Analyse der Textvarianz und ihrer Kontrolle in den Handschriften
Laufzeit: Oktober 2008 bis September 2011
Dieses Projekt ist Bestandteil der DFG-Forschergruppe "Manuskriptkulturen in Asien und Afrika" (http://www.manuscript-cultures.uni-hamburg.de/), welche an den Universitäten Hamburg und Jena angesiedelt ist. Innerhalb dieser Forschergruppe sind Handschriftenkulturen zwischen Japan im Osten und Äthiopien im Südwesten Gegenstand der Untersuchung.
Das Jenaer arabistisch-islamwissenschaftliche Teilprojekt ist dem Phänomen gewidmet, daß in verschiedenen Abschriften ein und des gleichen Textes Umfang und Wortlaut oft stark abweichen. Der Forschungsstand zum Thema der Textvarianz steht erst in den Anfängen. Ein erster und sehr fundierter Beitrag dazu ist Adam Gaceks 2007 erschienener Beitrag "Taxonomy of scribal errors and corrections in Arabic manuscripts", in dem eingangs festgestellt wird: "Unfortunately, there exists as yet no systematic study of scribal errors and corrections in Arabic manuscripts, while the information on this subjects is scanty and dispersed throughout various works dating from the manuscript age to the contemporary era." Seinen Aufsatz versteht er als "preliminary survey", und ein Ziel des Teilprojektes soll es sein, für eine bestimmte, häufig kopierte Textgattung ohne Festlegung auf Ort und Zeit der Abschriften Gaceks Beobachtungen zu erweitern.
Geschehen soll dies anhand von Abschriften einer eigenen Gattung, arabischen Lehr- und Mustergedichte von vergleichsweise überschaubarer Länge. Diese Abschriften sollen auf Umfang und Ursachen von Textvarianz sowie die in den Manuskripten erkennbaren Mittel zur Kontrolle von Varianz untersucht werden. Der spezifische Charakter dieser Texte - für breitere Kreise bestimmte Wissenssummen von oft kurzem Umfang in Versform - hat für eine hohe Zahl von Abschriften gesorgt, was dann eine erhöhte "Mutationshäufigkeit" zur Folge hatte. Untersucht werden sollen unter anderem folgende Texte von Ibn Zuraiq (st. um 1029 n. Chr.), ash-Shatibi (st. 1194), al-Ushi (st. nach 1173), Ibn al-Wardi (st. 1349), Ibn al-Jazari (st. 1429) und al-Laqani (st. 1631).
Nutznießer sollen auch künftige Editoren sowie Benutzer von kritischen Apparaten und Handschriften sein, die im Normalfall gute Kenntnisse auf inhaltlichem Gebiet mitbringen, sich aber über den möglichen Umfang von Varianz und die Methoden ihrer Kontrolle im Medium Handschrift selbst erst mühsam orientieren müssen. Über dieses praxisorientierte Ziel hinaus soll allgemein für einen bestimmten Ausschnitt aus dem arabischen Schrifttum systematisch untersucht werden, welches Ausmaß an Textstabilität einerseits und an Veränderung der verschiedensten Art andererseits durch das Medium (ggf. unter Einbeziehung mündlicher Überlieferung) ermöglicht wurden.
Verantwortlich: Prof. Dr. Tilman Seidensticker (tilman.seidensticker[at]uni-jena.de)
Bearbeiter: PD Dr. Florian Sobieroj (x8sofl[at]uni-jena.de)