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2.4 Internationalität und Regionalität


Die Wissenschaft ist international und jede Universität deshalb, wo
immer sie auch liegt, ein internationaler Ort. Durch die Vorliebe vieler
Abiturientinnen und Abiturienten für ein wohnortnahes Studium und
durch die Politik der Bundesländer indes sind die deutschen Universitäten
zugleich stark regional geprägt. Es ist von jeher ihre Aufgabe, zwischen
dieser Regionalität und der Internationalität der Wissenschaft zu
vermitteln.

Der Bologna-Prozess bringt hierfür insofern eine kleine Verbesserung, als
er standardisierte englischsprachige Studiendokumente (Diploma-Supplements)
verlangt. Sie sind geeignet, die Inhalte und Qualifizierungen
eines Studiengangs weltweit verständlich zu dokumentieren. Das andere
politische Ziel - die Steigerung der Mobilität während des Studiums -
wird dagegen kaum erreicht. Die Chance der gestuften Abschlüsse liegt
darin, dass sie zur Mobilität zwischen den Studienabschnitten anregen.
Die Master-Programme gewinnen dadurch eine neue Möglichkeit - und
zugleich auch die universitätsstrategische Verpflichtung, auf überregionale
und internationale Nachfrage zu zielen. Innerhalb der Abschnitte
jedoch wird der Wechsel durch die höhere Regelungsdichte der neuen
Bachelor- und Mastercurricula erheblich erschwert. Die konsekutiven
Studiengänge verlangen einen ebenso konsekutiven Ortswechsel. Ein integrierter
Ortswechsel, der sich bislang für jeden Studierenden zwischen
Grund- und Hauptstudium anbietet, wird in Zukunft schwieriger. Hier
bedarf es zusätzlicher Anstrengungen, um schon innerhalb der Bachelor-
Phase einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen. Diese Anstrengungen
müssen in jedem Falle angenommen und durch die Studienpläne bewältigt
werden. Denn es wäre ein Verlust, wenn der Bachelor in der Regel
ohne Studienortswechsel und ohne Auslandserfahrung bliebe. Bei der
Vorliebe für die ortsnahe Studienplatzwahl führte dies zur Provinzialisierung
des ersten Studienabschlusses. Der Effizienzgewinn des kürzeren
Studiums wäre zugleich eine deutliche Horizontverengung.

Im Kontrast zur Internationalisierung des Bologna-Prozesses stehen die
Ergebnisse der Föderalismus-Reform. Auch wenn das Kooperationsverbot
zwischen Bund und Ländern abgewendet wurde, werden die bisherigen
Gemeinschaftsaufgaben in der Hochschulfinanzierung nicht
in vergleichbarem Maße fortbestehen. Die Universitäten der finanzschwachen
Bundesländer fallen dadurch bei ihrer Vermittlungsaufgabe
zwischen Regionalität und Internationalität im Wettbewerb zurück. Es
ist schon jetzt so, dass die Finanz- und Wirtschaftsministerien der Länder
mehr Einfluss auf den Universitätsetat haben als die Wissenschaftsoder
Kultusministerien. Nimmt in Zukunft die Solidarität des Bundes
für die Hochschulfinanzierung ab, setzen sich die regionale Finanz- und
Wirtschaftsplanung als ratio der landeseigenen Universitäten und ihrer
Haushalte durch. Die Bedürfnisse des regionalen Arbeitsmarktes werden
zum Horizont der Hochschulpolitik. Profilierte Forscherpersönlichkeiten
und auch der Anspruch universitärer Bildung werden an die
Universitäten abwandern, die auf einen anderen Horizont hin gedacht
und gerechnet werden. Das Leitbild universitärer Bildung wird dann zu
einem Privileg einiger weniger, ausgewählter Einrichtungen.


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