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Raus aus der Komfortzone

Sechs Jurastudierende vertreten die Uni Jena beim internationalen Willem C. Vis Moot Court in Wien
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05.12.2016


Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus - das merken derzeit auch sechs Rechtswissenschaftsstudierende der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sie haben sich entschieden, in diesem Semester Pause von Stundenplan und Theorie zu machen und ihre ganze Energie stattdessen in eine maximal praktische Herausforderung zu stecken: Sie treten beim 24. Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot Court an, der im kommenden Jahr in Wien stattfindet.

Bei dem internationalen Wirtschaftsrechtswettbewerb treffen Berthold Blatecki-Burgert, Emily Feigel, Laura Fleischmann, Corinna Hofmann, Nicolas Koerrenz und John Varga auf mehr als 300 weitere Teams aus der ganzen Welt. Sie sind die sechste Mannschaft, die die Uni Jena ins Rennen schickt, um komplett auf Englisch über einem Fall im UN-Kaufrecht und im Schiedsverfahrensrecht zu brüten und über sich hinauszuwachsen. Wie schon im vergangenen Jahr werden sie dabei von Pauline Köstner, Robert Heß und Prof. Dr. Giesela Rühl von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät sowie Dr. Hazel-Ann Slinn vom Sprachenzentrum unterstützt.

Momentan sind die Teammitglieder, die mehrheitlich im 5. Semester studieren, in der ersten Phase des angesehenen Wettbewerbs: "Bis zum 8. Dezember müssen wir den Klägerschriftsatz einreichen", erklärt Nicolas Koerrenz. "Direkt danach startet Phase zwei mit dem Verfassen des Beklagtenschriftsatzes, der bis Ende Januar fertiggestellt sein muss." Darin müssen sie bereits auf den Klägerschriftsatz eines gegnerischen Teams eingehen, das ihnen zugelost wird. Doch wer klagt hier eigentlich gegen wen?


Fiktiver Fall, real verhandelt

In dem fiktiven Fall ist der Kläger ein Zulieferer von Teilen für Flugzeugturbinen, der den Käufer dieser Teile wegen der Bezahlung eines zu geringen Betrages belangt. Streitpunkt ist der Wechselkurs, weil die Parteien in verschiedenen - fiktiven - Staaten mit unterschiedlichen Währungen leben. Während der Kläger auf den Kurs von 2015 besteht, als die Lieferung erfolgte, zahlte der Beklagte entsprechend dem Umrechnungskurs beim Zustandekommen des Vertrages 2010 - und sparte damit 2,5 Mio. Dollar, auf die sich der Streitwert beläuft. Damit sich die Teilnehmer zusätzlich im Schiedsrecht erproben, geht es außerdem um verpasste Fristen und Formfehler.

Vor allem diese Kombination außergewöhnlicher Rechtsgebiete motiviert die Studierenden zur Teilnahme. So beschreibt Corinna Hofmann "den Einblick in unbekannte Rechtsgebiete als spannende Herausforderung". Inmitten des theorielastigen Studiums sei das Mitwirken an dem berühmten Wettbewerb zudem "ein echtes Erlebnis, bei dem man mal raus muss aus seiner Komfortzone." Damit meint Hofmann vor allem die letzte Etappe im Vis Moot Court: die Woche vom 7. bis 13. April, wenn die Verhandlungen mit den gegnerischen Teams in Wien stattfinden. Allein in der Vorrunde, für die alle rund 300 Teams nach Österreich reisen, müssen sie sich zweimal als Kläger und zweimal als Beklagte im Gerichtssaal beweisen. Können sie überzeugen, sind sie in der K.o.-Runde der letzten 64. "Hauptsache, wir treffen da nicht wieder auf Pennsylvania", lacht Coach Pauline Köstner. "Die letzten beiden Male sind wir gegen eine Uni von dort ausgeschieden."


Reizvoller Gegner: Harvard

Sonst gibt es im Grunde keine Angstgegner, wobei es die angehenden Juristen reizen würde, gegen eine amerikanische Eliteuni wie Harvard oder Yale anzutreten. Erklärtes Ziel ist es, die Vorrunde zu überstehen wie die beiden vorhergehenden Jenaer Teams. Für andere Spekulationen sei es noch zu früh im Wettbewerb, so Emily Feigel. Und obwohl er nicht damit rechnet, wünscht sich Nicolas Koerrenz augenzwinkernd "einen Empfang mit Pauken und Trompeten, wenn wir den ersten Platz machen."

Bis dahin jedoch liegt noch viel Arbeit vor den sechs Studierenden und ihren Betreuern. Zunächst feilen sie weiter an den Schriftsätzen, während es ab Februar gilt, die "Pleadings", also die Verhandlungen selbst, zu üben. Aussprache, Argumentation, Mimik, Gestik: Mit allem wollen sie überzeugen. Zur Vorbereitung verfeinern sie ihr Englisch, arbeiten mit Kanzleien zusammen und nehmen an Pre-Moots (Moot Courts zu Übungszwecken) teil. Größtes Highlight, bevor sie im Willem C. Vis Moot Court wie echte Anwälte prozessieren, stellt ein einwöchiger, durch Sponsoren finanzierter Aufenthalt in New York mit einem straffen Übungsprogramm im März dar. Dort treffen sie auf Topkanzleien und absolvieren die Generalprobe beim Pre-Moot der New York University. Die To-do-Liste bis zum großen Finale im April ist also lang - aber zumindest die Schatten werden dann längst wieder kürzer.

Kontakt:
Prof. Dr. Giesela Rühl, Pauline Köstner, Robert Heß
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 942160, 03641 / 942165
E-Mail: , ,

Meldung vom: 2016-12-05 09:15

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