Friedrich-Schiller-Universität Jena - PM120123_Papiernekuesse
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"Papierne Küsse" in Jena

Lesung mit Karin König am 25. Januar über eine Ost-West-Beziehung

 

Am 7. Oktober 1949 bildete sich aus der sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Demokratische Republik. Bereits im Mai des Jahres war die Bundesrepublik gegründet worden. Mit dem Bau der Mauer in Berlin im August 1961 war die Teilung Deutschlands endgültig besiegelt. Zurück blieben die Menschen, die im Schatten der Mauer leben mussten. So wie Ingeborg König.1943 geboren, lebte sie in den 1960er Jahren in Jena und studierte Germanistik. Ihr Geliebter Traugott wohnte - unerreichbar - in West-Berlin.

Die Geschichtswerkstatt Jena e. V., der Lese-Zeichen e. V. und das Institut für Germanistische Literaturwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena wollen am Mittwoch (25. Januar) einen Einblick in das Leben der Studentenstadt Jena zur Zeit der DDR geben. Die Erziehungswissenschaftlerin Karin König, die am Hamburger Institut für Sozialforschung arbeitet, wird dazu aus dem von ihr editierten Briefband "Papierne Küsse - Eine tragische Ost-West-Beziehung" (2011) lesen.


Jenaer Studentin schrieb an den Geliebten in West-Berlin

"Es handelt sich dabei um die Geschichte der Jenaer Studentin Ingeborg König, die zwischen 1962 und 1965 Briefe an ihren Geliebten in West-Berlin geschrieben hat", sagt Dr. Peter Braun. "Die Autorin hatte 1991 nach dem Tod ihres Mannes Traugott König diese Briefe in seinem Kleiderschrank in einer Blechdose gefunden", so der Leiter des Schreibzentrums der Universität Jena weiter, der die Veranstaltung moderieren und mit Zeitzeugen ins Gespräch kommen wird. Gefördert wird die Lesung von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und richtet sich an Studierende, Lehrende und die interessierte Öffentlichkeit.

Dass die Briefe Ingeborg Königs mehr sind als ein paar Liebesbekenntnisse, sondern einen authentischen Zeitspiegel der Jenaer Verhältnisse für Studierende in den 1960er Jahren darstellen, weiß Braun: "Ihre Briefe geben die Zeitgeschichte und das sich darin abspielende Studentenleben wieder. Sie machen deutlich, welche Atmosphäre herrschte und welche Bücher sie lesen musste und welche sie gerne gelesen hätte." Darüber hinaus schreibt Ingeborg König über den unerträglichen Unterricht in Marxismus-Leninismus und charakterisiert ihren Professor Joachim Müller, den die Studentin besonders verehrte.


Zeitzeuge berichtet über Lernziele der Germanistik

Ein ehemaliger Assistent des Instituts ist Martin Straub. Er wird als Zeitzeuge darüber erzählen, welche Lernziele die Lehrpläne in der Germanistik vorsahen, wie Prüfungsleistungen abgelegt wurden, wie Autoren und Texte ausgewählt wurden und welche Rolle die Ideologie innerhalb der Germanistik spielte. Denn die Menschen waren den politisch-ideologischen Ansprüchen der DDR ausgesetzt, die bis ins Privatleben hineinwirkten.

Braun betont, dass es sich bei der Veranstaltung um keine Fachdiskussion handelt. Es werden zwar Einblicke in die Jenaer Germanistik gegeben, aber auch die Stadt- und DDR-Geschichte und das damals geteilte und heute wiedervereinigte Deutschland solle zum Vorschein kommen.

Veranstaltungshinweis:
Die Veranstaltung beginnt um 20.00 Uhr im Hörsaal 250 des Universitätshauptgebäudes (Fürstengraben 1). Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.

Kontakt:
Dr. Peter Braun
Universitätsprojekt "SchreibenLernen" der Universität Jena
Johannisplatz 26, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 931027
E-Mail:

 

Meldung vom: 23.01.2012 11:53 Uhr