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Von der Landplage zum Forschungsobjekt

Ökologe Holger Schielzeth erforscht Heuschrecken
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28.10.2016

 

Sie haben ein denkbar schlechtes Image: Wenn sie auftauchen, dann meist in großer Zahl und sie fressen alles, was wächst. Heuschrecken gehören nicht umsonst zu den zehn biblischen Landplagen. Ihr verheerendes Einfallen und die Verwüstung, die sie hinterlassen, macht sie seit einigen Jahren sogar zum Namensgeber für skrupellose Finanzinvestoren.

Doch dieses Bild stimmt so nicht ganz - jedenfalls nicht für die heimischen Heuschrecken-Arten, sagt Prof. Dr. Holger Schielzeth von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Für den neu ernannten Professor für Populationsökologie sind Heuschrecken wichtige Studienobjekte, die nicht Entsetzen und Verwüstung bringen, sondern wissenschaftliche Erkenntnisse liefern. "Heuschrecken eignen sich hervorragend für ökologische und evolutionsbiologische Studien, da wir sie sowohl im Labor als auch im Freiland untersuchen können", sagt der 40-Jährige, der jüngst von der Uni Bielefeld nach Jena wechselte.

Grundsätzlich interessieren ihn Fragen an der Schnittstelle zwischen Ökologie und Evolutionsbiologie: Wie passen sich Organismen an jeweilige Umweltbedingungen an und nach welchen Kriterien erfolgt die natürliche Selektion? Und wie verändert Selektion die genetische Ausstattung von Populationen? Diesen und ähnlichen Fragestellungen geht Holger Schielzeth anhand von Heuschrecken nach. Mehr als 80 Arten sind in Deutschland heimisch. "Interessant ist, dass bei vielen Arten sowohl braune als auch grüne Farbvarianten nebeneinander vorkommen", sagt der Ökologe. Welche genetischen Ursachen diesem sogenannten Polymorphismus zugrundeliegen und welchen Einfluss dieser auf ökologische Prozesse hat, das erforscht er mit seinem 17-köpfigen Team.


"Kuckuckskinder" unter Zebrafinken

Das entsprechende Know-how bringt Prof. Schielzeth unter anderem aus seiner bisherigen Forschergruppe mit. Von 2012 bis zu seinem Wechsel nach Jena hat er an der Uni Bielefeld eine Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe geleitet, die sich ebenfalls Heuschrecken widmete und unter anderem deren Partnerwahlverhalten erforscht hat. Zuvor hatte er zwei Jahre als Postdoc an der Universität Uppsala in Schweden gearbeitet.

Neben Heuschrecken gehören Vögel zu den wissenschaftlichen "Steckenpferden" des gebürtigen Berliners. In seiner Promotionsarbeit, die er am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen in Bayern angefertigt hat, ging es etwa um das Brutverhalten von Zebrafinken. Wie Schielzeth mittels genetischer Untersuchungen feststellte, schieben die Weibchen einen Teil ihrer Eier regelmäßig anderen Brutpaaren unter, die diese "Kuckuckskinder" dann mit aufziehen.

Hier in Jena wird sich Prof. Schielzeth in den kommenden Jahren mit seinen Forschungsarbeiten auch in das "Jena-Experiment" einbringen. Seine Arbeitsgruppe koordiniert das Langzeitprojekt in der Saaleaue, in dem Forscher aus aller Welt die Zusammenhänge von Artenvielfalt und Ökosystemprozessen untersuchen.

Für das Arbeiten im Freiland will er auch die Studierenden begeistern und im Rahmen von Lehrveranstaltungen Exkursionen in die Umgebung anbieten. "Ich finde es wichtig, die Tiere, die man untersucht, auch in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten", erklärt er. Dies bringe immer wieder entscheidende Anregungen für das wissenschaftliche Arbeiten.

Kontakt:
Prof. Dr. Holger Schielzeth
Institut für Ökologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 159, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949410
E-Mail:


 

 

 

Meldung vom: 2016-10-28 11:21

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