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In der Welt von Spock und Hegel

Klaus Vieweg veröffentlicht Buch zur „Philosophie in Star Trek“
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27.07.2016

Zu vergeistigt, zu intellektuell - mit diesem Urteil lehnte der Fernseh­sender NBC die Pilotfolge "Der Käfig" der Serie "Star Trek" 1965 ab. Erst nach eini­gen Veränderungen konnte das Raumschiff USS Enterprise ein Jahr später seinen Siegeszug durch die Popkultur antreten. Doch trotz der Zugeständnisse, die Grund­idee änderte der Erfinder der Serie Gene Roddenberry nicht. Seine philosophischen, ethischen und politischen Ideen wollte der Amerikaner unterhaltsam verpackt den Zu­schauern vermitteln, der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und ihnen eine erstre­bens­werte Utopie geben. Dank dieser Dimensionen ist Star Trek bis heute erfolgreich und so viel mehr als nur eine Fernsehserie.


Die Besatzung veranschaulicht die Idee des Universalismus

Zum 50. Jubiläum beschäftigt sich der Philosoph Prof. Dr. Klaus Vieweg von der Fried­rich-Schiller-Universität Jena in seinem neuen Buch "Die Philosophie in Star Trek" mit dieser Metaebene, auf der sich die Enterprise bewegt. Gemeinsam mit sei­ner Tochter, der Illustratorin Olivia Vieweg, spürt er dabei den Parallelen zwischen dem Star Trek-Universum und den Theorien berühmter Denker nach. Ausgehend von einzelnen Episoden der Originalserie spaziert der Jenaer Philosoph leichtfüßig durch die Welt von Kirk und Kant und offenbart, wie vielschichtig Figuren und Motive in Star Trek sind. Schon die Zusammenstellung der Besatzung veranschaulicht die Idee des Universalismus, die im gesamten Star-Trek-Universum herrscht. Alle We­sen mit einem freien Willen - nicht nur die Menschen - sind gleich. In einer Zeit Mitte der 1960er Jahre, in der auf der Erde der Kalte Krieg seine Hochphase erlebt und die Diskriminierung von Schwarzen in Amerika lange nicht überwunden ist, sitzen auf der Brücke der Enterprise die dunkelhäutige Kommunikationsoffizierin Uhura neben dem russischen Navigator Chekov und dem asiatischstämmigen Lieutenant Sulu.


"Logik ist der Anfang aller Weisheit"

Ein Besatzungsmitglied hat es Vieweg besonders angetan: "Mein spezielles Interesse für die Figur des Ersten Offiziers Mr. Spock - dem philosophischen Kopf der Enter­prise - liegt in dessen Credo ,Logik ist der Anfang aller Weisheit' begründet", sagt der Jenaer Philosoph. Spocks Denken ähnelt in vielerlei Hinsicht der Philosophie Ge­org Wilhelm Friedrich Hegels, die im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit Klaus Viewegs steht. Hegel und Spock teilen die Maxime, dass nur die Vernunft Grundlage für echtes Wissen sein kann und nur durch sie richtige Entscheidungen getroffen wer­den können. Als Sohn eines Vulkaniers lebt er das Rationale nahezu übertrieben aus. Als Sohn einer menschlichen Mutter allerdings ist er auch mit einer Portion Emo­tionalität ausgestattet, die ihn mit zwei Eigenschaften versorgt, die auf der Enterprise dringend notwendig sind: Mut und Humor. Letzterem widmet Vieweg ein ganzes Ka­pi­tel und zeigt, dass Mr. Spock - ähnlich Hegel - durchaus eine feinsinnige Vor­stel­lung davon hat, was lustig ist, und nicht etwa zum Lachen in den Keller geht, sondern dafür eher seine Augenbraue nach oben zieht.

Der Autor belässt es in den neun Essays nicht nur bei Ausflügen ins Star Trek-Uni­ver­sum sondern führt immer wieder weitere Beispiele aus der Kulturgeschichte an. Zudem lockern die sehr pointierten Illustrationen seiner Tochter, durch die der Philo­sophie-Professor zum Star Trek-Fan geworden ist, die Lektüre auf. Olivia und Klaus Vieweg ist es gelungen, gleich zwei Welten mit ihrem Buch zu öffnen: Zum einen er­möglichen sie einen frischen Zugang zu einigen Grundfragen der Menschheit und da­mit zu Klassikern der Philosophie. Zum anderen legen sie die tiefsinnigen und hoch­ak­tuellen Inhalte der Star Trek-Reihe frei, die zunehmend unter dem Bombast des Ac­tion-Kinos verschüttgegangen sind. Oder wie es Spock ganz simpel ausdrücken würde: "Faszinierend!"


Vortrag in Jena

Wer mehr über das neue Buch und das Thema erfahren möchte, hat dazu z. B. am 29. Au­gust, 18 Uhr die Möglichkeit. Dann halten Olivia und Klaus Vieweg zusammen mit dem Physiker Prof. Dr. Alexander Szameit anlässlich des Star Trek-Abends im Zeiss-Planetarium Jena einen Vortrag zum Thema "Die Philosophie in Star Trek". Weitere Informationen dazu unter: www.planetarium-jena.de/sonderveranstaltungen.84.0.html

Bibliografische Angaben:
Klaus Vieweg und Olivia Vieweg: Wozu braucht Gott ein Raumschiff? Die Philoso­phie in Star Trek, Cross Cult, Ludwigsburg 2016, 303 Seiten, Preis: 16 Euro, ISBN 978-3-86425-865-7

Kontakt:
Prof. Dr. Klaus Vieweg
Institut für Philosophie der Universität Jena
Zwätzengasse 9, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944140
E-Mail:

Meldung vom: 2016-07-27 07:39

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