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Expedition zum gesprochenen Wort

Slawisten laden ein zu Tagung über immaterielles Kulturerbe am 29. und 30. Juni
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16.06.2017

Rund 7.000 Sprachen gibt es weltweit. Doch nicht einmal die Hälfte davon ist verschriftlicht, sondern wird ausschließlich gesprochen. Will man diese Sprachen erforschen, so muss man die Menschen, die sie täglich nutzen, aufsuchen und sich mit ihnen unterhalten. Wissenschaftler, die genau das tun, treffen sich am 29. und 30. Juni 2017 in Jena. Denn dann laden die Slawisten der Friedrich-Schiller-Universität zur Tagung "Intangible Cultural Heritage Today. Field Studies From Southeast Europe" ein.

Feldforschung als essenzieller Teil

"Feldforschung ist ein essenzieller Teil unserer Arbeit, um bestimmte Sprachen überhaupt erst einmal zu identifizieren und den kulturellen Raum kennenzulernen, in dem sie gesprochen werden", sagt Prof. Dr. Dr. h. c. Thede Kahl, der die Tagung gemeinsam mit seiner Kollegin Andreea Pascaru organisiert. "Dabei ist es allerdings wichtig, dass der Hintergrund so authentisch wie möglich ist." Viele Touristen etwa erlebten auf Reisen eher künstliche Ausschnitte einer Kultur, nicht aber das tatsächlich Gelebte. "Wir als Wissenschaftler mögen es eher, wenn sich die Menschen, die wir treffen, nicht extra eine Tracht anziehen und für unser Gespräch nicht die Zigarette ausdrücken", sagt Kahl. "Deshalb dürfte unsere Tagung auch für Nichtexperten, die mehr über die verschiedenen Kulturen wissen wollen, interessant sein."

Genauso wichtig wie der Inhalt einer Unterhaltung ist auch, wie etwas gesprochen wird. Um das zu transportieren, zeichnen viele Sprachwissenschaftler - und auch Ethnologen - ihre Begegnungen auf. Videos beispielsweise können dabei helfen, Mimik, Gestik und Körpersprache der Sprecher einzufangen und so einen besseren Zugriff auf die Sprache zu ermöglichen. "Deshalb haben wir die Teilnehmer unserer Tagung darum gebeten, ihre Wortbeiträge mit verschiedenen Medien anzureichern", sagt Andreea Pascaru. "Denn so erhalten sowohl die Experten als auch fachfremde Besucher schneller einen Zugang zu den verschiedenen Sprachen und Kulturen." Im Fall der Jenaer Konferenz handelt es sich vor allem um Minderheitensprachen aus Südosteuropa und dem Kaukasus, etwa um Romanes - die Sprache der Roma -, das Ossetische, das in Teilen Georgiens gesprochen wird, oder das Kalmückische, das heute noch weniger als 200.000 Menschen in einer Republik Russlands verwenden.

Mit dem immateriellen Kulturerbe der Völker beschäftigten

Egal wie viele Personen sich in der jeweiligen Sprache verständigen, erhaltenswert sind sie in jedem Fall. "Natürlich stärkt eine Schrift den Erhalt und die Verbreitung einer Sprache, aber über den kulturellen Wert sagt das nichts aus", erläutert der Jenaer Slawist. "Auch Sprachen, die sich nicht in einer Schrift niederschlagen, tragen ein wichtiges immaterielles Kulturerbe in sich, das erforscht und überliefert werden sollte." Denn durchaus lebten in ihnen Traditionen weiter, die es beispielsweise in unserem Kulturkreis kaum noch gibt. Das Märchenerzählen etwa sei in Deutschland weitestgehend ausgestorben. "Sich mehr mit dem immateriellen Kulturerbe dieser Völker zu beschäftigten, bedeutet auch, Stereotype aufzubrechen, die meist aus nationalistischen Klischees hervorgegangen sind", sagt Andreea Pascaru. "Und das scheint mehr als notwendig, betrachtet man die politische Lage in vielen Regionen der Welt."

Die Tagung "Intangible Cultural Heritage Today. Field Studies From Southeast Europe" beginnt am 29. Juni um 16 Uhr im "Haus auf der Mauer" (Johannesplatz 26) und wird von der Fritz-Thyssen-Stiftung gefördert. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Informationen zum Programm sind hier zu finden. 

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. h.c. Thede Kahl
Institut für Slawistik und Kaukasusstudien der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944725
E-Mail:


 

 

 

 

Meldung vom: 2017-06-16 11:40

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