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Zu einer ernsten Krise kam es im Jahre 1791. Schiller befiel nach einem Konzert ein schweres Katarrhfieber mit Seitenstichen, was auf eine Rippenfellentzündung deutet. Freunde vermuteten damals bereits eine „Lungensucht" (Lungentuberkulose), da Schiller bei einem Rückfall der Erkrankung elf Tage später Blut spuckte. Hoffnungsvoll schrieb der Arzt Schiller jedoch: „Der blutige Auswurf färbte sich bald ein und hatte guten Eiter. Nur die üble Einmischung des Unterleibes machte das Fieber compliciert". Rührend kümmerten sich die Studenten und Freunde um den kranken Professor. Sie teilten sich die Nachtwachen, darunter war auch der junge Novalis, der später selbst 29-jährig an Tuberkulose starb.
Zu einem erneuten und lebensbedrohenden Rückfall kommt es im April 1791. Der seit eineinhalb Jahren verheiratete junge Mann hatte Schüttelfrost und Schocksymptome. Nach einem schweren Atemnotanfall kommt es zum Verlust der Sprache. Schiller erholt sich, aber die krampfartigen Schmerzen des Unterleibes (vermutlich durch eine Tuberkulose bedingte Bauchfellentzündung) breiten sich in der Folge auf den gesamten rechten Unterleib aus.
Verfrühte Totenfeier
Nach der schweren Erkrankung Schillers kam im Mai 1791 das Gerücht auf, dass er verstorben sei. In Kopenhagen veranstalteten Schillers dänische Freunde bereits eine Totenfeier.
Der weitere Krankheitsverlauf entspricht dem Verlauf einer unbehandelten Organtuberkulose mit vorwiegendem Befall von Lunge und Darm. Dabei können Phasen von Erkrankung und Erholung abwechseln. Diese Situation charakterisiert Schillers Krankengeschichte in den folgenden 14 Jahren von 1791 bis 1805.
Bereits 1792 kommt es zu einem erneuten Krankheitsschub. Schiller macht sich „auf mehrere Stürme" in den nächsten Jahren gefasst. Die wiederkehrenden Unpässlichkeiten belasteten Schiller sehr. Er schreibt seinem einstigen Mitstudenten, dem Arzt Fr. W. von Hoven im Oktober 1792 auf das gemeinsame Medizinstudium reflektierend: „Schwer hat mich die Hippokratische Kunst für meine Apostasie (Abkehr) bestraft. Da ich nicht mehr ihr Jünger sein wollte, hat sie mich unterdessen zu ihrem Opfer gemacht". Immer wieder fasst er jedoch neuen Lebensmut. „So lange meine Krankheit fortfährt wie bisher mein Gemüth zu verschonen, werde ich mich nicht für unglücklich halten", schrieb er noch 1792. Im Folgejahr teilt er jedoch bedrückt seinem Dresdner Freund Körner mit: „ ...jedes Zeichen im Tierkreis bringt mir ein anderes Leiden". Mitunter kommt er im Winter monatelang nicht an die frische Luft. Seine Vorlesungstätigkeit an der Universität muss er einstellen.
Mahnung an die Lebenden – in Todesangst 1791 geschriebene Zeilen des schwer Erkrankten: „Sorgt für eure Gesundheit, ohne diese kann man nicht gut seyn".
Krankheit spornt an
Schiller fühlt sich in seiner Arbeitsfähigkeit gehemmt. Die Beeinträchtigung seiner Arbeit wird in einer Aussage vom 27. Mai 1793 besonders deutlich: „Das alte Übel regt sich bei diesem unbeständigen Wetter so oft und hält gewöhnlich so hartnäckig an, dass ich immer von 3 Tagen 2 verliere und in den guten Intervallen eilen muss, um nur das Notwendigste an meinen Geschäften zu fertigen". Die Krankheit bricht Schiller jedoch nicht, sie spornt ihn sogar an: „...ich werde tun, was ich kann und wenn endlich das Gebäude zusammenfällt, so habe ich doch vielleicht das Ehrhaltenswerte aus dem Brande geflüchtet". Dieses Ziel bestimmte nun sein Leben. Sein Körper verbrannte dabei z. T. im Feuer seines Geistes. Häufig stimulierte sich Schiller – der Nachtarbeiter war, da er zu dieser Zeit mit weniger Schmerzen arbeiten konnte – mit Kaffee, Likör und Schnupftabak. Auch rauchte er. Inspirierend wirkte auf ihn der Geruch faulender Äpfel.
Nach dem Freundschaftsbund mit Goethe 1794, der Schiller vitalisierte, wurden 1797 und 1798 die Zeitschriften „Die Horen" und „Xenien" herausgegeben, 1797 und 1798 folgten die Balladenjahre, 1798 wird „Wallensteins Lager" in Weimar aufgeführt. 1800 erkrankt Schiller erneut, dieses Mal an einem Nervenfieber. Im darauf folgenden Jahr schreibt er dem vertrauten Freund Körner nach Dresden: „Es ist nichts als die Tätigkeit nach einem bestimmten Ziel, was das Leben erträglich macht." Wieder gewonnene Kräfte erlauben Schiller 1802 Reisen nach Dresden und 1804 nach Berlin. Schon während des kurzen Berlinaufenthaltes musste er Termine absagen, vor der Rückkehr erkrankte er in Weimar an der „roten Ruhr" mit extremen Schmerzen.
Die letzte Erkrankung begann am 1. Mai 1805. Nach einem Besuch des Weimarer Theaters erlitt Schiller einen Fieberanfall, starker Husten und ein langanhaltender Fieberkrampf folgten. Schiller nahm unter Tränen von seinem neuneinhalb Monate alten jüngsten Kind Emilie Abschied, dann wurde er bewusstlos – und erwachte nicht wieder. Ein großes, von körperlichem Leid begleitetes Leben, das den Mitmenschen und nachkommenden Generationen gewidmet war, war zu Ende gegangen. Der Körper war im Kampf zerbrochen, das so schwer geschaffene Werk aber lebt über die Jahrhunderte weiter.
Das Ausmaß der Zerstörung des Körpers zeigte die Obduktion, welche die Zerstörung von Lunge, Nieren, eine Schrumpfung des Herzmuskels und die Schädigung des Darms erschreckend sichtbar machte. Im Sektionsprotokoll heißt es: „Die rechte Lunge mit Pleura (Rippenfell) von hinten nach vorne und selbst mit dem Herzbeutel ... so verwachsen, dass es kaum mit dem Messer separat zu trennen war. Die Lunge war faul und brandig, breiartig und ganz desorganisiert. Auf der rechten Seite alle Därme mit den Peritonäum (Bauchfell) verwachsen. Das Herz stellte einen leeren Beutel dar und hatte sehr viele Runzeln, war häufig ohne Muskelsubstanz. Die rechte und linke Niere in ihrer Substanz aufgelöst und völlig verwachsen. Der obduzierende Arzt Dr. Huschke schrieb an den Weimarer Herzog Carl August: „Bei diesen Zuständen muss man sich wundern, wie der arme Mann so lange hat leben können".
Der Arzt Friedrich Schiller hat einst in einer seiner schwersten gesundheitlichen Krisen (1791) mit zittriger Hand für seine Nächsten auf einen Zettel geschrieben: „Sorgt für eure Gesundheit, ohne diese kann man nicht gut seyn". Diese zeitlose Aussage Schillers sollte vor allem auch von uns Heutigen als lebensnahes Vermächtnis beherzigt und im täglichen Leben verwirklicht werden.
Volker Hesse
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