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6.000 Kilometer Schulweg nach Jena

MIT-Studierende aus den USA sind Gäste der Uni Jena und unterrichten an Jenaer Schulen
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26.01.2017

Während in Deutschland wohl viele junge Menschen davon träumen, ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu reisen, scheint auch umgekehrt der Weg über den großen Teich faszinierend. Den Beweis - und über 6.000 Kilometer - haben Lara Timbó Araújo und Sean Burchesky vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) nun angetreten, denn sie sind eigens von der amerikanischen Elite-Universität aus Cambridge, nahe Boston, gekommen, um in Jena zu unterrichten.

Dass dies in der Saalestadt möglich ist, verdanken sie u. a. dem Engagement von Dr. Matthias Müller von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Ich freue mich sehr, dass die Kooperation zwischen der Mathematik-Didaktik mit dem MIT zustande gekommen ist und wir der erste Standort des Programms MIT Global Teaching Lab in Ostdeutschland sind", sagt der zuständige Koordinator des Schülerforschungszentrums Jena. Das MIT schickt seine Studierenden aus den Naturwissenschaften in die ganze Welt, um Erfahrung im Unterrichten zu gewinnen. Lara und Sean, beide im 4. Studienjahr, haben sich bewusst für Deutschland beworben, um hier ein freiwilliges Praktikum in der Semesterpause zu absolvieren - Jena wurde ihnen aufgrund ihrer Studienschwerpunkte vorgeschlagen.

Jenaer Schüler noch etwas schüchtern

Hier lehren sie nun einen Monat lang jeweils fünf Stunden in der Woche am Otto-Schott-Gymnasium, an der Integrierten Gesamtschule Grete Unrein und in AGs des Schülerforschungszentrums. Lara, die Informatik am MIT studiert, unterrichtet Mathe und Geometrie in der 8. und 10. Klasse, Sean bringt Zehnt- und Elftklässlern seine Kenntnisse in Astronomie und Raumwissenschaft näher. Dabei teilen sie bislang eine Erfahrung: "Die Schüler sind sehr engagiert, doch auch noch etwas schüchtern", erzählt die 21-jährige Lara. "Das kann aber auch daran liegen, dass der Unterricht auf Englisch stattfindet", findet sie eine mögliche Erklärung, wobei sie ab und zu versuche, ihre Anfängerkenntnisse in Deutsch anzuwenden. Matthias Müller, der die beiden für die meisten Unterrichtsstunden begleitet, berichtet: "Physik und Mathe sind Fächer, die oft eher Jungs begeistern. Die Lehrer der beteiligten Schulen stellen sogar fest, dass die Fremdsprache vermehrt Schülerinnen und Schüler in die Stunde einbezieht, die eine Neigung zu Sprachen haben - weil sie ihren Mitschülern mit fehlendem Vokabular aushelfen."

In Jena gefällt es den Studierenden aus den USA gut. "Es ist eine schöne Stadt, die sehr modern ist", sagt Sean. "Es gab jedenfalls keinen Kulturschock, als wir angekommen sind", so der 22-Jährige. Lara findet es witzig, dass Kartoffeln ein "big deal" sind. "Ich wusste, dass Deutsche verrückt nach Kartoffeln sind, aber hier gibt es wirklich jeden Tag welche in der Mensa", lacht die gebürtige Brasilianerin. Auch wenn die beiden die Erfahrung genießen, vor einer Klasse zu stehen, Lehrer wollen sie nicht werden. Während Lara damit liebäugelt, nach San Francisco zum Online-Übernachtungsdienst Airbnb zu gehen, wo sie schon ein Praktikum absolviert hat, möchte Sean in der Wissenschaft bleiben und seinen Doktor in Quantenphysik machen.
 

Interkulturell und fachlich wertvoll

Der Jenaer Fachdidaktiker Prof. Dr. Michael Fothe betrachtet die Kooperation schon jetzt als Erfolg: "In vielerlei Hinsicht ist das Projekt interkulturell wertvoll. Wir ermöglichen amerikanischen Studenten, deutsche Schulen kennenzulernen, während Jenaer Schülern bilingualer Unterricht geboten wird. Da unsere Forschung inhaltliche Berührung mit der des MIT hat, wird auch der wissenschaftliche Austausch gestärkt." "Schon jetzt haben beide Seiten ihr Interesse an einer Fortführung bekundet", freut sich auch Dr. Müller.

Das Programm MIT Global Teaching Lab in Jena wird durch die Joachim Herz Stiftung, die ZEISS AG und die Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) unterstützt und gefördert. Die Zusammenarbeit der Mathematik-Didaktik mit dem MIT fügt sich zudem ein in die Bestrebungen der Friedrich-Schiller-Universität, die Verbindungen in die USA zu intensivieren. "Die amerikanischen Universitäten gehören fraglos zu unseren sehr wichtigen Kooperationspartnern", betont Jenas Uni-Präsident Prof. Dr. Walter Rosenthal. "Mit dem MIT sind wir im Gespräch, um gemeinsame Forschungsschwerpunkte zu bündeln. Dass das MIT Global Teaching Lab jetzt bereits in Jena gestartet ist, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg und ein international anerkannter Partner in Sachen Forschung und Studierendenaustausch sind."
 

Kontakt:
Dr. Matthias Müller
Fakultät für Mathematik und Informatik der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 946495
E-Mail:

Meldung vom: 2017-01-26 09:50

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