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Neues Glasdach schützt Anatomieturm vor Nässe

UKJ und Stadt beginnen mit der Sanierung
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28.07.2016

Das Universitätsklinikum Jena (UKJ) saniert in Kooperation mit der Stadt Jena ein bedeutendes Stück Stadt- und Medizingeschichte: In den kommenden Wochen wird der Anatomieturm in der Innenstadt denkmalgerecht restauriert. Um den Turm dauerhaft vor Regen zu schützen, erhält er ein Glasdach. Auch das Mauerwerk und der Gewölbekeller werden hergerichtet.

Die Kosten für die Sanierung liegen bei rund 340.000 Euro und werden jeweils zur Hälfte vom UKJ und der Stadt Jena getragen. Das Thüringer Landesverwaltungsamt hat hierzu auf Antrag der Stadt Fördermittel aus dem Bund-Länderprogramm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren in Höhe von 170.000 Euro bewilligt. Hiervon trägt die Stadt ein Drittel der Mittel als Mitleistungsanteil. "Das Universitätsklinikum Jena ist sich seiner historischen Verantwortung bewusst. Daher sind wir sehr glücklich, dass nun in Kooperation mit der Stadt die Sanierung starten kann", erklärt Dr. Christian Graudenz, Projektleiter am UKJ im Geschäftsbereich Betreibung und Beschaffung.


Hauptproblem Feuchtigkeit

2011 hat der Turmstumpf eine provisorische Mauerkronenabdeckung erhalten, zudem wurden die Wände mit einer Verkleidung gesichert, damit sich keine Steine lösen. "Das Hauptproblem war die Feuchtigkeit. Dadurch wurden die alten Fugen ausgewaschen und es kam zur Salzbildung. Die Steine lockerten sich, daher die Sicherungsmaßnahmen." In einem ersten Schritt beginnen jetzt die Arbeiten am Natursteinmauerwerk sowie die Trockenlegung des Gewölbekellers, bevor dann das Dach montiert wird. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Das Restaurierungskonzept wurde unter der Federführung des Architekturbüros Dr. Anja Löffler aus Gera in Abstimmung mit dem UKJ und der Stadt Jena als zuständiger Denkmalschutzbehörde erstellt.

"Neben dem letzten oberirdisch erhaltenen Abschnitt der Jenaer Stadtbefestigung zwischen Pulverturm und Johannistor markiert der Anatomieturm den südwestlichen Eckpunkt der einstigen Befestigungslinie der mittelalterlichen Stadt. Damit ist er für das Verständnis der Gesamtanlage und deren bauliche Entwicklung von besonderer Bedeutung", so Matthias Rupp von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Jena. Die umgangssprachliche Bezeichnung "Anatomieturm" verweise auf die frühneuzeitliche Nachnutzung der mittelalterlichen Bastion und zeige auch die große medizinhistorische Bedeutung des Bauwerks.


Ort medizinischer Forschung

Die Nutzung als Anatomieturm begann 1750. Auf Veranlassung von Professor Karl-Friedrich Kaltschmid wurde auf dem damaligen Stumpf des Wehrturms ein Anatomisches Theater mit hohen Fenstern, einem Seildach und Platz für bis zu 60 Personen errichtet. 1777 übernahm Justus Christian Loder den Lehrstuhl für Anatomie. Er regte auch Goethe an, doch wieder seine anatomischen Studien aufzunehmen. 1784 schließlich "entdeckte" Goethe im Jenaer Anatomieturm den menschlichen Zwischenkieferknochen. Dr. Graudenz: "Zwar hatten französischen Forscher bereits zuvor den Knochen erwähnt, trotzdem wird die Entdeckung Goethe zugeschrieben."

Aber nicht nur Goethe forschte im Anatomieturm, auch die Gebrüder Humboldt betrieben hier ihre Studien. Wilhelm von Humboldt hat etwa 1794 in Jena seine anatomischen Studien aufgenommen. In Vorbereitung auf seine großen Amerikaexpeditionen machte Alexander von Humboldt im Jahre 1797 Zwischenstation in Jena. 

Wie genau der nun neu entstehende Innenraum des Turmes zukünftig genutzt wird, steht noch nicht fest. Denkbar seien u. a. Schautafeln zur Jenaer Medizingeschichte. Erste Einblicke wird es bereits zum Tag des Denkmals am 11. September geben. "An diesem Tag werden wir in jedem Fall eine Führung anbieten", so Dr. Graudenz.

 

 

Meldung vom: 2016-07-28 15:53

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