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Wie man 800.000 Tweets untersucht

Ines Engelmann ist neue Professorin für Kommunikationswissenschaft
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06.01.2017


Heutzutage kann jeder seine Meinung der breiten Öffentlichkeit mitteilen: beispielsweise per Twitter. Doch welche Tweets sind relevant und zeigen Wirkung? Solche Fragen untersucht Prof. Dr. Ines Engelmann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU). Dafür muss die neue Professorin für Kommunikationswissenschaft zuweilen riesige Mengen analysieren, wie sie bei einer Inhaltsanalyse der Tweets zur Energiewende erlebte: Da kamen ganz rasch 800.000 Beiträge zusammen, die es auszuwerten galt.

Die Ergebnisse waren weniger überraschend: "Twitter ist ein Elitemedium", sagt die 39-jährige Wissenschaftlerin. Dennoch würden dort am häufigsten emotionale Äußerungen retweetet, also weiterverbreitet. Prof. Engelmann geht es trotz zahlreicher praxisnaher Untersuchungen vor allem um wissenschaftliche Grundlagenforschung. Künftig will sich die Kommunikationswissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt empirische Methoden noch tiefer damit beschäftigen, unter welchen Bedingungen und mit welchen Folgen für Öffentlichkeit und Journalismus Nachrichten in Online- und sozialen Medien von Nutzern ausgewählt, rezipiert und diskutiert werden.
 

Wie beeinflusst die politische Ausrichtung die Nachrichtenauswahl?

Der Journalismus aus Sicht der Wissenschaft ist in Engelmanns Forschungen seit langem präsent. In ihrer Dissertation "Alltagsrationalität im Journalismus", für die sie den Promotionspreis der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der FSU Jena erhielt, analysierte sie etwa, wie die politische Grundeinstellung von Journalisten ihre Nachrichtenauswahl und damit die Tendenzen ihrer Berichterstattung beeinflusst - und entwickelte dafür ein innovatives Untersuchungsdesign.

Das journalistische Arbeiten ist der gebürtigen Spreewälderin dabei nicht fremd: Sie arbeitete als freie Journalistin bei der "Lausitzer Rundschau" und bei Zeitungsredaktionen in Perm, Russland. Schnell habe sie jedoch gemerkt, dass ihr Herz für die Wissenschaft und nicht für die journalistische Tätigkeit an sich schlage.

Die zu diesem Semester Berufene schätzt das "gute Arbeitsklima" am Institut für Kommunikationswissenschaft und ist daher gern von der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo sie zuvor tätig war, an die Uni Jena zurückgekehrt. Hier vertrat sie in den letzten zwei Jahren nicht nur zunächst die eigene Professur, sondern begann auch ein dreijähriges DFG-Forschungsprojekt zur Qualität von Nutzerkommentaren und deren Bedingungen.

Auch wenn, wie sie selbst sagt, Methoden und Statistik gerade die Bereiche sind, die Studierende häufig am schwierigsten finden, hat sich Engelmann schon früh während ihres Magisterstudiums in Leipzig dafür begeistert, weil sie "in der Kommunikationswissenschaft die größte Herausforderung" bedeuten und ihre sichere Beherrschung für einen empirisch arbeitenden Sozialwissenschaftler unabdingbar ist. In der Lehre möchte sie daher den Jenaer Studierenden die Angst vor Zahlen und statistischen Auswertungen nehmen, indem sie forschungspraktisch unterrichtet und verschiedene Lehrmethoden einsetzt, um "flexibel auf die Studierendenbedürfnisse einzugehen". So setzt sie auf Interaktivität, etwa durch ein kurzes Online-Quiz zu Beginn der Vorlesung, und einen konkreten Anwendungsbezug, z. B. bei Inhaltsanalysen der Medienberichterstattung zu gegenwärtigen Themen. Denn in der Lehre, davon ist Engelmann überzeugt, ist die direkte Interaktion besser als die bloße Kommunikation über ein Medium mit 140 Zeichen.

Kontakt:
Prof. Dr. Ines Engelmann
Institut für Kommunikationswissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944939
E-Mail:  

Meldung vom: 2017-01-06 09:15

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