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„Für mich der perfekte Weg“

Neuer Höchststand: 422 Studierende an der Uni Jena absolvieren ein Studium ohne Abitur
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18.05.2017


Das Sprichwort, dass viele Wege nach Rom führen, trifft schon seit längerem auch auf Universitäten zu. So befähigt nicht nur das Abitur zum Unistudium, sondern ebenso alternative Bildungswege. Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) zeigt, dass inzwischen 51.000 Studierende an deutschen Universitäten nicht die allgemeine Hochschulreife erworben haben - auch an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU), die das abiturlose Studium seit den 90er Jahren ermöglicht, ist dieser Wert derzeit auf einem Höchststand. "Im aktuellen Sommersemester sind 422 Studierende ohne Abitur immatrikuliert, sie machen damit mehr als zwei Prozent unserer Studierendenschaft aus. Noch vor zwei Jahren lag der Wert nicht einmal bei der Hälfte", berichtet Michael Götz, der Leiter des Studierenden-Service-Zentrums (SSZ) der FSU. "Uns ist es wichtig, dies weiter auszubauen, denn einige junge Menschen erkennen erst etwas später, dass sie gern studieren möchten und das Studium für die inzwischen gereifte Karriereplanung sinnvoll oder erforderlich ist."


Zwei Semester Studium auf Probe

Genauso erging es Tommy Melzer, der nach der 10. Klasse zunächst eine Ausbildung zum Chemisch-Technischen Assistenten absolvierte und im Anschluss als Chemielaborant in Fulda gearbeitet hat. "Das hat Spaß gemacht, aber ich wollte noch mehr", erzählt der gebürtige Thüringer aus Geisa. Deswegen hat er sich entschieden, den Schritt an die Uni noch zu wagen. In Jena sei das im Fach Chemie ganz unkompliziert gewesen: Nach einem Vorgespräch hat er sich für ein Probestudium eingeschrieben. "Das heißt, dass ich in den ersten zwei Semestern mindestens die Hälfte der Prüfungen bestehen musste", erinnert er sich.

An der FSU ist das Konzept des Probestudiums noch recht jung; erst seit zwei Jahren erfolgt diese vorläufige Zulassung unter den Voraussetzungen einer zum gewünschten Studium fachnahen, mindestens zweijährigen Ausbildung und einer ebenfalls fachnahen, dreijährigen Berufstätigkeit, so Götz. Weit mehr angehende Studierende ohne Abi würden sich jedoch beispielsweise im Rahmen einer beruflichen Fortbildung (analog der Meisterprüfung) oder ein Fachabitur und -hochschulstudium für die Universität Jena qualifizieren. Für Tommy Melzer war es kein Problem, das erste Studienjahr zu überstehen - nur in Mathe hat er gemerkt, dass seine Kommilitonen ihm ein Stück voraus waren. Ganz anders im praktischen Teil: "Im Labor war ich von Beginn an sicher, da hat mein Job vorher den Einstieg sehr erleichtert."

Inzwischen hat der Bachelorstudent das vierte Semester erreicht und ist im Unileben komplett angekommen. Dass er im Anschluss einen Masterstudiengang beginnen will, steht für ihn schon fest. Auch eine Promotion in der organischen Chemie schließt der 24-Jährige nicht aus.

Studierende sind immer eine bunte Mischung

Für ihn selbst und seine Mitstudierenden hat es nie eine Rolle gespielt, dass er nicht über den "klassischen Weg" an die Hochschule gekommen ist. "Studenten sind doch immer eine bunte Mischung. Manche kommen vom Internat, waren vorher im Ausland oder haben eben schon gearbeitet, das macht es ja auch spannend", findet Melzer. "Für mich war es der perfekte Weg. Mit 18 war ich einfach noch nicht bereit für ein Studium, jetzt schon. Ich würde es genauso wieder machen."

An der Chemisch-Geowissenschaftlichen Fakultät ist Tommy Melzer einer der wenigen, die ohne reguläres Abitur studieren. Die meisten Studierenden ohne Abitur gibt es an der FSU in den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften und der Soziologie. Zulassungsfreie Studiengänge können prinzipiell alle studieren, die die Kriterien erfüllen und bei denen somit eine Hochschulzugangsberechtigung festgestellt wird. "Bei den Fächern mit Numerus clausus wirkt die Erfüllung aller Kriterien wie eine Berechtigung zur Bewerbung. Da konkurrieren sie dann mit allen anderen Bewerbern um die Studienplätze und die Note des Berufsabschlusses bzw. der beruflichen Fortbildung erlangt eine zusätzliche Bedeutung", erklärt Michael Götz. Erst die Zu- oder Absage in der Post zeigt dann, ob sie ihren "Weg nach Rom" gefunden haben oder noch eine andere Abzweigung ausprobieren müssen.

Die CHE-Studie ist zu finden unter: http://www.che.de/downloads/CHE_AP_195_Studieren_ohne_Abitur_2017.pdf
Informationen zur Studienbewerbung an der FSU gibt es unter: http://www.uni-jena.de/Bewerbung.html


Kontakt:
Michael Götz
Studierenden-Service-Zentrum der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 931110
E-Mail:
 

Meldung vom: 2017-05-18 11:15

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