Friedrich-Schiller-Universität Jena
 

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Rektorkandidaten

Rektorwahl
Am 1. September beginnt die vierjährige Amtszeit des 317. Rektors der Universität Jena. Die beiden Kandidaten präsentieren sich am 12. Mai vor dem Konzil, das den künftigen Rektor am 26. Mai wählt (jeweils um 16 Uhr in der Aula). Hier präsentieren die Kandidaten exklusiv für das Uni-Journal Jena ihr Programm.

Fit für Elite? Fit für Elite! von Prof. Dr. Klaus Dicke
Neue Herausforderungen für die FSU von Prof. Dr. Reinhold R. Grimm

 

Fit für Elite? Fit für Elite!

Die Friedrich-Schiller-Universität hat nach der aus eigener Kraft vollzogenen Wende in den vergangenen Jahren eine beachtliche Umbauleistung vollbracht. Gute Studienbedingungen, kurze Studienzeiten, in Forschung und Lehre starke Naturwissenschaften mit international ausstrahlenden Spitzenlichtern, breite Lehrangebote und sichtbare Forschungserfolge in den Geistes- und Sozialwissenschaften, nicht zuletzt exzellente Voraussetzungen für Interdisziplinarität - schrecken muss uns der Ruf nach Elitewettbewerb nicht!

Aber dessen Rahmenbedingungen haben sich rapide gewandelt. Neue Herausforderungen verlangen dynamischen, kreativen Innovationswillen: Modernisierung im Innern, eine konsequente Politik der Schwerpunktbildung, erhöhte Sichtbarkeit nach Außen, zielstrebige Internationalisierung sind Voraussetzungen, um im Elitewettbewerb zu bestehen.

Von Identität bis Studienreform

Folgende Programmpunkte sollen dem Rechnung tragen:
• Identität: Wo wollen die Fakultäten und die Universität in fünf Jahren stehen? Im intensiven Dialog zwischen Fakultäten und Universitätsleitung muss konzeptionelle Klarheit über Entwicklungsrichtung, Ziele, Maßstäbe und Kriterien für Schwerpunktbildung und Mittelverteilung herbeigeführt werden. Das setzt konsensorientierte konzeptionelle Führung ebenso wie kollegiale Entscheidungsfindung voraus. Akzeptanz von gemeinsam aus dem Innern der Universität heraus erarbeiteten Kriterien unter Berücksichtigung aller Stärken und Spitzenleistungen, in Forschung und Lehre, Weiterbildung und Dienstleistung ist unerlässlich. Der Weg zum Erfolg ist multifaktoriell.

• Modernisierung: Anstehende personelle Veränderungen müssen gezielt für eine Modernisierung von Universitätsleitung und -verwaltung genutzt werden. Ziele sind: Steigerung von Kreativität und Innovationskompetenz, stärkere Transparenz und Berechenbarkeit für die Fakultäten bei der Finanz-, Personal- und Infrastrukturentwicklung, Minimierung kreativitäts- und motivationshemmender Reibungsverluste.

• Internationalisierung: Über die Pflege und Nutzung bestehender Kooperationsbeziehungen hinaus muss in relevanten Wachstumsregionen „Graswurzelarbeit“ für nachhaltige Internationalisierung geleistet und von der Universität gefördert werden. Dabei sind auch Märkte für den Export von Lehr- und Weiterbildungsangeboten zu erschließen. Alle Forschungsressourcen Jenas müssen durch Standortwerbung der internationalen Forschung nutzbar gemacht werden. Jena muss zu einem Magneten für ausländische Spitzenforscher werden.

• Zukunftsfähigkeit: Die vorausschauende Verstetigung erreichter Spitzenpositionen ist ebenso erforderlich wie entschlossene Neugestaltung, wo Strukturwandel solche erfordert. In der Berufungspolitik muss höchste Sensibilität für eine gesicherte Weiterführung exzellenter Schwerpunkte - auch in der Lehre - walten. Zugleich müssen aber auch flexible und ggf. rasche Berufungsmöglichkeiten offengehalten werden, wo bzw. damit die Universität in neue Exzellenzbereiche vorstoßen kann.

• Universitätsmedizin: Die Universität kann sich ihrer Verantwortung für eine zukunftsweisende Struktur der Universitätsmedizin, die in besonderer Weise von Strukturwandel betroffen ist, nicht entziehen. Sie darf aber auch die Universitätsmedizin nicht aus ihrer Verantwortung für die Gesamtuniversität entlassen. Optimierung der Forschungskapazität und Ausbau qualitätsbewusster Lehre, autonome wirtschaftliche Führung für das Klinikum, schlanke Entscheidungsstrukturen und kurze Wege zwischen Klinikum, Fakultät, Universität und Landesregierung sowie Wahrung der berechtigten Interessen des Personals sind notwendige Eckpunkte.

• Autonomie: Eigenverantwortliches Entscheiden auf der Basis höchster und differenziertester Qualitätsstandards muss noch stärker das Bauprinzip der Universität werden. Selbstbewusste und selbstkritische Fakultäten und konzeptionsorientierte Gremienarbeit sind der Kern universitärer Autonomie. In der Auswahl der Studierenden und bei Berufungen sollte die eigenverantwortliche Handlungsfähigkeit der Universität ausgebaut werden.

• Nachwuchs: Der Universitätsnachwuchs in Deutschland steckt in einer Identitätskrise: Unsichere Zukunft, enorme Lehrbelastung, das unfertige Experiment der Junior-Professur mit nach wie vor unsicherem Ausgang, lukrative Alternativkarrieren außerhalb der Universität sind nur einige Gründe. Die Attraktivität der Universität für hochqualifizierten Nachwuchs muss gesteigert werden. Auch hier gilt: Schwerpunktbildung und Schwerpunktförderung kommt gerade auch dem Nachwuchs zugute.

• Lobbyarbeit und Sponsoring: Die Lobbyarbeit des Rektors muss sich auf optimale Kooperationsbedingungen mit Stadt und Land, auf Werbung für den Wissenschaftsstandort Jena - regional, national und international -, auf Kontakte mit der Wirtschaft und mit Fördereinrichtungen konzentrieren. Das anstehende Universitätsjubiläum 2008 muss für eine Sponsoring-Offensive genutzt werden.

• Studienreform: Die Modularisierung des Lehrangebots sowie die Qualitätssicherung der Lehre sind zielstrebig fortzuführen. Die zu forcierende Auseinandersetzung mit der Einführung konsekutiver Studiengänge eröffnet Chancen auch für neue, disziplinübergreifende Angebote. In der Studienberatung, v. a. bei der Studienentscheidung, und im Service-Angebot für Studierende sind Optimierungen vorstellbar.

Durch qualitätsbewusste Lehre, naturwissenschaftliche Forschung auf höchstem Niveau in enger Kooperation mit der Wirtschaft sowie durch geistes- und sozialwissenschaftliche Analyse der Probleme, die der Gesellschaft unter den Nägeln brennen, erfüllt die Friedrich-Schiller-Universität eine unverzichtbare Aufgabe für den Standort Thüringen; und dies unter deutlich suboptimalen finanziellen Bedingungen. Sie muss selbst durch Schwerpunktsetzung und mittelfristige Entwicklungsplanung in einem kollegialen, kooperativen und innovationsfreudigen Klima Erfolg programmieren und Maßstäbe im Elitewettbewerb setzen. Das dargelegte Programm nimmt diesen Eliteanspruch auf. Klaus Dicke

 

Prof. Dr. Klaus Dicke (50) hat seit 1995 den Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Jena inne.

Foto: Archiv

Homepage:
www.uni-jena.de/svw/powi/theorie/dicke.html

Neue Herausforderungen für die FSU

Nach einer erfolgreichen Erneuerungsphase muss sich unsere Universität in einem Umfeld erschwerter Rahmenbedingungen zurechtfinden, die bedrückend und chancenreich zugleich sind. Die finanziellen Restriktionen und die damit verbundenen Belastungen werden andauern. Die Friedrich-Schiller- Universität (FSU) muss sich einem in vielen Fächerkulturen längst weltweiten Wettbewerb stellen. Mittelfristig werden sich Forschungs- und Organisationsstrukturen, Entwicklungsplanung und Studiengänge erheblich verändern. Dabei sind die demographischen Faktoren noch gar nicht berücksichtigt, die weitere Herausforderungen mit sich bringen werden.

Handeln anstatt nur zu reagieren

Es wird darauf ankommen, dass die Universität als Ganze in einem Klima offener Diskussion und Kooperation die notwendigen, gelegentlich auch schwierigen und schmerzlichen Entscheidungen trifft. In einem zweiten Erneuerungsprozess müssen wir Schwerpunktbildungen fördern und das fachliche und interdisziplinäre Profil der Universität stärken, ohne deshalb das Konzept der Volluniversität zu gefährden. Wir benötigen eine langfristige Strategie, um herausragende Qualität und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern oder zu erreichen. Selbst handeln ist allemal besser als nur passiv zu reagieren.

• Für Forschung und Lehre müssen Zielvereinbarungen im Dialog mit den Fakultäten entwickelt werden. Bereiche, in denen bereits jetzt Spitzenforschung betrieben wird, sollten gestärkt, in anderen Bereichen die Forschungsorientierung unterstützt werden.

• Eine studierendenfreundliche Universität sollte neue Wege in der Lehre beschreiten und Anstöße zur Studienreform geben. Dazu sollten durchsichtige und angemessene Qualitätskriterien für die Gestaltung der Studiengänge entwickelt und vielleicht in einigen Bereichen bewusst der Schwerpunkt auf exzellente Lehre gelegt werden.

• Die FSU sollte die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu einer zentralen Aufgabe der nächsten Jahre machen und auch dadurch an internationaler Attraktivität gewinnen.

Solche Ziele lassen sich nicht „von oben“ durchsetzen, sondern müssen im gemeinsam erarbeiteten Konsens der Fakultäten und der in Forschung und Lehre Tätigen erreicht werden. Eine wichtige Voraussetzung ist eine mittelfristige Finanz- und Entwicklungsplanung, die Planungssicherheit und Verlässlichkeit herstellt, ebenso wie eine gemeinsam zu erarbeitende Verwaltungsreform, um die Strategie- und Innovationsfähigkeit unserer Universität zu stärken. Dass der Rektor die Gesamtverantwortung trägt, sollte einen breiten Diskussions- und Entscheidungsprozess nicht verhindern, der alle Mitglieder der Universitätsleitung, aber auch die Fakultäten und Fächer sowie die Verwaltung beteiligt und einbindet.

Weiterentwicklung und Profilierung unserer Universität hängen entscheidend davon ab, ob es gelingt, Entscheidungsprozesse transparent zu machen, mittelfristige Planungssicherheit und Verlässlichkeit herzustellen und ein Klima der Offenheit, der Kooperation und zielbewussten Innovationsbereitschaft innerhalb der Universität zu fördern. Zwar muss die Universität als Ganze Prioritäten in Forschung und Lehre setzen, doch können diese sachgerecht nur in den Fakultäten erarbeitet werden. In einer zu entwickelnden Zielvereinbarungskultur müssen Universitätsleitung und Fakultäten in ständigem Gespräch und nach der Festlegung gemeinsamer Ziele im Senat mittelfristige Prioritäten erarbeiten.

Klare Aufgaben für Prorektorate

In einer kollegial arbeitenden Universitätsleitung müssen die nunmehr drei Prorektorate einen klar umrissenen Aufgabenbereich und selbstständige Gestaltungsmöglichkeiten erhalten. Ein Prorektorat sollte weitgehend von der „Alltagsarbeit“ entlastet werden und sich ganz der Wettbewerbsfähigkeit unserer Universität widmen sowie Innovation, Profil- und Clusterbildung anstoßen und fördern.

Das zweite Prorektorat sollte den Bereich Forschung übernehmen. Zu nennen ist die Förderung von Forschungsschwerpunkten, Forschergruppen und Sonderforschungsbereichen, die Unterstützung der Drittmitteleinwerbung und die Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen. In den naturwissenschaftlichen und medizinischen Einrichtungen ist die Erneuerung der Großgeräte eine vordringliche Aufgabe.

Das dritte Prorektorat schließlich sollte den Bereich der Lehre, aber auch die gezielte Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses übernehmen. Dazu gehören neben der Förderung neuer und innovativer Studiengänge die Neustrukturierung der Studieneingangsphase in vielen Disziplinen, die Verbesserung der Postgraduiertenausbildung und die konsequente Entwicklung des Weiterbildungssektors. Die Unterstützung und Förderung junger Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sollte ein besonderer Schwerpunkt werden, der die Attraktivität unser Universität erhöht. Dazu müssen die entsprechenden Strukturen entwickelt werden, die frühe Selbstständigkeit und Arbeitsmöglichkeiten fördern.

Der Senat und seine Ausschüsse sollten als unverzichtbares Korrektiv zur Universitätsleitung verstärkt an den strategischen Planungen teilhaben. Eine Verwaltungsreform sollte es der Universitätsverwaltung erleichtern, neben ihren zahlreichen weiteren Aufgaben Entscheidungsgrundlagen für Universitätsleitung und Senat zu erarbeiten.

Differenzierte Vielfalt ist ein Kennzeichen unserer Universität. Deshalb ist es unabdingbar, den Fächerkulturen ihren Notwendigkeiten entsprechend Gestaltungsspielräume auch organisatorischer Art einzuräumen. Im Besonderen gilt dies für die Medizinische Fakultät, die für ihren Klinikbereich neue Organisationsformen sucht, die den besonderen Erfordernissen des Wettbewerbs im Gesundheitswesen Rechnung tragen. Die Universitätsleitung sollte diesen Prozess konstruktiv begleiten.

Meine Erfahrungen und Kontakte in der nationalen und internationalen Hochschulpolitik würde ich gerne in den Dienst der FSU stellen. Es wird auch die Aufgabe des neuen Rektors sein, enge Kontakte „nach außen“ aufzubauen und die Erfahrungen anderer für unsere Universität fruchtbar zu machen. Wenn ich in der jetzigen Situation dazu beitragen könnte, die Stellung unserer Universität im deutschen, europäischen und internationalen Wissenschaftssystem zu stärken, empfände ich dies als lohnende Herausforderung. Reinhold R. Grimm


Prof. Dr. Reinhold R. Grimm ist seit 1995 Lehrstuhlinhaber für Romanische Literaturwissenschaft (Französisch, Italienisch) an der Universität Jena.

Foto: Archiv

Homepage:
www.romanistik.uni-jena.de/grimm/

letzte Änderung:  am 2009-09-17 18:32:06   © FSU Jena nach oben  Seitenanfang