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Gisela Horn


Gisela Horn

 

Gisela Horn - Jahrgang 1950, bekennende Leseratte - arbeitet heute als Privatdozentin für Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Jena.

Schon als Mädchen versunken in phantastische Welten und dann oft nicht ansprechbar, beschließt die gebürtige Geraerin 1969 ihre Passion zum Beruf zu machen: Sie beginnt ein Studium der Germanistik und Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Nach dem Abschluß ihres Studiums bleibt Frau Horn der Alma mater Jenensis treu und arbeitet nun als Literaturwissenschaftlerin an der Sektion Literatur- und Kunstwissenschaft; ihre Promotion widmet sie den autobiographischen Schriften Goethes, 1978 wird die Dissertation verteidigt.

Das Jahr 1982 beschert Gisela Horn einen 3000g schweren Höhepunkt im Privaten: ihre Tochter Karoline. Als alleinerziehende Wissenschaftlerin in der DDR profitiert Gisela Horn von staatlichen Unterstützungen, und sie kann natürlich ebenso auf Freundinnen zählen, die ihr bei der Betreuung ihrer Tochter zur Seite stehen - "DDR-Frauenalltag eben", kommentiert Frau Horn heute trocken. "Kinder machen stark, Sarah!", fügt sie noch hinzu, und ich glaube ihr aufs Wort, denn es scheint zu stimmen: Frau Horn beginnt ihre Habilitation zu Friedrich Schiller -wieder ein ganz Großer der deutschen Literatur als wissenschaftlicher Gegenstand-, die sie 1988 vollendet.

Die Bewegtheit der Wendezeit trägt die Aufbruchsstimmung bis in Gisela Horns Leben: Sie schiebt allen Zweifel beiseite und wagt ein Abenteuer - zusammen mit ihrer Tochter zieht sie nach Südfrankreich und wird dort 1991 für zwei Semester Dozentin an der Université Paul Valéry im malerischen Montpellier. Fast scheint es überflüssig hinzuzufügen, daß diese Zeit Schuld an Frau Horns ausgeprägter Begeisterung für das französische Savoir vivre trägt!

Nach ihrer Rückkehr bietet sich Gisela Horn die Möglichkeit, Beruf und Berufung erneut unter einen Hut zu bringen: Im Jahr 1993 löst sie Frau Dr. Christine Römer als Gleichstellungsbeauftragte der Friedrich-Schiller-Universität ab - ein Amt, das Frau Horn von nun an sage und schreibe zwölf Jahre innehaben wird. Heute noch läßt die Erinnerung an diese Zeit ihre Augen strahlen: "Beruf und Familie sind eben doch vereinbar: Beides wagen!" - die Erfahrung der eigenen Biographie vermittelt Frau Horn in dieser Zeit leidenschaftlich gern an junge Wissenschaftlerinnen und Mütter, die ratsuchend an ihre Tür klopfen. 1996 erscheint das Buch "Romantische Frauen", das die Autorin Gisela Horn schon allein aus dem Grund stolz machen kann, daß es sogar ins Japanische übersetzt wurde. Kurz darauf agiert Frau Horn auch als Herausgeberin: Pünktlich zum Jubiläum "90 Jahre Frauenstudium an der Universität Jena" erscheint die Festschrift "Die Töchter der Alma mater Jenensis".

Bereits zwei Jahre später veröffentlicht Gisela Horn erneut ein spannendes Buch zur lokalen Frauengeschichte: "Frauen in Jena. Entwurf und Wirklichkeit 1900 bis 1933". Ein zweiter Band wird folgen: "Anpassung, Verfolgung, Widerstand. Frauen in Jena 1933-1945". Ein wichtiger Schritt, um auf starke Frauen von damals aufmerksam zu machen, die auch heute noch Respekt verdienen - als zeitlose Vorbilder. "In Jena gab es keine Frauengeschichte - das war eine Herausforderung. Und danach war ich ein Stück größer.", so äußert sich Frau Horn heute über ihre Veröffentlichungen.

Als 2005 mit Dr. Elke Wendler eine gleichermaßen engagierte Nachfolgerin gefunden war, verabschiedet sich Gisela Horn mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem Gleichstellungsbüro, denn: Neue Aufgaben warten. Gisela Horn engagiert sich nun wieder verstärkt in der Literaturwissenschaft. Wichtig werden dabei zunehmend Forschungen zu aktuellen Neuerscheinungen, aber auch zur DDR-Literatur. In das Zentrum der letzten Jahre gerieten außerdem die Veröffentlichungen von jüdischen Schrifstellerinnen der 2. Generation nach der Shoah.

Mit neugewonnenem Schwung stürzt sich Frau Horn ebenso in ihre Lehrtätigkeit. Auch hier lernen die Studierenden schnell ihre soziale Ader und pragmatische Veranlagung zu schätzen: "Der direkte Kontakt zu Studierenden steht für mich immer im Vordergrund", so Frau Horn im Brustton der Überzeugung. Dabei sei es ihr besonders wichtig, gerade denjenigen zu helfen, die sich mit dem Studium schwertun: "Es kommt nicht nur auf Eliteförderung an".

Darüber hinaus versucht Frau Horn jedes Wintersemester aufs neue, ein studentisches Projekt in die breite Öffentlichkeit zu tragen: In Kooperation mit der Ostthüringer Zeitung erscheinen Literaturbesprechungen von Studenten in einer Samstagsausgabe und lassen die Studierenden ganz nah an der Praxis arbeiten - eine ganz besondere  und wichtige Erfahrung.

Heute lebt Gisela Horn in Dornburg und wird von Studierenden der Friedrich-Schiller-Universität als kompetente aber auch mütterlich-persönliche Ratgeberin sehr geschätzt. In gut gefüllten Lehrveranstaltungen vermittelt sie nicht nur Wissen, sondern auch ermutigende Lebensphilosophie, frei nach ihrem eigenen Credo: "Traut euch was! Seid mutig, macht was!"

Frau Horn ist eine starke Frau, die Gelegenheiten beim Schopf packt und ihr Glück selbst in die Hand nimmt. Sie hat es mehr als verdient, daß zur Abwechslung einmal über sie selbst geschrieben wird - das ist hiermit geschehen.

Das Gespräch führte Sarah Teicher.

- Vielen Dank an die Frauen von TOWANDA Jena,
die mir ihre Zitaterlaubnis gaben. -

 

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