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Menschen als Mittelpunkt der Geschichte

Jörg Ganzenmüller ist neuer Professor für Europäischen Diktaturenvergleich
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07.11.2017

"Mich interessiert, auf welche Weise politische Ereignisse oder Umbrüche auf den Menschen wirken", sagt Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller von der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU). Alltagsgeschichte, die Interaktion zwischen Menschen, interessiert den neuen Professor für Europäischen Diktaturenvergleich. Er versteht Menschen als Akteure, deren Handeln die Strukturen und Ereignisse verdeutlichen, wenn er über Krieg, Diktaturen, Gewalt und Ideologien, aber auch über Erinnerungskultur und Sportgeschichte forscht.

Dies hat der heute 47-jährige gebürtige Augsburger, der in Freiburg/Brsg. Geschichte und Politikwissenschaften studiert hat, bereits in seiner Dissertation über die deutsche Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg deutlich gemacht. Er belegte, dass es kein Ziel der deutschen Wehrmacht war, die sowjetische Stadt einzunehmen, sondern sie dem Erdboden gleichzumachen. Für diese Einordung der Belagerung in den deutschen Vernichtungskrieg wurde er zu seiner Überraschung stark von russischen Historikern kritisiert - da er seine Schlussfolgerungen durch zahlreiche Quellen untermauern konnte, hielt Ganzenmüller die Kritik gut aus, lernte dabei allerdings viel über die Unterschiede in der europäischen Erinnerung an das 20. Jahrhundert.


Stiftung und Wissenschaft enger verknüpfen

Das kam dem kulturinteressierten Wissenschaftler, der 2004 als Postdoc an die Uni Jena wechselte, immer wieder zugute. Zuletzt besonders 2014, als er als Vorstandsvorsitzender der Stiftung Ettersberg berufen wurde, nachdem er zuvor Förderstipendiat am Historischen Kolleg in München und nach seiner Habilitation 2010 in Osteuropäischer Geschichte auch Lehrstuhlvertreter in Jena war. Als Vorstandsvorsitzender ist es sein "Ziel, Stiftung und Universität enger zu verzahnen" und die Forschung "als gleichberechtigte Säule der Stiftungsarbeit auszubauen". In seiner neuen Doppelfunktion kann er dies ideal umsetzen. Überdies will er die Stiftung Ettersberg mit der Gedenkstätte Andreasstraße in Erfurt enger mit den "big playern" der Zeitgeschichte in Thüringen - der Gedenkstätte Buchenwald, dem "Imre Kertész Kolleg Jena" und dem "Jena Center. Geschichte des 20 Jahrhunderts" - verknüpfen.


Sportgeschichte als politische Sonde

"Das 20. Jahrhundert wirkt bis heute nach", betont Prof. Ganzenmüller und macht deutlich, dass er - trotz seines Schwerpunkts im letzten Jahrhundert - auch gerne über aktuelle Fragen diskutiert. So steht für den fußballbegeisterten Wissenschaftler beispielsweise fest, dass die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft nach Katar "einen handfesten politischen Nutzen" für den Wüsten-Staat hat. Sportgeschichte ist für ihn eine Sonde, um allgemein-politische Fragen zu stellen und zu untersuchen.

Seine Erkenntnisse beruhen auf einem fundierten Quellenstudium, das er auch seinen Studierenden an der Friedrich-Schiller-Universität näherbringen will. Am wertvollsten ist ihm aber, "dass sie selbstständiges Denken lernen" - auch hier ist ihm der einzelne Mensch sehr wichtig.

Kontakt:
Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller
Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 13
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944059
E-Mail:

 

 

Meldung vom: 2017-11-07 08:44

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