolgen kann, lernte ich ebenfalls als Lehrerin in der Schule. Es ist offensichtlich, dass dies mir den Weg zu meiner jetzigen Tätigkeit als Medienredakteurin ebnete.
Acht Jahre arbeitete ich im universitären Bereich. Manche betrachteten meine sich anschließende Ausbildung an der Schule als Rückschritt. Es ist gut möglich, dass es ein Schritt zurück war, doch nach dem Jahr hatte ich zehn Schritte nach vorn gemacht.

 

Welche Motivationen haben Ihre Studien- bzw. Berufswahl bestimmt?

Nur durch die Praxis erfährt man, ob man für eine bestimmte Tätigkeit geeignet ist. Auf jeden Fall sollte einem die Arbeit Spaß bringen. Meine Studienwahl wurde von meinem Wunsch getragen, dass ich unbedingt einmal eine gewisse Zeit in verschiedenen Ländern leben und arbeiten wollte.
Für mich war das Schönste in der Lehrtätigkeit zu spüren, dass ich mein Wissen an Jüngere weitergebe. Es war für mich ein unbeschreibliches Gefühl, mir vorzustellen, dass die Lernenden ihr Wissen und Können durch mich erworben haben. Ich fand es auch immer spannend zu sehen, wie die Lernenden auf den von mir geplanten Unterricht reagierten.
Da ich leistungsstarke und – schwache Schüler und Studenten unterrichtete und Veranstaltungen für osteuropäische Lehrkräfte durchführte, habe ich zahlreiche Erfahrungen sammeln können, die mir bei meiner jetzigen Tätigkeit nutzen: Wie muss Material für schwächere Schüler aufbereitet werden? Wie können starke Schüler durch forderndes Material motiviert werden? Welche Vorstellungen haben Lehrer?

 

Was raten Sie Studierenden Ihres Fachs bzw. Ihrer Fächer?

Wenn man Deutsch als Fremdsprache studiert, ist es nahe liegend, eine gewisse Zeit im Ausland zu arbeiten. Was bedeutet das? Die Vorstellungen darüber sind oft romantisch, der Alltag im Ausland ist es nicht unbedingt. Freunde, Familie, die gewohnte Umgebung werden nicht mehr greifbar sein. Man muss sich durchbeißen, nicht bei den ersten Schwierigkeiten den Rückzug antreten. Ob man es für längere Zeit (allein) im Ausland aushält, sollte man durch kürzere und längere Auslandsaufenthalte während der Studienzeit ausprobieren.
Wichtig ist es auch, sich zu überlegen, wohin bestimmte Entscheidungen führen. Arbeite ich abends in einer Kneipe, wo ich mehr verdiene, als wenn ich einen Job als studentische Hilfskraft annehme? Auch wenn der Kneipenjob zunächst lukrativer erscheint, mag sich letzteres auf lange Sicht als wegweisend herausstellen.
Auf jeden Fall muss man sich als Student ausprobieren: verschiedene Aufgaben übernehmen, sich etwas Neues zutrauen, bei Bedarf nachfragen, engagiert und interessiert auftreten.
Es ist ratsam, auch eine auf den ersten Blick uninteressant erscheinende Aufgabe anzunehmen. Vielleicht ist sie doch spannender, als man am Anfang vermutete oder beim nächsten Mal bekommt man genau den Auftrag, den man sich gewünscht hat, weil man sich beim ersten Mal bewährt hat. Doch wenn man immer zum Kopieren abkommandiert wird, ist etwas schiefgelaufen. Da sollte man schon mal das Interesse an anderen Tätigkeiten äußern.
Hat man ein Praktikum absolviert oder eine Zeit in einem Projekt mitgewirkt, so sollte man auch nach Beendigung der Tätigkeit Kontakt halten. Es ist gut möglich, dass sich so ein Folgeauftrag entwickelt.
Insgesamt sind Kontakte wichtig. Studenten anderer Fachrichtungen können genauso gut Anregungen geben wie Personen, die bereits im Arbeitsleben stehen. Man sollte sich daher an Personen orientieren, die einen weiterbringen. Also nicht immer mit den Kommilitonen im Café abhängen, sondern schauen und darüber austauschen, wie sich andere engagieren, einen Bereich für sich entdecken und sich dann austesten. Doch Kontakte sollten nicht nach dem Schema gepflegt werden, dass man überlegt, was die Bekanntschaft zu X oder Y nützt. Ein ehrliches Interesse an der Person muss schon vorhanden sein.

 

Ich würde wieder nach Jena gehen, weil ...

Jena eine schöne Stadt ist. Es gibt in und um Jena genügend Möglichkeiten, um sich vom Studienalltag zu erholen und neue Kraft zu schöpfen. Jena hat die richtige Größe, um andere Studenten kennen zu lernen. Man sieht sich immer mal in der Bibliothek, in der Stadt und in der Mensa. Die Mensen in Jena sind sehr gut: Das Essen schmeckt und das Ambiente ist freundlich.
Die Ausstattung in Bibliothek und Computerräumen ist sehr gut. Helle Arbeitsplätze in modernen Gebäuden. Leider kann ich nicht so überzeugt von Jena als Studienort sprechen, da sich die Situation in den Instituten in den vergangenen 10 Jahren verändert hat. Als ich 1990 mein Studium aufnahm, kannten die Lehrkräfte alle Studenten mit ihrem Namen, man musste nicht mehrere Semester warten, um einen Platz in einem bestimmten Seminar zu ergattern. Die Lehrveranstaltungen ermöglichten ein Gespräch zwischen Studenten und Lehrenden. Dies scheint mir heute nicht mehr gegeben zu sein, da die Zahl der Studenten in den Geisteswissenschaften in den letzten Jahren sehr stark angestiegen ist.

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