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Demografischer Wandel bedeutet größte Herausforderung

Wirtschaftsgeografen geben Band zur jüngeren Entwicklung Thüringens heraus
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23.05.2017


Seit der deutschen Wiedervereinigung im Oktober 1990 ist viel Zeit ins Land gegangen und der Wandel hat auch vor Thüringen nicht haltgemacht - Grund genug für die Jenaer Wirtschaftsgeografen Prof. Dr. Sebastian Henn, Vanessa R. Hünnemeyer und Patrick Werner von der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU), Bilanz zu ziehen. Unter dem Titel "Thüringen. Von der Wiedervereinigung bis zur Gegenwart" haben sie nun einen Sammelband herausgegeben, der die jüngere Entwicklung Thüringens kompakt und anschaulich zusammenfasst.

"Mit der Publikation wollen wir wissenschaftliche Erkenntnisse in die breite Öffentlichkeit tragen und so einen Wissenstransfer leisten", berichtet Henn, Direktor des Instituts für Geographie an der FSU. Auf 140 Seiten beleuchten sieben Autoren daher verständlich aufbereitet die Siedlungsstruktur des Freistaats, das politische System, die Bevölkerungsstruktur und -entwicklung, das Bildungs- und Kultursystem, die Thüringer Wirtschaft sowie die Einbettung Thüringens in internationale Zusammenhänge.


Uni Jena als Impulsgeber

"Ein reichliches Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung lässt sich sagen, dass die Summe der Entwicklungen in Thüringen erfreulich ist", fasst Sebastian Henn zusammen. So würden die Großstädte Erfurt und Jena vor allem wirtschaftlich und wissenschaftlich herausstrahlen, während Weimar das kulturelle Zentrum bildet. Die Universität Jena als größte Hochschule des Freistaats stellt dabei eine elementare Größe dar, ermöglicht sie doch enge Verflechtungen von Wissenschaft und Wirtschaft, durch die ein entscheidender Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit Thüringens geleistet wird. "Unternehmensgründungen durch Studierende und Absolventen der FSU bringen beispielsweise wichtige, innovative Impulse und positive Effekte für die gesamte Region mit sich", erklärt der Jenaer Wirtschaftsgeograf.

Doch der Status quo zeigt auch deutliche Probleme der Gegenwart auf. Von der Intensität der demografischen Entwicklung war selbst Prof. Henn überrascht, denn die Schere zwischen den Städten und ländlichen Räumen ist dramatisch gewachsen. Die Einwohnerzahlen kleiner Ortschaften sind deutlich gesunken, in über 65 Prozent der Gemeinden leben maximal 1.000 Einwohner.

Insgesamt gibt es immer mehr alte Menschen, während viele junge wegziehen. Dies resultiert in einen erheblichen Fachkräftemangel, vor allem auf dem Land. Gerade die Hochschulabsolventen verlassen Thüringen zahlreich - fünf Jahre nach dem Studium lebt und arbeitet nur noch ein Drittel von ihnen hierzulande. "Junge Leute zieht es oft in die Metropolen, ihnen sind unsere Städte zu klein", glaubt Herausgeber Henn.


Fachkräftegewinnung als Kernaufgabe

Die Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland wird damit zu einer Kernaufgabe: "Große Konzerne fehlen in Thüringen, kleine und mittlere Unternehmen wirken oft nicht so attraktiv. Dass es vielerorts Ressentiments gegen Ausländer gibt, ist zudem abschreckend", erklärt er einen Befund. Dennoch - so ist Prof. Henn überzeugt - kann Thüringen in den kommenden Jahren an bisherige, positive Entwicklungen anknüpfen. "Vor allem die stadtnahen ländlichen Regionen dürften von der Anziehungskraft der größeren Städte profitieren und als 'Impulsregionen' gestärkt werden", wagt er einen Ausblick.

Die Publikation ist bei der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen erschienen und kostenlos erhältlich unter: http://www.lzt-thueringen.de/index.php?article_id=3&func=search&q=Henn. Die einzelnen Kapitel bilden vor allem Ausgangspunkte für ein vertiefendes Selbststudium auf Grundlage der angegebenen weiterführenden Literatur; der Band erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


Bibliografische Angaben:
Sebastian Henn, Vanessa R. Hünnemeyer, Patrick Werner (Hg.): Thüringen. Von der Wiedervereinigung bis zur Gegenwart, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 2017, 140 Seiten, kostenfrei über die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, ISBN: 978-3-943588-95-8


Kontakt:
Prof. Dr. Sebastian Henn
Institut für Geographie
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel. 03641 / 948830
E-Mail:
 

Meldung vom: 2017-05-23 07:00

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