Schnelleinstieg Reader

Home|Suche|Friedolin|Webmail de

Wortmarke FSU

Modell für den Biologieunterricht

Aus der Sammlung Biologiedidaktik:
Modell der Bohnenkeimung von Osterloh

FSU Slg Biologiedidaktik Bohnenmodell Osterloh

Bohnenkeimling. Osterloh-Modell Nr. 99a
Foto Michael Markert

Osterloh-Modelle: Phaseolus vulgaris, Bohnenkeimung
Inv. Nr. 00027
Maße: 59cm (H) x 23cm ()
Material: Gips, Metall, Papier, Holz
Herstellungszeit: vor 1950

Das Objekt des Monats Februar 2012 ist vom 25. Februar 2012 bis zum 30. Dezenber 2012 in der Sonderausstellung:
"Die Leidenschaften. Ein Drama in fünf Akten" am Deutschen Hygiene-Museum Dresden zu sehen

Die Sammlung der Arbeitsgruppe Biologiedidaktik umfasst zahlreiche Objektgattungen vom mikroskopischen Dauerpräparat über Dias und Folien bis hin zu Lehrmodellen und Wandtafeln.

Das Keimungsmodell der Bohne gehört sicherlich nicht zu den visuell herausragenden und inhaltlich anspruchsvollen Modellen unserer Sammlung, ist für Lehrmodelle aber ausgesprochen typisch:
Es ist trotz seiner Höhe sehr leicht (ca. 400 g), recht stabil und stark vergrößert (10fach), um auch in großen Hörsälen und Klassenräumen noch Details erkennbar zu halten. Außerdem stammt es von einem der ehemals führenden Hersteller von Lehrmodellen, der Firma Osterloh-Modelle in Leipzig (www.osterloh-modelle.de). Bis heute lassen sich deren Modelle in zahllosen Schul- und Hochschulsammlungen finden.

Das Unternehmen wurde 1880 und vermutlich in Leipzig von dem Kunstmaler Paul Osterloh (1850-1929) gegründet, später von dessen Sohn Alfred Osterloh (1892-1976) weiter ausgebaut, und wird bis heute (als Einzelunternehmen) in Familienbesitz geführt. Im frühen 20. Jahrhundert hatte Osterloh-Modelle über 50 Mitarbeiter und vertrieb weit mehr als 300 Modelle vom Grashalm bis zum Torso in der ganzen Welt. 
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert existierten zahllose Hersteller solcher biologischer Lehrmodelle für Schule und Hochschule - u. a. Blaschka (Dresden), Brendel (Berlin), Eppler (Rudolstadt), Hummel (Leipzig), Meusel (Sonneberg), Ziegler (Freiburg) - von denen neben Osterloh-Modelle nur SOSMO (Sonneberg und Coburg) bis heute überlebt hat. Damals war Deutschland auch weit über die Biologie hinaus gewissermaßen 'Weltmarktführer' nicht nur im Bereich der Lehrmodelle, sondern auch der Wandtafeln (Rollbilder).

Das abgebildete Modell der Bohnenkeimung wird in den Lehrmittelkatalogen der Firma Osterloh-Modelle unter der Nummer 99d als Teil einer Serie geführt, die insgesamt vier Modelle umfasst:
"a) In trockenem Zustande, ungekeimt. b) In gequollenem Zustande. Die Wurzel hat die Schutzhülle durchbrochen. c) Fortgeschrittener Zustand. Keimblätter von der Schutzhülle fast ganz befreit. Wurzeln mit Nebenwurzeln. d) Junge Pflanze mit noch anhaftenden Keimblättern. Vergr. a) b) und c) 15 fach. Vergr. d) 10 fach."

FSU Slg Biologiedidaktik Katalog_Bohne

Keimlingsmodelle Bohne. Osterloh-Modell
Nr. 99a-d. Neue Botanische Osterloh-Modelle.
Leipzig 1926. S. 10


Diese vier Modelle wurden Ende der 1920er Jahre für insgesamt 45 Mark abgegeben (Neue Botanische Osterloh-Modelle. Koehler & Volckmar A.-G. & Co. Leipzig 1926, S. 9.), eine Preisliste von 1956 weist einen Einzelpreis von 27 DM für den Exportmarkt aus (Preisschlüssel für botanische Osterloh-Modelle IV/1956, Firmenarchiv Osterloh).

Obgleich es sich bei dieser Reihe um recht einfache und zudem nicht zerlegbare Modelle handelt, ist von einem komplexen Herstellungsprozess auszugehen: Von Alfred Osterloh sind einige Mappen überliefert, in denen er zahllose detaillierte wissenschaftliche Zeichnungen in Vorbereitung der Modellerstellung anfertigte. Dazu führte er selbst Beobachtungen und Präparationen durch und untersuchte etwa Wachstums- und Veränderungsprozesse in Keimungsversuchen für Modelle der Erbse. Über bestimmte Details fand sogar ein Briefwechsel mit Fachwissenschaftlern der entsprechenden Gebiete statt (vgl. Mappen zur Modellentwicklung, Firmenarchiv Osterloh-Modelle). Ebenfalls überliefert ist ein Manuskript, das als Handbuch für die Ausbildung zum Biologiemodellbauer diente und noch detailliert zu untersuchen ist. Darin stellt Alfred Osterloh Fertigungsverfahren und Modellentwicklung dar, hier soll eine kurze Zusammenfassung des Herstellungsprozesses gegeben werden: Nach eingehenden Beobachtungen und Vorstudien modellierte man das Objekt in Teilen (falls zerlegbar) oder als Ganzes in Ton und erstellte im Anschluss daraus ein Gips-("Grund-")Modell. Abhängig von Aufbau und Komplexität des Objekts wurden davon nun verschiedene Teilformen abgenommen, die für die Serienproduktion dienten. Dazu kamen je nach Anforderungen unterschiedliche Verfahren (vom Gießen bis zum Vakuumtiefziehen) und Materialien (z.B. Gips, Papiermaché, später Kunststoffe) zum Einsatz. Eher ungewöhnliche Materialien finden sich in den Details: an einer Löwenzahnblüte verwendete man Flaumfedern für die Nachbildung der "Wolle" im Blütenboden, in einem Modell des Getreide-Rostpilzes handelsübliche Kordel für die Darstellung des Myzels.

FSU Slg Biologiedidaktik Modell Löwenzahn

Flaumfedern am Blütenboden des Löwenzahn-Modells. Osterloh-Modell Nr. 123,
Foto Michael Markert


FSU Slg Biologiedidaktik Modell Getreiderost Detail

Aus Kordel geformtes Mycel im Getreiderost-Modell. Osterloh-Modell Nr. 45
Foto Michael Markert

Nach der notwendigen Oberflächenbehandlung (Entgraten, Kaschieren, Malgrundierung) wurden die Modelle bemalt oder gespritzt. Der gesamte Fertigungsprozess erfolgt bis heute in Handarbeit, auch wenn inzwischen hauptsächlich Zwei-Komponenten-Gießharze zum Einsatz kommen. Ein vergleichbares Modell der Bohnenkeimung, Modell Nr. 117, wird bis heute praktisch unverändert vertrieben.
Für die Forschung innerhalb unserer Arbeitsgruppe sind solche Lehrmittel in mehrfacher Hinsicht relevant:

1. Sie geben Einblick in frühere Lehrpraxis an Schule und Hochschule.
2. Sie weisen Traditionslinien innerhalb der Lehre aus, die sich bis heute fortsetzen oder auch überlebt haben (Materialien, Darstellungskonventionen, didaktische Ansätze)
3. Sie erlauben die Analyse der Wechselwirkungen zwischen wissenschaftlicher Forschung und deren öffentlicher Repräsentation.


Michael Markert

 

Kontakt 

Prof. Dr. Uwe Hoßfeld

Arbeitsgruppe Biologiedidaktik
Am Steiger 3 (Bienenhaus)
07743 Jena
Deutschland
Tel. +49 (0) 3641 949491

nicht öffentlich -
nur nach Voranmeldung

Homepage
Sammlungsdatenbank

Logo Weltoffene Hochschulen gegen Fremdenfeindlichkeit

Logo Total E-Quality Coimbragroup Partnerhochschule des Spitzensports