
| Der Begriff Praktische Religionswissenschaft bezeichnet ein Modell von entgrenzter, inter- bzw. transdisziplinärer Religionswissenschaft. Diese engagiert sich kommunikativ, gesellschaftlich-politisch, religionskritisch und versteht sich als handlungsorientierend und vermittelnd. Als Wahrnehmungswissenschaft richtet sich ihr Augenmerk auf die religiösen Individuen und ihre spezifischen Wahrnehmungsweisen sowie auf die vielfältig gelebten Religion/en in der Lebenswelt (Alfred Schütz). Die Praktische Religionswissenschaft bezieht sich auf andere handlungstheoretisch fundierte Humanwissenschaften, wobei die ganze Breite psychologischer, soziologischer, wissenschaftstheoretisch begründeter Ansätze eingeschlossen ist. Praktische Religionswissenschaft nimmt wahr, beschreibt und analysiert Handlungen, erklärt bestehende historische bzw. gegenwärtige religiöse Wirklichkeiten (deskriptive Komponente). Sie hat mit medialen Vermittlungsprozessen zu tun. Sie analysiert gegenwärtige, problematisch gewordene Wirklichkeiten, um durch reflektiertes problemlösendes Handeln zukünftige "bessere" Wirklichkeiten herbei zu führen (normative Komponente). Die Zielvorstellungen der Praktischen Religionswissenschaft heißen u.a.: pazifieren, Konflikte hemmen, humanisieren. Die Praktische Religionswissenschaft ist kein bloßes Anhängsel einer vermeintlich reinen Religionswissenschaft - reduziert auf die Applikation religionswissenschaftlicher Erkenntnisse auf praktische Probleme. Sie ist eine Disziplin mit eigener Identität, charakteristischen theoretischen Optionen, Fragestellungen, methodischen Verfahren, einem viablem, d.h. praktisch, hilfreich, nützlichen Erkenntnisinteresse sowie eigenem Gegenstandsfeld. |
Martin Schreiner, in: TheoWeb, H. 2/2009
Kann man Religionen bewerten? (1977, S. 43-52) In: Udo Tworuschka/Dietrich Zilleßen (Hg.): Thema Weltreligionen. Ein Diskussions- und Arbeitsbuch für Religionspädagogen und Religionswissenschaftler, Frankfurt/Main-München 1977, S. 43-53
Problemanzeigen und Forderungen für den Reliogionsunterricht. In: Udo Tworuschka/Dietrich Zilleßen (Hg.): Thema Weltreligionen. Ein Diskussions- und Arbeitsbuch für Religionspädagogen und Religionswissenschaftler, Frankfurt/Main-München 1977, S. 108-111
Bewundern, lieben, aber auch verabscheuen lernen.Aufgaben Praktischer Religionswissenschaft (2000), in: Interkulturelle Orientierung. Grundlegung des Toleranz-Dialogs. Teil I: Methoden und Konzeptionen (= Bausteine zur Mensching-Forschung, NF, Bd. 6/I), hg. von Hamid Reza Yousefi/Klaus Fischer, Nordhausen 2004, S. 105-124.
Nachwort zu Gustav Mensching: 'Der Irrtum in der Religion' (2003) Nachwort zu Gustav Mensching: Der Irrtum in der Religion. Neuausgabe 2003, S. 219-224
'Lernen in den Religionen' (2004)
Ansätze einer "Praktischen Religionswissenschaft" für Friedenserziehung (2006)
Praktische Religionswissenschaft. Theoretische und methodische Grundüberlegungen (2008), In: Michael Klöcker/Udo Tworuschka (Hg.): Praktische Religionswissenschaft. Ein Handbuch für Studium und Beruf, Köln, Weimar, Wien 2008, S. 13-24.
Vordenker der Praktischen Religionswissenschaft (Hörfunkserie)
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