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Vorwort


Mit der hier vorgelegten Denkschrift "Universitäre Bildung" verfolgt
die Friedrich-Schiller-Universität Jena einen doppelten Zweck: Erstens
stellt die Denkschrift eine Art "mission statement", eine kritische Selbstverständigung
der Jenaer Universitätslehrer darüber dar, was unter den
heutigen Arbeitsbedingungen einer Universität als das proprium universitärer
Bildung anzusehen und als Leitfaden akademischer Lehre und
Forschung in Jena anzuerkennen ist. Zweitens will die Denkschrift
eine als dringend notwendig erachtete Diskussion über die inhaltlichen
Grundsätze und Prinzipien universitärer Bildung gerade in der hier
hervorgehobenen Verschränkung von Forschung und Lehre anstoßen
und insoweit einen Beitrag zu der allgemeinen universitätspolitischen
Debatte in Deutschland leisten. In beiden Intentionen versteht sie sich
vor allem auch als einen Akt und eine Dokumentation der Autonomie
der Universität, d. h. ihrer Verantwortung, das eigene Tun in professionellem
Selbstbewusstsein selbst zu bestimmen, zugleich aber auch öffentlich
darüber Rechenschaft abzulegen und seine Maximen der Kritik
mindestens der Fachöffentlichkeit auszusetzen.

Den Anlass für diese Denkschrift bot der Bologna-Prozess: Die Friedrich-
Schiller-Universität Jena hat sich mit der Akzeptanz nicht der Ziele
der Bologna-Reform, sehr wohl aber der sehr holzschnittartigen Strukturen
der BA/MA-Studiengänge einerseits und der Konsequenzen von
Modulen für das Verständnis von Studium andererseits recht schwer getan.
Zwei Gründe schienen dafür maßgeblich: Einmal war um die Mitte
der neunziger Jahre mit erheblichem Kraftaufwand eine komplette
Studienreform zum Abschluss gebracht worden, deren Ergebnisse schon
aufgrund beständig steigender Studierendenzahlen sich durchaus zu bewähren
schienen - warum also eine erneute Studienreform? Zum andern
wurde es als wenig sachgerecht empfunden, dass unter den für die
Umsetzung der Bologna-Reform angeführten Argumenten politische
und ökonomische Überlegungen dominierten (Angleichung an internationale
Formate, Reduzierung der Abbrecherquoten, Verkürzung der
Studienzeiten, "Praxisorientierung" des Studiums), akademische Fragen
der Studieninhalte und der Konsequenzen der BA/MA-Formate für die
im Studium zu vermittelnden akademischen Qualifikationen hingegen
eine nur untergeordnete Rolle spielten. Deutlich - so war die Wahrnehmung
- schien sich der Akzent von den Bildungsmomenten auf die Ausbildungseffekte
eines akademischen Studiums zu verlagern.

Auf diesem Hintergrund habe ich 2005 eine Kommission beauftragt, in
einer Denkschrift die Anforderungen an und das Selbstverständnis von
universitärer Bildung zusammenfassend darzustellen. Ihr gehörten die im
Autorenspiegel vorgestellten Mitglieder der Friedrich-Schiller-Universität
Jena (siehe Anhang) an; die Kommission stand unter der Leitung des damaligen
Prorektors für Lehre Prof. Dr. Stefan Matuschek. Das von der
Kommission erstellte Manuskript wurde im Sommer 2006 allen Professorinnen
und Professoren der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit der
Bitte um Kommentierung zugestellt. Die schriftlich eingegangenen und
mündlich zu Protokoll gegebenen Kommentare wurden von Prof. Dr. Dr.
Ralf Koerrenz so weit wie möglich in das Manuskript eingearbeitet, das
nach redaktioneller Überarbeitung noch einmal den Mitgliedern der
Kommission zur Endredaktion vorgelegt wurde. Herr Kollege Koerrenz
hat dankenswerterweise auch die Drucklegung begleitet.

Die Denkschrift wird bewusst an der Schwelle zur 450-Jahrfeier der
Friedrich-Schiller-Universität Jena im Jahr 2008 publiziert. Einerseits ist
die Umstellung auf die neuen Bologna-Studiengänge in ca. 80 % der an
der Friedrich-Schiller-Universität Jena angebotenen Studiengänge nunmehr
vollzogen. Die Vertreter der einzelnen Fächer der Universität sind
sich der Tatsache bewusst, dass in den kommenden Semestern sowohl
die Ausbildungsziele und damit die inhaltliche Ausgestaltung als auch
die Studierfähigkeit dieser Studiengänge in beständigem Dialog vor
allem mit den Studierenden ausgebaut und optimiert werden müssen;
hierzu sollen die Gedanken der Denkschrift nicht zuletzt Anstoß und
Hilfestellung geben. Andererseits will die Universität das Jubiläumsjahr
nutzen, um sich als eine ihrer Autonomie bewusste, und damit auch ihre
Tätigkeit dem öffentlichen Urteil aussetzende Universität zu präsentieren
und in den Veranstaltungen des Jubiläumsjahres konzentriert zur
Reflexion über die Aufgabe und das Selbstverständnis der Universität
beizutragen. Hierzu ist die Denkschrift ein erster Impuls. Sie versteht
sich bei aller Kritik nicht als Streitschrift gegen Bologna; vielmehr be-
müht sie sich in kritischer Auseinandersetzung mit den Bologna-Vorgaben
und in selbstkritischer Reflexion der jüngeren universitären Praxis,
"bona studia" zu ermöglichen - also um eine Klärung jenes universitären
Auftrages, den der erste Rektor der 1548 eingerichteten "Hohen Schule"
zu Jena uns ins Stammbuch geschrieben hat.

Den Autoren der Denkschrift und allen Kolleginnen und Kollegen, die
sich an der kritischen Diskussion in der Universität beteiligt haben, gebührt
der herzliche Dank der Universität. Dem Verlag IKS Garamond
Jena ist für die Zusammenarbeit mit der Universität bei der Drucklegung
zu danken. Jede Stellungnahme zu und Auseinandersetzung mit
der Denkschrift ist herzlich willkommen.

Jena, den 12. September 2007
Prof. Dr. Klaus Dicke,
Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena


   

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