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Ruhet nicht in Frieden

Linguist plädiert in neuem Buch für den Erhalt von Minderheitensprachen
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06.03.2014

 

"Was können wir tun?" Diese Frage stellt die Gesellschaft für bedrohte Sprachen aus gegebenem Anlass im Rahmen einer Info-Broschüre. Der Hintergrund: Etwa die Hälfte der Menschheit spricht heute eine von nur 19 Sprachen, während die andere Hälfte der Weltbevölkerung mehr als 6.000 weitere Sprachen spricht. Wie Prof. Dr. Peter Gallmann von der Universität Jena erklärt, handelt es sich um sogenannte Minderheitensprachen wie das Sorbische, das noch von etwa 20.000 Sprechern in der Lausitz gesprochen wird. Viele dieser Sprachen - etwa das Gälische in Irland sowie das Saterfriesische und das Nordfriesische in Deutschland - sind bedroht, einige nahezu verschwunden. Sie könnten dem Schicksal des Manx folgen. Die keltische Sprache war noch im 18. Jahrhundert auf der Isle of Man sehr lebendig, geriet aber infolge der kulturellen und wirtschaftlichen Dominanz des Englischen mehr und mehr ins Hintertreffen. Sie starb als Erstsprache gleichsam zusammen mit ihrem letzten Sprecher im Jahr 1974.

Was zugunsten von Minderheitensprachen zu tun sei, dazu hat Prof. Gallmann nun gemeinsam mit seinen Kollegen Prof. em. Dr. Horst Sitta (Universität Zürich) und Prof. Dr. Heidi Siller Runggaldier (Universität Innsbruck) in einem neuen Buch einen Beitrag für das Ladinische geleistet. Die Autoren haben der kleinen romanischen Sprache "eine vergleichende Grammatik mit linguistischem Tiefgang" gewidmet, so der Jenaer Lehrstuhlinhaber für Deutsche Sprache der Gegenwart. Als Vergleichsgrößen dienen hier die geographisch und sozial naheliegenden Sprachen Italienisch und Deutsch. Ladinisch nämlich wird in Südtirol - und hier insbesondere im Grödental und im Gadertal - von etwa 20.000 Menschen gesprochen sowie in den Nachbarprovinzen von weiteren 20.000.

Ihre vergleichende Grammatik haben die drei Linguisten so verfasst, "dass sie", wie Gallmann insistiert, "bei der Lehrerbildung verwendet werden kann." Sie dient jenen Lehrkräften als Basis, die das Ladinische unterrichten. Auch richtet sich die Publikation an Studenten. Das Lehramt Ladinisch nämlich kann man an den Universitäten Bozen und Innsbruck studieren. An den Schweizer Universitäten in Zürich und Freiburg gibt es den Lehramtsstudiengang Rätoromanisch. Gut zehn Jahre lang haben der gebürtige Schweizer Gallmann und seine Mitstreiter an dem Projekt im Auftrag der Provinz Bozen gearbeitet.


Ladinisch ist wieder Schulsprache

Seit dem Ende der sechziger Jahre besitzt Südtirol einen Autonomiestatus. "Seitdem ist Ladinisch wieder gut geschützt. Sowohl Ladinisch als auch Italienisch und Deutsch sind offizielle Schulsprachen", freut sich Prof. Gallmann. Ladinisch, das sich für den Laien entfernt wie Italienisch anhört, ist keineswegs eines seiner Dialekte, erklärt Linguist Gallmann: "Die Grammatik ist völlig anders. Ladinisch hat eine eigene Syntax mit eigener Subjektstellung. Es gelten besondere Regeln für die Satzgliedstellung." Wie bei vielen Minderheitensprachen seien auch im Fall des Ladinischen zwei Phänomene beobachtbar gewesen: Teils wurde die Sprache in die Seitentäler um Bozen abgedrängt, teils wurden ihre Sprecher durch das Italienische assimiliert. Unter den Faschisten war Ladinisch gar zum Dialekt des Italienischen erklärt worden.

"Der Erhalt von Minderheitensprachen ist sowohl linguistisch als auch kulturell bedeutsam", betont Prof. Gallmann. Sprache als wichtiges Mittel des sozialen Kontakts und als Medium, in dem eine Sprachgemeinschaft ihre Kultur überliefert, sei nicht zuletzt als Schatz zu verstehen, der kulturspezifisches Wissen berge. Die Sprache sei daher ein wesentlicher Bestandteil der Identität ihrer Sprecher. Diese gelte es, lebendig zu halten. Besonders die Medien spielen hier eine wichtige Rolle, betont Gallmann und verweist darauf, dass es in Südtirol ladinischsprachige Radiosender und die Zeitung "La Usc di Ladins" gibt. 


Bibliographische Angaben:
Horst Sitta / Heidi Siller Runggaldier / Peter Gallmann: Der einfache Satz. Ladinisches Bildungs- und Kulturressort, Bozen 2013, 182 Seiten, ISBN 978-88-6669-038-2
Bezug: www.pedagogich.it/index_de.html


Kontakt:
Prof. Dr. Peter Gallmann
Institut für Germanistische Sprachwissenschaft der Universität Jena
Fürstengraben 30, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944311
E-Mail:   

 

 

Meldung vom: 2014-03-06 11:39

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