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Wie Erwachsene ins Leben finden

Psychologen können Langzeitstudie zur Persönlichkeitsbildung fortsetzen
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28.07.2010

 

Schule, Ausbildung, Beruf, Hochzeit, Kinder, Haus, Baum! Was vor 50 Jahren als idealer Lebensentwurf galt, wird zwar heute immer noch angestrebt, durch vielfältige gesellschaftliche Veränderungen ist der Weg dort­hin jedoch unwägbarer und vielgestaltiger geworden. Die Persönlichkeit des Ein­zelnen nimmt beim Erwachsenwerden daher eine zunehmend entschei­den­de­re Rolle ein.

Um herauszufinden, wie junge Erwachsene heute ins Leben finden, begleitet der Psychologe Prof. Dr. Franz J. Neyer von der Friedrich-Schiller-Universität Je­na etwa 650 von ihnen während einer Langzeitstudie. Sie begann 1995, als die Teilnehmer etwa 24 Jahre alt waren, und kann jetzt fortgesetzt werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt das Projekt für die nächsten zwei Jahre mit 85.000 Euro. "Im Mittelpunkt unserer gesamten Untersuchung steht der Zusammenhang zwischen Persön­lichkeits- und Beziehungs­entwick­lung", erklärt Prof. Neyer. "Denn in keinem anderen Lebensabschnitt finden so starke Persönlichkeitsveränderungen statt."


Was sind die wichtigen Ziele in meinem Le­ben?

Nach Befragungen 1995, 1999 und 2003 wollen die Forscher nun herausfinden, wie sich die Persönlichkeit während des Übergangs zum mittleren Lebensalter ver­ändert. "Spannend an dieser Phase ist, dass sich das Leben vieler Perso­nen erst mit Anfang 40 langsam konsolidiert hat", erklärt der Jenaer Psycho­lo­ge. "Sie haben beruflich Fuß gefasst, Familien gegründet und sich auch örtlich eingerichtet. Im Vergleich zu früheren Generationen beginnt diese Phase inzwi­schen spät." Bereits am Beginn dieses fünften Lebensjahrzehnts stellen sich die meisten Menschen die Frage: Was sind die wichtigen Ziele in meinem Le­ben? Welches Wissen und welche Fähigkeiten habe ich, die auch meinen Kin­dern von Nutzen sein können?

Einige der Befragten werden jedoch freiwillig oder unfreiwillig einen anderen Weg gegangen sein als die Personen mit Familie, haben erste Lebenskrisen - etwa durch Trennungen oder Arbeitslosigkeit - hinter sich. "Uns interessiert be­sonders, was aus den Partner­beziehungen geworden ist", nennt Neyer einen Schwerpunkt der neuen Studie. "Die Erfahrung hat uns beispielsweise gezeigt, dass die erste Liebesbeziehung ein wichtiger Schritt beim Erwachsenwerden ist. Menschen, die diese in jungen Jahren nicht erlebt haben, fehlt ein aus­schlag­gebender Teil im Reifeprozess." Auch das soziale Netz nehmen die Psy­chologen der Universität Jena genauer unter die Lupe. So können sie bestä­ti­gen, dass mit zunehmendem Alter die Verbindun­gen zu Familie und Freunden immer intensiver werden, während oberflächlichere Beziehungen an den Rand treten.

Mit der repräsentativen Längsschnittstudie können die Forscher um Professor Neyer auch Schlussfolgerungen auf unsere Gesellschaft ziehen: "Individuelle Ent­wicklungsverläufe sind vielfältiger geworden. Die Persönlichkeit hat deshalb einen viel stärkeren Einfluss auf die Gestaltung des eigenen Lebens", erklärt der Psychologe. "Normative Rahmenbedingungen, die das Leben der El­terngeneration noch flankierten, sind bei unseren jungen Erwachsenen weni­ger stark vorgegeben." Deshalb werde auch die Persön­lich­keits­psychologie für die Untersuchung des sozialen Wandels - ein Schwerpunktthema der Jenaer Universität - in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Kontakt:
Prof. Dr. Franz J. Neyer
Institut für Psychologie der Universität Jena
Humboldtstraße 11, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945160
E-Mail:

 

Meldung vom: 2010-07-28 09:27
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