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Deutsch lernen am Hindukusch

Auslandsgermanisten der Universität Jena vertiefen Kooperation mit Afghanistan
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15.12.2015

Das Institut für Auslandsgermanistik und Interkulturelle Wirtschaftskommunikation der Universität Jena unterstützt die Universität in Kabul beim Deutschunterricht für afghanische Studierende. Der Deutsche Akademische Austauschdienst finanziert das auf zwei Jahre angelegte Projekt im Rahmen des Programms "Afghan Ownership" mit gut 500.000 Euro.

"Das ist das größte internationale Projekt an unserem Institut", sagt Prof. Dr. Hermann Funk. Der Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik und Methodik Deutsch als Fremd- und Zweitsprache hat aktuell drei Besucher aus Afghanistan zu Gast, um Einzelheiten des Projekts abzustimmen.

Sorgen bereitet den Wissenschaftlern die Sicherheitslage in Afghanistan. Aktuell besteht eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, das heißt, die deutschen Wissenschaftler können nicht nach Afghanistan reisen. Bernd Helmbold, der das Projekt auf Jenaer Seite koordiniert, hat deshalb eine Drittstaatenlösung initiiert: Für Fortbildungen und direkte Absprachen treffen sich die Teilnehmer im indischen Mumbai.

"Wir bilden vorrangig Lehrkräfte aus, die in Afghanistan Deutsch unterrichten", sagt Bernd Helmbold. Regelmäßige Fortbildungen vor allem in Didaktik und Methodik seien dafür unverzichtbar. Es gebe bereits positive Signale für eine Zusammenarbeit mit Universitäten in Indien und dem Goethe-Institut in Mumbai.

Das Interesse an der deutschen Sprache sei in seiner Heimat groß, sagt Dr. Aslam M. Nassimi, der Dekan für Sprache und Literatur an der Universität Kabul. Es gebe sehr viele Studenten, die als Deutschlehrer ausgebildet werden oder die später als Dolmetscher arbeiten wollen.

Prof. Golamdastgir Behbud, der die Deutsch-Abteilung in Kabul leitet, spricht sogar von hunderten Studierenden aus anderen Fachrichtungen, die sich für Deutsch als Zweit- oder Drittsprache interessieren. Übrigens nicht nur in Kabul: Die Projektmitarbeiter lehren Deutsch auch in den Provinzen des Landes, z. B. in Kundus und Masar-e-Sharif.

Die Begeisterung für die deutsche Sprache hat eine lange Tradition in Afghanistan: Bereits 1924 wurde in Kabul eine deutsche Schule gegründet. Die Deutsch-Abteilung der Universität in der afghanischen Hauptstadt besteht auch schon seit 1961.

Das Projekt der Auslandsgermanisten der Universität Jena ist Teil des  Stabilitätspakts, den die Bundesrepublik mit Afghanistan geschlossen hat. Doch dass Stabilität in dem Land am Hindukusch noch immer ein Fremdwort ist, verdeutlicht Hamid M. Zia, der in Jena seinen Master in Deutsch als Fremdsprache gemacht hat. "Seitdem ich denken kann, gibt es in meiner Heimat Krieg", sagt der 30-jährige Afghane, der das Projekt in Kabul koordiniert. Aber trotz der Einschränkungen gehe das Leben weiter. Die Kooperation zwischen Kabul und Jena soll ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Normalität werden. Ein Zeichen der Hoffnung. 

Kontakt:

Prof. Dr. Hermann Funk
Institut für Auslandsgermanistik und Interkulturelle Wirtschaftskommunikation  der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944368
E-Mail:   

Meldung vom: 2015-12-15 14:14

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