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Leistungsstärkste Mikrowelle hilft Materialwissenschaftlern bei der Verbesserung von Faserverbundwerkstoffen

Forscher der Universität helfen Thüringer Industrie bei Materialentwicklung
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14.02.2006

Die meisten Menschen kennen Mikrowellen aus der Küche, um Spei­­sen zu erwärmen. Doch diese Geräte können – in großem Maßstab – auch eine wichtige Rolle in Wirtschaft und Wissenschaft spielen. Mit ihrer Hilfe kön­nen beispielsweise Faserverbundwerkstoffe, wie sie etwa in modernen Skiern, aber auch in Flugzeug- oder Autobauteilen vorkommen, verbessert werden, wie am Institut für Materialwissenschaft und Werkstofftechnologie (IMT) der Uni­ver­sität Jena bewiesen wird. „Hier ist jetzt die deutschlandweit – vielleicht sogar welt­weit – leistungsstärkste Mikrowellenanlage zur Entwicklung neuer Verarbei­tungstechnologien für Faserverbundmaterialien im RTM-Ver­fah­ren in Betrieb ge­­­nommen worden“, sagt PD Dr. Jörg Bossert. Der Jenaer Materialexperte lei­tet ein vom Thüringer Wirtschaftsministerium gefördertes Forschungsprojekt, bei dem ein neues Fertigungsverfahren für Faserver­bundbauteile erprobt wird. Da­bei setzt man auf die RTM-Technologie, bei der Verbundwerkstoffe durch Injek­tion des Harzes in eine mit Kohle- oder Glasfasern gefüllte Form herge­stellt wer­den.


Mikrowelle beschleunigt das Aushärten

Um große Stückzahlen dieser so genannten Com­posite in hoher Qualität pro­du­­zieren zu können, soll zum einen der Werkstoff u. a. durch nanoskalige Füll­stof­fe verbessert werden. An diesem Part beteiligt ist auch Prof. Dr. Elisabeth Klemm vom Insti­tut für Organische Chemie und Makromolekulare Che­mie der Universität Jena. Zum anderen soll die Härtung des Harzes beschleunigt wer­den. „Bisher musste immer das gesamte Werkzeug erwärmt werden, da das Ma­trixharz bei höheren Tempe­ra­turen aushärtet“, sagt Bossert. Jetzt nutzen die Ma­te­rialwissen­schaftler dafür eine Mikrowellenanlage.

Die Anlage wurde im Rahmen des Projekts in Zusammenarbeit mit der Thürin­ger Firma Schmuhl Faserv­erbundtechnik GmbH & Co. KG, einem Hersteller von Bauteilen in Faserver­bund­technik aus dem thüringischen Liebschütz, und einer Firma aus Peine ent­wi­ckelt. „Unsere Kooperation mit dem innovativen Thü­­ringer Mittelständler Schmuhl ist ein Musterbeispiel der erfolgreichen Zu­sam­menarbeit zwischen Uni­versität und der Industrie“, sagt Institutsdirektor Prof. Dr. Klaus D. Jandt. „Hier können unsere Forschungsideen schnell in Pro­dukte umgesetzt werden.“


Anlage exakt auf die Erfordernisse einstellen

Die Mikrowellengeneratoren verfügen über eine Anschlussleistung von zusam­men 30 kW, wobei jeder der Generatoren einzeln in seiner Leistung geregelt werden kann. „Dies ist besonders wichtig, um die Feldverteilung in der Ver­suchs­kammer beeinflussen zu können“, sagt Projektleiter Bossert. Er hat lang­jährige Erfahrung mit dem Verhalten von Keramiken im Mikrowellenfeld und kennt die besonderen Tücken dieser Technologie. „Wenn man die Anlage und die Temperaturführung nicht im Griff hat, kann es zu elektrischen Entla­dungen, dem Entstehen eines Plasmas und extrem hohen Temperaturen kom­men. Dies kann schlimmstenfalls die Zerstörung von Material und Anlage bedeuten“, weiß der Experte von der Jenaer Universität. Deshalb stehen zunächst Untersu­chun­gen zum Einfluss der Anlagenparameter auf die Feldverteilung in der Kammer im Vordergrund des Verbundprojektes.

Mit einer vorhandenen Laboranlage hat Dr. Uwe Weinzierl am IMT bereits ge­testet, welche Materialien für das RTM-Verfahren genutzt werden können. „Un­ser Ziel ist es, mit dieser Technologie das zu verarbeitende Verbundmaterial di­rekt zu erwärmen. Damit sind wir in der Lage, Verarbeitungszeiten erheblich zu verkürzen und Prozessenergie zu sparen“, erklärt der Kunststoff-Experte. „Die­se Vorteile werden eine Grundlage dafür sein, dass die Kosten für die Her­stel­lung von Compositbauteilen erheblich gesenkt und Faserverbundbauteile damit zu­künftig für Produkte genutzt werden können, die jetzt noch der Blech­bear­bei­tung vorbehalten sind“, erwartet Weinzierl.

Kontakt:
PD Dr. Jörg Bossert/Dr. Uwe Weinzierl
Institut für Materialwissenschaft und Werkstofftechnologie der Universität Jena
07737 Jena
Tel.: 03641 / 947733 oder 947742
E-Mail:  oder


Meldung vom: 2006-02-14 10:55
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