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Die besondere Medizin – Augenserum aus Eigenblut

Im Uniklinikum erhalten Patienten mit sehr trockenen Augen eine Therapie mit Eigenblutserum
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18.08.2017


Detlev Hochhaus hatte als 19-Jähriger einen schweren Unfall: Ein Wasserkocher explodierte vor ihm und zerstörte die Hornhaut seiner Augen. Das rechte Auge erholte sich, aber auf dem linken Auge blieb der gelernte Küchenmeister blind. Selbst Hornhauttransplantationen brachten nicht den gewünschten Erfolg. Erst durch die Therapie mit Eigenblutserum kann Detlev Hochhaus wieder auf beiden Augen sehen. Die moderne Therapie wird in Thüringen nur im Universitätsklinikum Jena (UKJ) durch Zusammenarbeit der Klinik für Augenheilkunde (Direktor Professor Dr. Daniel Meller) und des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin Jena gGmbH (Geschäftsführerin Dr. Silke Rummler) angeboten. Da es sich bei dem besonderen Augenserum um ein Medikament handelt, hat das Institut für Klinische Transfusionsmedizin Jena gGmbH (IKTJ) extra die Herstellungserlaubnis in einem aufwendigen Verfahren von der zuständigen Behörde, dem Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz erhalten.

Detlev Hochhaus wird im IKTJ alle drei Monate ein halber Liter Eigenblut abgezapft. Zunächst wird das Blut auf mögliche Infektionsparameter untersucht. "Dann muss das Blut zwölf Stunden im Beutel bei vier Grad ruhen, bis sich das Serum im Blut abgesetzt hat", erklärt Sabine Volkholz, Leiterin der Herstellung im Institut für Klinische Transfusionsmedizin Jena gGmbH am UKJ. Anschließend wird das Serum zentrifugiert und in kleine Miniplastikfläschchen abgepackt, die bei minus 20 Grad tiefgefroren werden müssen. Zehn Tage nach der Blutentnahme darf der Patient die sterilen Augentropfen, hergestellt aus seinem eigenen Blut, in sein krankes Auge träufeln. Jede Stunde träufelt sich der 63-Jährige etwas Serum in sein Auge. Eine kleine Plastikampulle der bernsteinfarbenen Substanz, also zwei Milliliter, verbraucht er pro Tag.


Erfolgreiche Behandlung - doch Herstellungsverfahren sehr aufwendig

Der Effekt ist sofort da. Detlev Hochhaus sagt, er konnte Jahrzehnte mit seinem linken Auge nichts sehen. Außerdem litt er unter Kopfschmerzen und Augendruck. Seit der Therapie mit dem Augenserum kann er wieder mit dem linken Auge sehen, sogar räumliches Sehen ist jetzt für den Mann aus dem Spessart möglich. "Das Serum ist sehr angenehm, es tut richtig gut", sagt der Patient. Seine Arznei muss er gefroren und nur die Tagesration darf er im Kühlschrank aufbewahren. Die Augentropfen reichen für ein Vierteljahr, dann lässt er wieder neue Augenserumtropfen am Universitätsklinikum Jena herstellen. Da das ganze Verfahren sehr aufwendig ist, bewilligen die gesetzlichen Krankenkassen die Kostenübernahme der Therapie nur in Ausnahmefällen.

Vor allem bei Patienten mit Limbusstammzellinsuffizienz der Hornhaut, also schwerer chronischer Bindehaut- und Hornhauterkrankung nach Verätzungen und Verbrennungen, bei Patienten mit Benetzungsstörungen oder schwerem Sicca-Syndrom (trockene Augen) hilft die Therapie mit dem Augenserum aus Eigenblut, weiß Oberärztin Dr. Nicole Fuchs aus der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Jena. Im Augenserum sind zum Beispiel entzündungshemmende Substanzen enthalten. Der Tränenfilm auf unseren Augen besteht aus Wasser, Fett und öliger Substanz. "Diesen speziellen Gleitfilm können herkömmliche Augentropfen nicht so gut ersetzen wie das Eigenblutserum", sagt Dr. Fuchs.


Kontakt:
Prof. Dr. Daniel Meller 
Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Jena
Am Klinikum 1, 07747 Jena
Tel.: 03641 / 9329701
E-Mail:

Dr. Silke Rummler
Institut für Klinische Transfusionsmedizin Jena gGmbH
Am Klinikum 1, 07747 Jena
Tel.: 03641 9325520
E-Mail:

 

Meldung vom: 2017-08-18 14:00

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