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„Es ist total schön“

Das Gästebuch erzählt über Schillers Gartenhaus

Friedrich Schiller, seit 1789 in Jena ansässig, kaufte das Gartenhaus vor den Toren der Stadt im März 1797 für 1050 Taler. Mit seiner Frau Charlotte, mit seinen zwei kleinen Söhnen und mit drei Dienstboten verbrachte er hier die Sommermonate der Jahre 1797 bis 1799. In dieser Zeit entstanden viele seiner Balladen, wesentliche Teile der Dramentrilogie „Wallenstein" sowie der Anfang von „Maria Stuart".

Heute ist das Gartenhaus, das zur Friedrich-Schiller-Universitt gehört, gut gerüstet für den erwarteten Besucherstrom im Schiller-Jubiläumsjahr 2005. Die Zahl der Besucher ist aber schon in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen: von ca. 5000 im Jahr 2000 auf ca. 7000 im Jahr 2004. Die erwartet deutliche Steigerung im Jubiläumsjahr hat sich bereits in den ersten Monaten des Jahres 2005 bemerkbar gemacht.

Ausländische Gäste kommen, um den authentischen Ort zu besuchen, in dem Schiller drei Sommer verlebte. Die meisten von ihnen sind Holländer, aber es kommen auch Gäste aus den USA, aus Japan, aus Australien, aus England, aus der Schweiz, aus Russland etc. Ins Gästebuch, das einen wunderbaren Spiegel für das Erleben von Schillerhaus und Garten darstellt, schrieb ein Besucher aus Tschechien: „‘Durch diese hohle Gasse muss er kommen...’ Das Schillergässchen war alles andere als ‚hohl’ und trägt wesentlich zum kulturellen Erbe Jenas bei".

Natürlich werden auch offizielle und wissenschaftliche Gäste der Universität gern hierher geführt, im Garten lässt es sich gut plaudern. Und für deutsche Jena-Touristen gehört das Gartenhaus ebenfalls zum Besuchsprogramm. Es gibt inzwischen Reiseführer, die kontinuierlich mit ihren Gruppen an diesen Ort kommen, wo einst ein großer Geist gewirkt hat – eigentlich zwei große Geister, denn auch Ernst Abbe wohnte hier.

Alle Gäste betonen, dass das Besondere die Atmosphäre ist, die die Räume und der Garten ausstrahlen. Immer wieder wird die sorgsame und damit überzeugende Rekonstruktion gelobt, die Haus und Garten zwischen 1987 und 1989 in alter Schönheit wiedererstehen ließ. Diese Erneuerung wurde in den folgenden Jahren fortgesetzt, unter anderem mit Spenden der Goethegesellschaft Hamburg, die Malerarbeiten im Flur erlaubten. Eine generöse Spende der Jenoptik AG ermöglichte im Herbst 2004 eine dringend notwendig gewordene Rekonstruktion der Fensterfront der Veranda nach alten Plänen.

2003 wurde in den unteren Räumen des Schillerhauses eine neue Ausstellung installiert, die vor allem Schillers Jenaer Jahre und sein Verhältnis zum Garten authentisch darstellt. Gerne verweilen die Besucher hier. Ein Gast schrieb dazu: „Eine liebevoll gestaltete Gedenkstätte. Künstlerisch-typographisch hervorragend sind die prachtvollen Schaukästen im Erdgeschoß."

 
Aktueller Blick auf die frisch renovierte Veranda von Schillers Gartenhaus.
Foto: Scheere


 

 

Die Einträge im Gästebuch belegen die Attraktivität von Schillers Gartenhaus als musealer Stätte.

Foto: Scheere

 

Besucher mit enormem Wissen

Wenn der Besucherstrom es zulässt, werden die Gäste auch individuell durchs Haus geführt. Die Gespräche mit ihnen lassen den Ort noch lebendiger werden und überraschen oft: Das Wissen vieler Besucher über Schiller ist enorm. Nicht nur seine Biographie ist ihnen geläufig, auch vom Werk ist manches im Gedächtnis. Wenn bei Führungen Schillers Ballade „Der Handschuh" am authentischen Ort rezitiert wird, können sie auch Schüler manchmal auswendig. Da immer mehr Schulklassen das Haus besuchen, wurden für sie – aber auch für andere Gäste – als spezieller Anreiz historische Kostüme angefertigt. So, auch optisch in die Klassik zurückversetzt, können Schüler – meist gut vorbereitet – ihre Klassenkameraden durchs Haus führen. Im Gästebuch kann man dann nachlesen, wie „toll es gewesen wäre im kleinen Häuschen". Und Franziskus schrieb: „Ich interessiere mich ja für Geschichte und das Haus war sehr schön. Ich konnte auch noch ein bisschen dazulernen. Es ist total schön!!!!! Außerdem fand ich die Details schön. Vor allem der Garten." Josefine (10 Jahre alt) schrieb ins Gästebuch: „Der Garten war eine Pracht." Und auch die – derzeitigen und künftigen – Begleiter nehmen Neues aus Jena mit in ihre Schulen. So schrieben etwa Referendarinnen vom Studienseminar Jena ins Buch: „Es war ein wunderschöner Vormittag mit vielen Anregungen für die schulische Arbeit. Wir bedanken uns vielmals für die nette Betreuung und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen." Ein Wiedersehen mit Haus und Garten.

Ja, der Garten. Er ist eine wahre Oase in der Innenstadt, selbst wenn seine Pflege nicht unproblematisch ist. Ostern suchen hier in einer schon Tradition gewordenen Veranstaltung mehr als 50 Kinder der Stadt „ihr" Osternest. Im Oktober soll erstmals ein Apfelfest gefeiert werden, denn Schiller hatte es ja mit Äpfeln – faule Äpfel in der Schublade, der Apfelschuss im „Tell". Der Jugendtheaterclub war 2004 ebenfalls innovativ aktiv. Trotz der Furcht, der Außenlärm würde die Inszenierung zu sehr stören, hat er auf der Wiese eine Collage aus Briefen, Gedichten, Balladen und Dramenausschnitten Schillers geboten. Diese Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden.

Doch Schillers Gartenhaus lädt nicht nur tagsüber zum Besuch ein, es lebt oft auch am Abend. Seit mehr als zehn Jahren finden in der Veranda Lesungen, kleine Konzerte und Vorträge statt. Meist steht die klassische Zeit im Mittelpunkt, aber auch die moderne Dichtung erhält ihren Raum. Virginia Woolf war ebenso Thema wie die Literatur-Nobelpreisträgerin 2004 Elfriede Jelinek. In den letzten Jahren hat sich ein Kreis an Referenten und Künstlern gebildet, der immer wieder ein anregendes Jahresprogramm garantiert, ergänzt durch ständig neue Angebote. Die kommen auch von Besuchern, die so angeregt vom klassischen Ort sind, dass sie sich gern hier produzieren möchten. Eine Schauspielerin aus Augsburg bot so nach einem touristischen Besuch ein für ihr Theater konzipiertes Programm an und „spielte" Schillers Leben in der Veranda. Es gibt inzwischen eine Art Stammpublikum, aber immer wieder auch neue Gesichter – zunehmend werden das Museum und die Veranstaltungen von Studierenden angenommen. Im Schiller-Jahr 2005 lädt ein umfangreiches Veranstaltungsangebot (www.uni-jena.de/Gartenhaus.html) dazu ein, den besonderen Reiz des Ortes kennen zu lernen.

 
Schiller liebte die Ruhe in seiner „Gartenzinne".
Foto: Archiv

 

 

Sitz des CEJ

Durch das Collegium Europaeum Jenense an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (CEJ) wird das Haus zusätzlich belebt. Vorträge, Beratungen, Empfänge finden in der Veranda statt. Schließlich hat das CEJ im Haus sein Büro.

Sonntags im Sommerhalbjahr führt zusätzlich eine Studentin durchs Haus. Das ist ebenso eine Bereicherung, wie auch die Entscheidung der Universitätsleitung, im Schillerjahr die Öffnungszeiten zu verlängern (11-17 Uhr). Das Publikum dankt es.

Christine Theml

 

 

 

 

 

 

 

letzte Änderung:  am 2009-09-17 18:33:05   © FSU Jena nach oben  Seitenanfang