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Den Traum von Musik und Tanz verwirklichen

India Bauriedel lebt seit ihrem dritten Lebensjahr mit Mukoviszidose
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13.12.2016

India Bauriedel strahlt, wenn sie über das Singen als ihre Leidenschaft spricht. Sie studiert im dritten Semester klassischen Gesang und Opernmusiktheater in Wien. Dass sie sich von anderen Studenten unterscheidet, merkt man erst, wenn sie etwa einen Mundschutz anlegt: Mit drei Jahren erhielt sie die Diagnose Mukoviszidose. Seit acht Jahren ist sie bereits Patientin am Uniklinikum Jena (UKJ), doch von der Erkrankung lasse sie sich nicht bremsen. Sie bringt ihre Lebenseinstellung auf den Punkt. "Ich bin nicht die Mukoviszidose. Ich habe Mukoviszidose."

Mit einer Erkrankung der Lungen professionell singen? Für die 20-Jährige, die in der Nähe von Wunsiedel in Franken wohnt, ist das kein Hindernis. Im Alter von 12 Jahren begann India Gesangsunterricht zu nehmen. Auf der Bühne stehen, diesen Traum wollte sie verwirklichen. So trat sie vor zwei Jahren im Musical Cats auf. Auch im Spielen von Klavier, Cello und Querflöte probierte sie sich aus. "Meine Eltern unterstützen mein Engagement. Als ich meinem Professor von meiner Besonderheit erzählte, hat er aufgeschlossen reagiert. Aber natürlich bin ich auch auf kritische Stimmen gestoßen, die meinten, dass ich es nicht schaffen würde", beschreibt India die Reaktionen auf ihre Ziele.


"Ich selbst habe kein Problem mit meinem Atem- und Lungenvolumen"

Aus der Puste komme sie beim Singen nicht. "Durch richtige Technik habe ich keine Probleme beim Singen. Ich hatte lange Zeit eine Lungenfunktion von über 100 Prozent, war also immer sehr stabil. Momentan beträgt meine Lungenfunktion um die 80 Prozent. Beim Singen fällt das aber anderen nicht auf. Und auch ich selbst habe kein Problem mit meinem Atem- und Lungenvolumen."

"Wir sind begeistert von Indias musikalischem Talent und ihren Erfolgen. Dabei sind wir froh, wenn sie nicht beruflich vom Singen abhängt. Es gibt doch immer wieder Zeiten, in denen sie wegen der Mukoviszidose mit Infekten und vermehrtem Husten ausfallen könnte", sagt PD Dr. Jochen Mainz, Leiter des Mukoviszidosezentrums für Kinder und Erwachsene am UKJ. Durch eine Empfehlung ist sie nach Jena gekommen. "Alle drei Monate steht ein Lungenfunktionstest und die Untersuchung der Organe auf dem Programm. Denn die Erkrankung hat auch Auswirklungen auf meine Bauchspeicheldrüse und Leber. In Jena fühle ich mich gut aufgehoben", erzählt sie.

Dabei teste die 20-Jährige auch Grenzen aus, um zu sehen, was sie schafft und müsse aber eben einiges berücksichtigen. "Bei einer Erkältung oder Grippe ist absolute Schonung angesagt, vor allem für die Stimmbänder ist das notwendig."


Wenig Angriffsfläche bieten

Um ihrer Erkrankung so wenig wie möglich Angriffsfläche zu bieten, versucht India im Alltag weitestgehend Gefahrenquellen, etwa gefährliche Keime, zu vermeiden. Dazu brauche man Disziplin: "Schon als Kind konnte ich nicht einfach im Sandkasten buddeln oder mit Erde spielen. Ich nehme täglich 20-25 Tabletten ein. Zuhause lasse ich das Wasser laufen, bevor ich in die Dusche gehe. Diese Einschränkungen nehme ich in Kauf, wenn ich durch meinen Lebensstil positiven Einfluss auf die Mukoviszidose nehmen kann."

Jammern komme für sie nicht infrage. "Ich kenne ,Mukos', die durch die Erkrankung in ein Loch fallen. Ich lebe sehr bewusst und erfreue mich an jedem Tag, an dem es mir gut geht. Man darf sich auch nicht so ernst nehmen. Bisher konnte ich gut mit der Erkrankung leben. Ich möchte mindestens 80 Jahre alt werden."

Dass India sich nicht von ihrer Krankheit bestimmen lassen möchte, insbesondere der Angst vor Keimen, zeigt ein weiteres Projekt. Sie absolvierte ein Praktikum im Kindergarten. "Ich musste darauf achten, meine Hände regelmäßig zu desinfizieren und nicht ins Gesicht zu fassen." Das Praktikum war der Einstieg in eine neue Richtung, in die Musik- und Tanzpädagogik, die sie seit Oktober einschlägt. "Das war auch eine Vernunftsentscheidung. Schließlich habe ich noch weitere Ziele."

Kontakt:
PD Dr. Jochen Mainz
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Jena
Am Klinikum 1, 07747 Jena
Tel.: 03641 / 9329535
E-Mail:


 

Meldung vom: 2016-12-13 13:52

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