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Leichter in einem fremden Land einleben

Slawist und Indogermanistinnen starten internationales EU-Projekt zu lebenslangem Lernen
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09.01.2013

 

Reisen bildet bekanntlich, ein längerer Aufenthalt in einem an­de­ren Land bildet noch mehr - und ist für etliche Menschen längst Alltag ge­wor­den. "In der modernen Lebens- und Arbeitswelt gehören für viele Men­schen längere Aufenthalte in einem anderen Land dazu - sei es zum Studium, sei es zur Arbeit, oder einfach für den Lebenslauf", sagt die Jenaer Indoger­ma­nistin Dr. Bettina Bock. "Ein Hindernis bei dieser Mobilität kann die fremde Spra­che sein", weiß Prof. Dr. Thede Kahl, Slawist an der Friedrich-Schiller-Uni­ver­sität Je­na.

Um die Probleme beim Einleben in einem anderen Land zu reduzieren, starten die Jenaer Sprachwissenschaftler gemeinsam mit Forschern aus Rumänien, Bul­garien, Griechenland und der Türkei in diesem Monat ein neues Projekt. In den kommenden zwei Jahren wird das internationale Forschungsvorhaben "In­terphraseologie für Studien- und Berufsmobile" von der EU im Rahmen ihres Programms für lebenslanges Lernen mit 142.000 Euro gefördert. Zum Auftakt treffen sich am 14./15. Januar rd. 15 der beteiligten Wissenschaftler an der Fried­­rich-Schiller-Universität.


Ein audio-visuelles E-Learning-Angebot für Selbst­­lerner entwickeln

"Um die Sprachbarrieren möglichst rasch und individuell zu überschreiten, soll im Rahmen des neuen Projekts ein audio-visuelles E-Learning-Angebot für Selbst­­lerner entwickelt werden", erläutert Projektleiter Thede Kahl. Damit soll vor allem jungen Erwachsenen im Alter von 15-30 Jahren "die Eingewöh­nungs­phase in ein anderes Land auf sprachlicher Ebene erleichtert werden", so der Südslawistik-Professor. Außerdem wird das E-Learning-Programm eigene An­gebote für Lehrende umfassen. Den Lernern soll es dadurch rasch möglich wer­­den, alltägliche Tätigkeiten zu absolvieren: z. B. die Meldung bei offiziellen Stellen, die Wohnungssuche und das Ausfüllen von Formularen. "Die sprach­li­chen Anforderungen, die zu bewältigen sind, gehen also über die Business-Spra­­­che hinaus, sind aber auch nur in begrenztem Umfang Gegenstand der schulischen und universitären Sprachausbildung", sagt Dr. Bock und ergänzt: "Viele Sprachen werden zudem nur selten an Bildungseinrichtungen angebo­ten."

Das neue Projekt will hier eine Lücke schließen, indem es den Balkan in den Mit­telpunkt stellt und gleichzeitig an die dortige jahrhundertelang ausge­präg­­te Zwei- oder Mehrsprachigkeit anknüpft und dem Nutzer dieses Vorwissen be­wusst macht. "Das Projekt wird so zum Kulturvermittler", ist die Indogermanistin Prof. Dr. Rosemarie Lühr überzeugt, die in anderen Projekten ebenfalls Euro­pä­ismen in der Sprache untersucht.


"Auf Wieder­sehen"

Im Mittelpunkt der angewandten Forschung stehen Interphraseologismen, also Wortverbindungen mit übereinzelsprachlichen Gemeinsamkeiten: "Auf Wieder­sehen" hat direkte Entsprechungen z. B. im Bulgarischen "Doviždane" oder im Rumänischen "La revedere". Auch "Guten Tag" ist eine solche europäische "Routineformel". Das neue Projekt macht somit die Sprachvielfalt Eu­ropas deut­lich, aber auch sprachlich-kulturelle Gemeinsamkeiten.

Ganz so einfach haben es die beteiligten Wissenschaftler jedoch nicht, denn Ar­­­beitsmaterialien zum sprachenübergreifenden Lernen sind noch immer Man­gelware. Die Forscher kommen deshalb nicht nur aus der Sprachwissen­schaft, sondern auch aus der Fremdsprachendidaktik und der Übersetzungs-Praxis. Da­durch soll zudem der üblicherweise lange Weg von neuen wissen­schaft­li­chen Erkenntnissen zur Didaktik und weiter zum Unterricht verkürzt werden. "Dem Projekt kommt insofern auch Modellcharakter zu", ist Prof. Kahl über­zeugt und verweist auf die Nachhaltigkeit, die durch ein breites Netzwerk der Beteiligten gesichert ist. "Zudem ist das Projekt modular aufgebaut und kann daher nach dem Ende der Förderung bestens weiter ausgebaut werden."

Am Ende könnte dank des neuen E-Learning-Angebots ein Arbeitsaufenthalt im Ausland ein gewisses Urlaubsflair besitzen, wenn das internationale Forscher­team erfolgreich ist.

Kontakt:
Prof. Dr. Thede Kahl
Institut für Slawistik der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944725
E-Mail:

 

 

Meldung vom: 2013-01-09 09:26

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