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Nach einer erfolgreichen Erneuerungsphase muss sich unsere Universität in einem Umfeld erschwerter Rahmenbedingungen zurechtfinden, die bedrückend und chancenreich zugleich sind. Die finanziellen Restriktionen und die damit verbundenen Belastungen werden andauern. Die Friedrich-Schiller- Universität (FSU) muss sich einem in vielen Fächerkulturen längst weltweiten Wettbewerb stellen. Mittelfristig werden sich Forschungs- und Organisationsstrukturen, Entwicklungsplanung und Studiengänge erheblich verändern. Dabei sind die demographischen Faktoren noch gar nicht berücksichtigt, die weitere Herausforderungen mit sich bringen werden.
Handeln anstatt nur zu reagieren
Es wird darauf ankommen, dass die Universität als Ganze in einem Klima offener Diskussion und Kooperation die notwendigen, gelegentlich auch schwierigen und schmerzlichen Entscheidungen trifft. In einem zweiten Erneuerungsprozess müssen wir Schwerpunktbildungen fördern und das fachliche und interdisziplinäre Profil der Universität stärken, ohne deshalb das Konzept der Volluniversität zu gefährden. Wir benötigen eine langfristige Strategie, um herausragende Qualität und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern oder zu erreichen. Selbst handeln ist allemal besser als nur passiv zu reagieren.
• Für Forschung und Lehre müssen Zielvereinbarungen im Dialog mit den Fakultäten entwickelt werden. Bereiche, in denen bereits jetzt Spitzenforschung betrieben wird, sollten gestärkt, in anderen Bereichen die Forschungsorientierung unterstützt werden.
• Eine studierendenfreundliche Universität sollte neue Wege in der Lehre beschreiten und Anstöße zur Studienreform geben. Dazu sollten durchsichtige und angemessene Qualitätskriterien für die Gestaltung der Studiengänge entwickelt und vielleicht in einigen Bereichen bewusst der Schwerpunkt auf exzellente Lehre gelegt werden.
• Die FSU sollte die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu einer zentralen Aufgabe der nächsten Jahre machen und auch dadurch an internationaler Attraktivität gewinnen.
Solche Ziele lassen sich nicht „von oben“ durchsetzen, sondern müssen im gemeinsam erarbeiteten Konsens der Fakultäten und der in Forschung und Lehre Tätigen erreicht werden. Eine wichtige Voraussetzung ist eine mittelfristige Finanz- und Entwicklungsplanung, die Planungssicherheit und Verlässlichkeit herstellt, ebenso wie eine gemeinsam zu erarbeitende Verwaltungsreform, um die Strategie- und Innovationsfähigkeit unserer Universität zu stärken. Dass der Rektor die Gesamtverantwortung trägt, sollte einen breiten Diskussions- und Entscheidungsprozess nicht verhindern, der alle Mitglieder der Universitätsleitung, aber auch die Fakultäten und Fächer sowie die Verwaltung beteiligt und einbindet.
Weiterentwicklung und Profilierung unserer Universität hängen entscheidend davon ab, ob es gelingt, Entscheidungsprozesse transparent zu machen, mittelfristige Planungssicherheit und Verlässlichkeit herzustellen und ein Klima der Offenheit, der Kooperation und zielbewussten Innovationsbereitschaft innerhalb der Universität zu fördern. Zwar muss die Universität als Ganze Prioritäten in Forschung und Lehre setzen, doch können diese sachgerecht nur in den Fakultäten erarbeitet werden. In einer zu entwickelnden Zielvereinbarungskultur müssen Universitätsleitung und Fakultäten in ständigem Gespräch und nach der Festlegung gemeinsamer Ziele im Senat mittelfristige Prioritäten erarbeiten.
Klare Aufgaben für Prorektorate
In einer kollegial arbeitenden Universitätsleitung müssen die nunmehr drei Prorektorate einen klar umrissenen Aufgabenbereich und selbstständige Gestaltungsmöglichkeiten erhalten. Ein Prorektorat sollte weitgehend von der „Alltagsarbeit“ entlastet werden und sich ganz der Wettbewerbsfähigkeit unserer Universität widmen sowie Innovation, Profil- und Clusterbildung anstoßen und fördern.
Das zweite Prorektorat sollte den Bereich Forschung übernehmen. Zu nennen ist die Förderung von Forschungsschwerpunkten, Forschergruppen und Sonderforschungsbereichen, die Unterstützung der Drittmitteleinwerbung und die Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen. In den naturwissenschaftlichen und medizinischen Einrichtungen ist die Erneuerung der Großgeräte eine vordringliche Aufgabe.
Das dritte Prorektorat schließlich sollte den Bereich der Lehre, aber auch die gezielte Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses übernehmen. Dazu gehören neben der Förderung neuer und innovativer Studiengänge die Neustrukturierung der Studieneingangsphase in vielen Disziplinen, die Verbesserung der Postgraduiertenausbildung und die konsequente Entwicklung des Weiterbildungssektors. Die Unterstützung und Förderung junger Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sollte ein besonderer Schwerpunkt werden, der die Attraktivität unser Universität erhöht. Dazu müssen die entsprechenden Strukturen entwickelt werden, die frühe Selbstständigkeit und Arbeitsmöglichkeiten fördern.
Der Senat und seine Ausschüsse sollten als unverzichtbares Korrektiv zur Universitätsleitung verstärkt an den strategischen Planungen teilhaben. Eine Verwaltungsreform sollte es der Universitätsverwaltung erleichtern, neben ihren zahlreichen weiteren Aufgaben Entscheidungsgrundlagen für Universitätsleitung und Senat zu erarbeiten.
Differenzierte Vielfalt ist ein Kennzeichen unserer Universität. Deshalb ist es unabdingbar, den Fächerkulturen ihren Notwendigkeiten entsprechend Gestaltungsspielräume auch organisatorischer Art einzuräumen. Im Besonderen gilt dies für die Medizinische Fakultät, die für ihren Klinikbereich neue Organisationsformen sucht, die den besonderen Erfordernissen des Wettbewerbs im Gesundheitswesen Rechnung tragen. Die Universitätsleitung sollte diesen Prozess konstruktiv begleiten.
Meine Erfahrungen und Kontakte in der nationalen und internationalen Hochschulpolitik würde ich gerne in den Dienst der FSU stellen. Es wird auch die Aufgabe des neuen Rektors sein, enge Kontakte „nach außen“ aufzubauen und die Erfahrungen anderer für unsere Universität fruchtbar zu machen. Wenn ich in der jetzigen Situation dazu beitragen könnte, die Stellung unserer Universität im deutschen, europäischen und internationalen Wissenschaftssystem zu stärken, empfände ich dies als lohnende Herausforderung. Reinhold R. Grimm |