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Die Romantik als „Selbstbedienungsladen“

FSU-Wissenschaftler veröffentlichen Buch über die „politische Romantik“
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16.12.2015

 

War die Romantik im Kern reaktionär? Oder doch eher progressiv-revolutionär? Antworten auf Fragen wie diese versuchen Autoren verschiedener Wissenschaftsdisziplinen in einem neuen Buch zu geben. Im Fokus der Überlegungen steht dabei die politische Romantik.

"Wir brauchen wieder einen an wissenschaftlichen Kriterien ausgerichteten Blick auf das Phänomen Romantik", sagt Prof. Dr. Walter Pauly von der Universität Jena, einer der Herausgeber des Buches "Staat, Nation und Europa in der politischen Romantik". Der Rechtswissenschaftler nennt die Romantik eine Art Selbstbedienungsladen, aus dem sich ein jeder nimmt, was ihm gerade gefällt.

Prof. Dr. Klaus Ries, der zweite Herausgeber des Buches, spricht von den zähen Schichten der Rezeption, die es abzuschälen gelte. "Spannend ist die enorme Heterogenität der Romantik", sagt der Historiker. In der Gesamtheit sei die Romantik daher kaum greifbar, es gelte vielmehr, Denkfiguren als Idealtypen herauszufiltern. Dabei, so Ries, gebe es den "beunruhigenden Befund", dass einige dieser Denkfiguren der Romantik in der frühen sozialistischen Bewegung ebenso attraktiv waren wie sie später anschlussfähig für konservative Denker am Ende des 19. Jahrhunderts wurden.


Die Romantik europäisch betrachten

Den Begriff der "politischen Romantik" prägte 1919 der Staatsrechtler Carl Schmitt. Prof. Pauly konstatiert, dass es Schmitt vornehmlich darum gegangen sei, aus der Romantik stammende liberale Denkansätze zu diskreditieren. Dennoch sei Schmitt im gewissen Sinne ein "Ordnungsromantiker" geblieben.

In seinem Beitrag im Buch betrachtet der Leipziger Germanist Ludwig Stockinger die Romantik als zur Aufklärung komplementäres Phänomen. Für ihn fallen späte Aufklärung und Frühromantik in eins. Prof. Dr. Achim Seifert von der Universität Jena findet liberale, progressive Vorstellungen in den Schriften von Novalis und Friedrich Schlegel. Seinen Beitrag hat er bezeichnenderweise "Die Entdeckung Europas durch die deutsche Romantik" überschrieben.

Klaus Ries sagt, die Romantik sei ja keineswegs ein deutsches Phänomen, sondern müsse europäisch betrachtet werden. Dabei gelte es, nicht nur die "üblichen Verdächtigen" in den Blick zu nehmen, sondern das Blickfeld zu weiten. Walter Pauly spricht von "Schätzen", die noch gehoben werden können. Einige der ersten Funde sind im neuen Buch versammelt.  

Bibliographische Angaben:
Walter Pauly, Klaus Ries (Hg.): "Staat, Nation und Europa in der politischen Romantik", Nomos Verlag, Baden-Baden 2015, 321 Seiten, 49 Euro, ISBN: 978-3-8487-1546-6

Kontakt:
Prof. Dr. Walter Pauly
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 942230
E-Mail:

Prof. Dr. Klaus Ries
Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 13, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944430
E-Mail:

    

 

 

Meldung vom: 2015-12-16 11:30

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