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2.1 Die Stellung der Universität zwischen außeruniversitären Forschungs- und anwendungsorientierten Ausbildungseinrichtungen


Im heute existierenden System der Forschungs- und Bildungseinrichtungen
ist die Stellung der Institution "Universität" nicht hinreichend
klar und vor allem nicht überzeugend genug definiert. Die Frage ist,
ob diese Unklarheit auf eine ungenügende Klärung der Sache selbst,
also einen Mangel binnenuniversitärer Selbstreflexion, oder auf eine
unzureichende Außendarstellung und dementsprechende
Rezeption in der Öffentlichkeit verweist. Deutlich sind jedoch die Folgen:
Diese Situation führt im Inneren zu Identifikationsproblemen und nach außen
zu Konsequenzen im Hinblick auf die Wirkung der Universität in die
Gesellschaft. Daraus resultiert unter anderem die relativ geringe Bereitschaft
politischer Entscheidungsträger zur Bereitstellung angemessener
finanzieller Mittel auch in Zeiten harter ökonomischer Zwänge.
Im Vergleich zur Universität scheinen die Aufgaben und Ziele der mit
der Universität konkurrierenden Einrichtungen entweder über Schwerpunkte
in der Forschung oder in der Lehre eindeutiger bestimmt. Dies
gilt einerseits für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen: Spitzenforschung
in der Grundlagenforschung zu leisten, ist das Prinzip der
Max-Planck-Institute; die Forschungsinstitute der Leibniz-Gemeinschaft
vereinen erkenntnisorientierte Grundlagenforschung mit angewandter
Forschung von überregionaler Bedeutung; die Helmholtz-Institute verfolgen
ein vergleichbares Ziel - und zwar auf ausgewählten sechs Forschungsbereichen
von überragender Anwendungsrelevanz. Andererseits erscheinen auch
außeruniversitäre Einrichtungen, die bevorzugt Ausbildung
betreiben, schärfer profiliert: Bildung im Sinne von Ausbildung
mit stark berufs- und praxisorientierter Ausrichtung ist der allgemein
anerkannte Grundsatz der Fachhochschulen und anderer Einrichtungen
wie z. B. der Berufsakademien oder (privater) Fachschulen.

In dieser typologischen Grundkonstellation stellt sich die Frage nach
dem Spezifikum universitärer Bildung in besonderer Weise: Was ist das
unverwechselbar Eigene der Universität, gibt es dies überhaupt oder ist
das Nachdenken darüber zwangsläufig ein wirklichkeitsfernes Denkkonstrukt?
Im Sinne der eingangs formulierten Leitvorstellung universitärer
Bildung liegt die Folgerung nahe: Damit die Institution Universität
zukünftig aus der unbefriedigenden Situation herauskommt, "nur" in
einer Art Zwischenstellung zwischen allen anderen Bildungs- und Forschungseinrichtungen
wahrgenommen zu werden, bedarf es der Klarstellung,
zusätzlicher Überlegungen und auch praktischer Maßnahmen.

Klarzustellen sind vor allem die potentiellen Alleinstellungsmerkmale der
Universität, die in keiner anderen Bildungs- oder Forschungseinrichtung
in dieser Form vorhanden sind und die von anderen Institutionen auch
zukünftig nicht übernommen werden können: An den Universitäten
wird deshalb die anspruchsvollste Art der Bildung vermittelt, weil Forschung
und Ausbildung hier eng miteinander verknüpft sein sollen (und
i. d. R. in der Realität auch sind). Die Verflechtung von Forschung und
Lehre ist jedenfalls der programmatische Anspruch, an dem sich universitäre
Praxis messen lassen muss und über den das Spezifikum universitärer
Bildung identifizierbar wird. Dies erst - so die These - ermöglicht
eine nachhaltige Persönlichkeitsentwicklung von Studenten im Sinne
der Heranbildung kritischer und selbständig denkender, hoch qualifizierter
Absolventen. Universitäre Forschung ist letztlich Forschung mit
Studenten und jungen Absolventen unter den Bedingungen der Ausbildung
- vom Inhalt her als erkenntnisorientierte Grundlagenforschung
und übergreifend auf zahlreiche Aspekte möglicher Anwendungen angelegt.
Und umgekehrt: Universitäre Ausbildung zielt auf einen forschungsgeleiteten
kritischen Umgang mit Dingen und Sachverhalten.

Um allerdings diesen spezifischen Anspruch der Universität und ihres
Bildungsangebots zukünftig erhalten, ausbauen und neuen Entwicklungen
anpassen zu können, muss er überhaupt erst einmal durchgesetzt
und gesellschaftlich akzeptiert werden. Das setzt voraus, dass der hier
formulierte Kern universitärer Bildung tatsächlich als essentielle Funktion
und Ausdruck der Universität begriffen wird. Die Heranbildung
hoch qualifizierter Absolventen und die Gewinnung grundlegender
neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse gehören im universitären Rahmen
untrennbar zusammen, und es ist für die Außendarstellung der
Universität eine zentrale Herausforderung, dass gesellschaftlich anerkannt
wird, wie unverzichtbar für die kulturelle, gesellschaftliche und
wirtschaftliche Entwicklung beide zusammengehörende "Produkte" der
Universität sind.

Erst wenn diese Anerkennung wirklich erfolgt ist, ist es möglich, eine
produktivere und offensivere Diskussion darüber zu führen, wie eine
Stärkung der Universitäten als Repräsentanten eines spezifischen Bildungsprogramms
erreicht werden kann. Die erhöhte Bereitstellung finanzieller
Mittel ist dabei eine wichtige Komponente. Sie wird gegenwärtig
unter den Bedingungen ökonomischer Restriktionen für einige
ausgewählte Universitäten angestrebt, indem Differenzierungsprozesse
zwischen den Universitäten genutzt und verstärkt werden, um Umverteilungsprozesse
zwischen ihnen einzuleiten. Als Ergebnis dieser Prozesse
werden einige Universitäten als Spitzenuniversitäten deklariert, ausgebaut
und hochwertig gefördert werden, so dass deren Leistungsvoraussetzungen
erheblich gesteigert werden. Für die Mehrzahl der Universitäten
aber trifft das nicht zu - mit der Folge, dass dort das Spezifikum
universitärer Bildung zunehmend in den Hintergrund gerückt wird und
prinzipiell gefährdet scheint, wenn nicht andere Maßnahmen ergriffen
werden, die dem entgegenwirken.

Es zeichnet sich für die Universität ein Dilemma ab, weil sie einerseits
die Anbindung aller Fächer an die Kopplung von Forschung und Ausbildung
gewährleisten sollte, um nicht innerhalb ihrer selbst "universitäre
Fachhochschulen" zu etablieren bzw. zu festigen. Andererseits besteht innerhalb
der Universitäten ein erheblicher Handlungsbedarf der Profilierung
und Akzentuierung, z. B. in dem Sinne, die intensive Verflechtung
von Forschung und Ausbildung in einzelnen definierten Fächern durch
Umverteilung innerhalb der Universität zu fördern - vielleicht auch um
den Preis der quantitativen Einschränkung in anderen Bereichen. Dies
ist eine Komponente, die angesichts ihrer Tragweite und langfristigen
Wirkung besonders verantwortungsvoller strategischer Entscheidungen
bedarf, die in einigen Universitäten noch ausstehen.


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