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Schiller auf dem Wege zu seiner Antrittsvorlesung in das Griesbachhaus

Ein Gemälde von Erich Kuithan und eine Route durch die Stadt

„Schiller auf dem Wege zu seiner Antrittsvorlesung in das Griesbachhaus am 26. Mai 1789". Unter diesem Titel gestaltete der Jenaer Künstler Erich Kuithan (1875-1917) in den Jahren 1909/10 ein großformatiges Historiengemälde, auf dem das grandiose, aufsehenerregende Ereignis festgehalten ist.

Friedrich Schiller wurde Anfang des Jahres 1789 als außerordentlicher Professor für Geschichte nach Jena berufen. Für das Sommersemester 1789 hatte Schiller eine „Einleitung in die Universalgeschichte" angekündigt. Er eröffnete sie am 26. Mai 1789 mit einer zweistündigen unentgeltlichen Antrittsrede über das Thema Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?". „Rühmlich und tapfer", wie er seinem Freunde Gottfried Körner berichtete, bestand er „das Abentheuer auf dem Katheder".

Für seine Antrittsvorlesung bekam Schiller den Reinholdschen Hörsaal, der in der Johannisstraße lag, zur Verfügung gestellt. Doch der erwies sich rasch als zu klein. Denn die Jenaer Studentenschaft hatte die Berufung Schillers des Dichters der „Räuber", auf dessen Titelblatt „in Tyrannos" stand – zum Geschichtsprofessor ihrer Universität mit großer Begeisterung aufgenommen. Der Theologieprofessor Johann Jakob Griesbach, der damals den größten Hörsaal Jenas besaß, bot Schiller an, seine Vorlesung dorthin zu verlegen.

Auf Kuithans Gemälde ist der Gang zur Antrittsvorlesung dargestellt, den Schiller in dem Brief vom 28. Mai 1789 an Gottfried Körner beschreibt: „Alles stürzte ... in einem hellen Zuge die Johannisstraße hinunter ... sie liefen, was sie konnten, um im Griesbachschen Auditorium einen guten Platz zu bekommen ... was ist’s denn, was gibt’s denn? hieß es überall. Da rief man denn: der neue Professor wird lesen. Ich zog also durch eine Allee von Zuschauern und Zuhörern ein ..."

Über 500 Studenten, mehr als die Hälfte der damals Immatrikulierten, lauschten den Ausführungen des Dichters. Schiller stellte dem kleinlichen, in seiner Auffassung beschränkten „Brotgelehrten" den nach großen politischen Zusammenhängen strebenden „philosophischen Kopf" gegenüber. Seine Antrittsrede ist von einem grenzenlosen Gegenwarts- und Zukunftsoptimismus getragen. Schiller wurde mit ungeheurer Begeisterung gefeiert. „Meine Vorlesung machte Eindruck, den ganzen Abend hörte man in der Stadt davon reden, und mir widerfuhr eine Aufmerksamkeit von den Studenten, die bey einem neuen Professor das erste Beispiel war ... bekam eine Nachtmusik und Vivat wurde 3mal gerufen," berichtete Schiller seinem Freunde Körner.

 
Das Gemälde von Erich Kuithan hängt heute im Beratungsraum des Rektors.
Foto: Scheere

 

Erich Kuithan.
Gemalt von seinem Schüler Gotthilf Schall (1908)

 

Teil eines Historienbilder-Zyklus’

Kuithans Gemälde gehört zu einem Zyklus von fünf Historienbildern, die vom Bund alter Studenten zur Einweihung des neuen Universitätshauptgebäudes im Jahre 1908 – zugleich die 350-Jahrfeier der Universität Jena – gestiftet wurden. Die fünf Historienbilder stellen wichtige Stationen zur Geschichte der Universität dar. Heute hängt das Bild mit dem Schiller-Thema im Beratungsraum des Rektors im Universitätshauptgebäude.

Am linken Bildrand leicht zu erkennen ist die hochaufragende Gestalt Schillers, für die übrigens der zweite Sohn von Siegfried Czapski, ein langjähriger Freund und Mitarbeiter Ernst Abbes, Modell gestanden hatte. Vor ihm bückt sich ein Student nach einem Heft, auf dem steht „Propter pec." (propter pecuniam = fürs Geld). Dies ist eine Anspielung des Künstlers auf die von den Auftraggebern verlangten wesentlichen Änderungen am Bild. Kuithan war gezwungen, die künstlerisch großzügigeren Entwürfe, auf denen der Strom der Menschenmenge bildbestimmend ist, zugunsten der Darstellung des Griesbachschen Hauses im Hintergrund völlig zu ändern. Er kam damit einer Forderung der Auftraggeber nach, Dominanten des Stadtbildes von Jena im Gemälde wiederzuerkennen.

 
Das Griesbachsche Haus am Löbdergraben um 1830, in dessen Anbau Schiller seine Antrittvorlesung hielt.
Foto: Archiv

Die Entwürfe zu dem Gemälde befinden sich zum Teil in Privatbesitz. Einen dieser Entwürfe besitzt die Familie Samwer in Lübeck, auf dem die Begeisterung der Menschenmenge zum Ausdruck kommt. Davon hat die Jenaer Künstlerin Gerlinde Böhnisch-Metzmacher 1989 eine Kopie gefertigt, die in Schillers Gartenhaus zu sehen ist.

Trotz der Unstimmigkeiten mit seinen Auftraggebern fand Kuithan großen Gefallen daran, das Thema um Friedrich Schiller bildkünstlerisch zu gestalten. Denn er fühlte sich dem Dichter seelenverwandt und spürte ebenfalls die Ahnung eines frühen Todes in sich. In seinem gesamten Oeuvre blieb der Mensch das beherrschende Thema.

Erich Kuithan war Direktor der von der Carl-Zeiss-Stiftung errichteten Zeichenschule, deren Sitz im Volkshaus war. Er entwarf 1904 u. a. das Zeiss-Warenzeichen, das um die ganze Welt ging.

Das Hörsaalgebäude, in dem Schiller seine berühmte Antrittsvorlesung hielt, ließ der Theologieprofessor Johann Jakob Griesbach (1745-1812) im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts in südlicher Richtung an sein stattliches Wohnhaus am Löbdergraben anbauen. Es war der zur damaligen Zeit größte Privat-Hörsaal in Jena. Zwischen dem Wohnhaus, dem ehemaligen Kanzleigebäude des Schlosses, und dem Hörsaalanbau bestand ein Übergang im Dachgeschoss desselben, der heute noch an der Nahtstelle beider Gebäude von der Straße aus sichtbar ist.

Vom 19. Jahrhundert an bis hin zum Zweiten Weltkrieg diente der Gebäudekomplex verschiedenen universitären Zwecken; er wurde vor allem von dem Landwirtschaftlichen Institut der Universität genutzt. Während das Griesbachsche Wohnhaus im Zweiten Weltkrieg durch Bombeneinwirkung zerstört wurde, so dass heute nur noch die Umfassungsmauern des Erdgeschosses vorhanden sind, ist der Hörsaalanbau erhalten geblieben. Im Laufe der Zeit ist das Gebäude, vor allem im Innern, mehrfach umgebaut worden, um den geänderten Nutzungsbedingungen gerecht zu werden. Genutzt worden ist der Hörsaalanbau in den vergangenen Jahrzehnten von der Papierrestaurationswerkstatt, die inzwischen in den Neubau der Universitätsbibliothek umgezogen ist.

Es besteht nunmehr die Chance, den historischen Hörsaalanbau wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen und dadurch die Erinnerung an Friedrich Schiller, den Namensgeber der Universität, zu bewahren. Da sich die über 200 Jahre alte Bausubstanz in schlechtem Zustand befindet, erscheinen jedoch umfangreiche bauliche Restaurierungsmaßnahmen notwendig.

Anka Zinserling

 

 

 

 

 

 

 

 

letzte Änderung:  am 2009-09-17 18:32:54   © FSU Jena nach oben  Seitenanfang