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Jubiläum 1907-2007


"wissen MACHT unabhängig" - 100 JAHRE FRAUENSTUDIUM IN JENA

Programmheft

 

"Schützt das Weib gegen den Intellectualismus!"

(Dr. Dr. Paul Julius Möbius, 1903)

Mit derlei markigen Worten, die aus seinem Traktat "Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes" stammen, vertrat der zuletzt in Leipzig lehrende Neurophysiologe Paul Möbius seine Ablehnung gegenüber der Zulassung von Frauen zu höheren Schulen oder gar Universitäten. Ungeachtet allen wissenschaftlichen Fortschritts zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand Möbius damit nicht allein - galten doch zahlreichen konservativen Kollegen die Ergebnisse seiner (heute geradezu albern anmutenden) Gehirngewichtsvergleiche als letzter Beweis der intellektuellen Unterlegenheit der Frauen.

So bedurfte es dann nicht nur der Einsicht, daß die Intelligenz eines Menschen nicht mit dem individuellen Gewicht seiner Hirnmasse steht und fällt, sondern auch des hartnäckigen Engagements liberaler Politiker, und letztlich - wieder einmal - der Frauen selbst, ehe 1907 diese Hürde fiel. Seit nunmehr 100 Jahren also können Frauen offiziell an unserer Universität als Studentinnen immatrikuliert werden.

Dieses Jubiläum feierte die Friedrich-Schiller-Universität Jena im Wintersemester dieses Jahres unter dem Titel "wissen - MACHT - unabhängig" mit einem mehrwöchigen Zyklus von verschiedenen Veranstaltungen, die zugleich den Auftakt zum 450jährigen Universitätsjubiläum im Jahre 2008 markierten. Dabei sollte nicht allein die historische Entwicklung der letzten 100 Jahre beleuchtet, sondern vor allem die öffentliche Wahrnehmung der Frauen in der Wissenschaft und an unserer Universität verstärkt werden.

Wir verstanden die geplanten Aktivitäten zudem als einen Beitrag zum Europäischen Jahr der Chancengleichheit, und zum Jahr der Geisteswissenschaften. So bot sich die dankenswerte Möglichkeit, Studierende in die Vorbereitungen einzubeziehen und damit eine höhere Sensibilisierung für Geschlechterfragen innerhalb der Hochschule zu erreichen.

Weiterhin wurden im Rahmen des Studium Generale sowie des Seniorenkollegs Vorträge angeboten, die sich an ein breites Publikum wandten und zu generellen Aspekten des Frau- und Mannseins sowie den gesellschaftlichen Folgen informierten.

Neben unterschiedlichen Fachvorträgen sollte das Jubiläum durch verschiedene Ausstellungen, Podiumsdiskussionen mit angegliedertem Forschungskolloquium, einer Lesung sowie Filmvorführungen gewürdigt werden. Diverse kulturelle Aktivitäten und themenbezogene Aktionskunst rundeten hierbei die Feierlichkeiten ab. Nähere Informationen dazu bietet Ihnen das hier vorliegende Programmheft.

 

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