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Wenn Lesen eine Qual ist

Studienteilnehmer gesucht: Therapie für Kinder mit Lese-Rechtschreibstörung am Klinikum
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07.09.2016


Was reimt sich auf Maus? Auf dem Bildschirm vor Tom erscheinen verschiedene Wörter zur Auswahl. Während der Achtjährige den Buchstaben die richtigen Laute zuzuordnen versucht, werden in seinem Gehirn einzelne Areale aktiviert. Tom fällt diese Aufgabe nicht leicht, er leidet an einer Lese-Rechtschreibstörung (LRS). Werden in seinem Gehirn andere Areale als bei Normallesenden aktiv, die vor derselben Aufgabe sitzen? Funktioniert bei ihm der Informationsaustausch zwischen den einzelnen Arealen schlechter? Welche Auswirkungen hat eine gezielte Therapie auf seine Hirnfunktion? Werden andere Areale aktiv oder verbessert sich die Interaktion? 

Um die Störungsmechanismen der LRS und deren Therapiemöglichkeit besser zu verstehen, läuft am Universitätsklinikum Jena seit einem Jahr ein Forschungsprojekt. Die Kooperation zwischen der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie und dem Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Dokumentation wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Bereich Medizininformatik gefördert. "Bislang waren die Kinder, die bereits an der Studie teilgenommen haben, mit Spaß bei der Sache", so Diplom-Psychologin Dr. Carolin Ligges. Während der EEG-Untersuchung sitzt Tom in einem gemütlichen Stuhl im kindgerechten EEG-Labor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie während der Computer ihm eine neue Aufgabe stellt. Eine Art Badehaube mit Elektroden misst an seiner Kopfoberfläche elektrische Signale, die sein Gehirn beim Lesen produziert. "Über spezielle Algorithmen können wir aus diesen Daten in die Tiefe rechnen, um die beteiligten Hirnareale zu lokalisieren", so Medizininformatiker Professor Dr. Herbert Witte. Seit vielen Jahren feilt er mit seinem Team an den dafür notwendigen Methoden und entwickelt immer neue Algorithmen - die auch in anderen Zusammenhängen wie beispielsweise bei Epilepsiepatienten zur Anwendung kommen.

Die bisherigen Studien in Jena und die weltweite Forschung zur LRS liefern immer wieder Hinweise darauf, dass es sich um ein Störungsbild mit neurobiologischer Basis handelt. Nur selten können die betroffenen Kinder schlecht hören oder sehen. Viel häufiger sei ein phonologisches Defizit, so Dr. Ligges. "Ein Großteil der Kinder hat vor allem Schwierigkeiten, Sprachlaute zu verarbeiten." Die Forscher vermuten, dass hierbei die Interaktion der Hirngebiete eine wesentliche Rolle spielt. Ein Dreivierteljahr lang haben Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung einmal pro Woche eine gezielte Therapie erhalten. "Erste Tests deuten darauf hin, dass die Kinder sehr von der Therapie profitiert haben", so Dr. Ligges. Die Hirnaktivitäten vor und nach der Therapie werden verglichen, auch mit Ergebnisse von normallesenden Schülern. Im Fokus stehen Schüler der zweiten und dritten Klasse, da erst in diesem Alter eine "gefestigte" Diagnose gestellt werden kann. Ab den Herbstferien startet nun eine neue Phase des Projekts, für die wieder Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung aber auch normallesende Schüler gesucht werden, die an der wissenschaftlichen Untersuchungsreihe mitmachen wollen. Die Kinder mit LRS erhalten im Verlauf des Projekts eine Therapie. 

Interessierte Eltern können sich melden bei:
Dr. Carolin Ligges
Klinik für Kinder- u. Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Universitätsklinikum Jena
Am Steiger 6, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 935536
E-Mail:

Meldung vom: 2016-09-07 12:10

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